Abwärmenutzung soll Ausbau von Rechenzentren beschleunigen

Orcan Energy nutzt Abwärme zur Stromerzeugung und adressiert Energieengpässe bei KI-Rechenzentren

02.04.2026

Quelle: E & M powernews

Abwärmespezialist Orcan Energy expandiert in den Markt für KI-Rechenzentren. Die Abwärmenutzung soll Netzanschlüsse und zusätzliche Turbinen teilweise ersetzen.
 
Der Münchner Anbieter Orcan Energy erweitert sein Geschäftsfeld in Richtung KI-Rechenzentren. Das Unternehmen adressiert damit Engpässe bei Netzanschlüssen und Lieferketten für Erzeugungsanlagen, teilte der Abwärmespezialist am 2. April mit. Das neue Angebot zielt laut Orcan darauf ab, den „massiven Energieengpass im Hyperscale-Bereich zu lösen“. Betreiber großer Rechenzentren sehen sich zunehmend mit langen Wartezeiten konfrontiert, die den Ausbau von Kapazitäten verzögern. 

An wichtigen digitalen Knotenpunkten erreichen nach Auskunft von Orcan Energy die Wartezeiten für Netzanschlüsse inzwischen bis zu zehn Jahre. Hyperscaler sind daher zunehmend gezwungen, die benötigte Energie mit eigenen Erdgasturbinen direkt vor Ort zu erzeugen. Allerdings belaufen sich die Lieferzeiten für diese auf bis zu drei Jahre. Hier setzt das neue Angebot der Münchner an. Mit der Organic Rankine Cycle (ORC)-Technologie könne das Unternehmen den Rechenzentren-Betreibern ermöglichen, ungenutzte Abwärme in Grundlastenergie umzuwandeln. 

ORC-Technologie als Ergänzung zur Eigenerzeugung

Die Systeme wandeln Abgaswärme aus vorhandenen Erzeugungsanlagen in elektrische Energie um. Nach Unternehmensangaben lassen sich so bis zu 35 Prozent zusätzliche Leistung vor Ort bereitstellen. Kern des Angebots ist das containerbasierte „Modul eP 1000“. Es erreicht eine elektrische Nettoleistung von 1 MW pro Einheit. Die Anlage nutzt eine Turbine, die auf schwankende Abgasströme ausgelegt ist. Das standardisierte Design ermöglicht eine Installation innerhalb weniger Wochen nach Lieferung.

Die zusätzliche Stromerzeugung aus der Abwärme verändert die Dimensionierung von Rechenzentrumsstandorten, teilte Orcan dazu weiter mit. Betreiber könnten die Anzahl der erforderlichen Primäraggregate reduzieren. In einem Beispiel sinkt der Bedarf von 15 auf elf Gasturbinen bei einer Gesamtleistung von 260 MW. Parallel reduziere sich der Brennstoffeinsatz. Für eine vergleichbare Leistung benötigt die Anlage rund ein Viertel weniger Brennstoff. Die Abwärmenutzung verschiebt damit die Rolle der Primärerzeugung innerhalb des Gesamtsystems. 

Die ORC-Module selbst stehen laut Hersteller innerhalb von zwölf Monaten zur Verfügung. Die Installation erfolgt innerhalb eines Monats. Orcan Energy gibt eine Amortisationszeit von unter vier Jahren an.

Grundsätzlich funktionieren die Orcan-Energy-Module − sogenannte ORC-Module (Organic Rankine Cycle) − wie ein Dampfkraftwerk. Anstatt des Arbeitsmediums Wasser kommt im Prozess eine organische, beispielsweise kohlenstoffbasierte Flüssigkeit mit einer niedrigen Verdampfungstemperatur zum Einsatz. Mithilfe von Wärmetauschern wird die Flüssigkeit erwärmt und den ORC-Modulen zur Stromerzeugung zugeführt.
 
Autorin: Heidi Roider

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