Studie warnt vor Kosten des Freileitungsausbaus

Studie warnt: Technologiewechsel beim Südwestlink könnte Netzausbau verzögern und Milliardenkosten verursachen

30.04.2026

Quelle: E & M powernews

Eine Studie sieht bei einem Wechsel von Erdkabeln zu Freileitungen erhebliche Verzögerungen und Mehrkosten für Südwestlink.

Ein möglicher Wechsel von Erdkabeln zu Freileitungen beim Netzausbauvorhaben „SuedWestLink“ würde den Ausbau deutlich verzögern und zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe verursachen. Zu dieser Einschätzung kommt eine aktuelle Studie von Frontier Economics in Kooperation mit der Kanzlei Görg und der Beratungsgesellschaft „ef.Ruhr“.

Die Untersuchung im Auftrag der Kabelhersteller NKT und Prysmian betrachte erstmals den gesamten Lebenszyklus eines Netzausbauprojekts und gehe damit über die bislang häufig im Fokus stehenden reinen Investitionskosten hinaus, heißt es in einer Mitteilung von NKT.

Südwestlink soll Windstrom von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg transportieren. Ein Technologiewechsel hin zu Freileitungen würde laut Studie eine erneute Planung erforderlich machen. Dadurch könne sich die Inbetriebnahme um mindestens vier bis sieben Jahre verschieben.

Diese Verzögerung hätte nach Angaben der Autoren unmittelbare wirtschaftliche Auswirkungen. Für jedes Jahr ohne die zusätzliche Netzkapazität entstünden demnach Mehrkosten von rund 180 bis 190 Millionen Euro. Ursache seien vor allem zusätzliche Redispatch-Maßnahmen, die notwendig würden, um Angebot und Nachfrage im Stromsystem auszugleichen. Über den gesamten Verzögerungszeitraum summierten sich die vermeidbaren Mehrkosten laut Studie auf bis zu 1,3 Milliarden Euro.

Inbetriebnahme im Jahr 2037 geplant

In der Version des Netzentwicklungsplans von 2023 wurde noch der Vorrang der Erdverkabelung angenommen. Die Inbetriebnahme wurde damals für 2037 avisiert.
Darüber hinaus stellt die Analyse verbreitete Annahmen zu den Kosten von Erdkabeln infrage. Während in der öffentlichen Debatte häufig deutlich höhere Investitionskosten gegenüber Freileitungen genannt würden, komme die Studie bei einer Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus auf einen Mehrkostenfaktor von etwa zwei. Damit relativiere sich der Unterschied über die Betriebsdauer deutlich.

Neben den Kosten verweist die Studie auch auf weitere Aspekte wie Akzeptanz und Systemstabilität, die bei der Wahl der Übertragungstechnologie eine Rolle spielten. Entscheidend sei jedoch vor allem die Gesamtkostenbetrachtung über die Laufzeit, die durch Verzögerungen maßgeblich beeinflusst werde. Die Untersuchung hebt zudem die Bedeutung von Planungssicherheit für große Infrastrukturprojekte hervor. Ein Richtungswechsel könne nicht nur Zeitverluste verursachen, sondern auch zusätzliche Kosten, die sich vermeiden ließen.

Hintergrund der Debatte ist eine geplante Novelle des Bundesbedarfsplangesetzes, die in den kommenden Tagen im Bundeskabinett behandelt werden soll. Der Entwurf sieht eine stärkere Nutzung von Freileitungen vor. Die Studienautoren kommen jedoch zu dem Schluss, dass ein solcher Ansatz das Ziel einer Beschleunigung des Netzausbaus verfehlen könnte.

Das Bundesbedarfsplangesetz bezieht sich auf Vorhaben, „für die die energiewirtschaftliche Notwendigkeit und der vordringliche Bedarf zur Gewährleistung eines sicheren Netzbetriebs“ festgestellt wurden. Eine Reihe von Projekten sind Gleichstrom-Vorhaben, für die ursprünglich eine vorrangige Umsetzung mit Erdkabeln vorgesehen war, einige davon sollten in Teilabschnitten unter der Erde realisiert werden.

Die zweite gesetzliche Grundlage für den Netzausbau ist das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG). Dieses enthält Vorhaben auf der 380-kV-Ebene, die als „notwendig für die Energieversorgung in Deutschland“ eingestuft wurden und in der Zuständigkeit der Bundesländer liegen.
 
Die Studie von Frontier Economics ist derzeit nicht im Internet verfügbar.

Autor: Fritz Wilhelm