Neuer Leitfaden soll Geothermie im Stadtquartier voranbringen

Neuer Leitfaden zeigt, wie oberflächennahe Geothermie in urbanen Bestandsquartieren technisch, wirtschaftlich und rechtlich umgesetzt werden kann

16.04.2026

Quelle: E & M powernews

Die Stiftung Umweltenergierecht hat einen Leitfaden veröffentlicht, wie Wärmeversorgungskonzepte mit oberflächennaher Geothermie in Bestandsquartieren umgesetzt werden können. 

Ein neuer Leitfaden der Stiftung Umweltenergierecht und ihrer Projektpartner zeigt, wie Wärmeversorgungskonzepte mit oberflächennaher Geothermie in urbanen Bestandsquartieren geplant und umgesetzt werden können. Er richtet sich an Energieversorger, Kommunen und Immobilienakteure, teilte die Stiftung Umweltenergierecht am 14. April mit. 

Der Leitfaden entstand im Forschungsprojekt „UrbanGroundHeat“. Beteiligt waren das Fraunhofer IEE und Fraunhofer IEG, die Gasag Solution Plus, das Institut für Solarenergieforschung sowie die Stiftung Umweltenergierecht. Letztere verantwortete die rechtswissenschaftliche Analyse. Ziel ist es, Planungsprozesse zu strukturieren und die Entwicklung geothermischer Versorgungslösungen im urbanen Bestand zu beschleunigen.

Die oberflächennahe Geothermie nutzt Erdwärme bis in Tiefen von rund 400 Metern und Temperaturen bis etwa 25 Grad Celsius. Sie eignet sich daher laut den Projektpartnern für die Wärme- und Kälteversorgung von Gebäuden sowie für die Integration in Quartiersnetze. Denn Erdwärmesonden ermöglichen sowohl dezentrale Anwendungen als auch die Einbindung in Nah- und Fernwärmesysteme. Der Leitfaden verweist hier unter anderem auf die kontinuierliche Verfügbarkeit der Wärme und deren Einsatzmöglichkeiten in dicht bebauten Gebieten. 

Rechtliche Rahmenbedingungen im Fokus

Der Leitfaden orientiert sich an den zentralen Phasen der Projektentwicklung. Er beginnt mit einem Machbarkeits-Check, der die grundsätzliche Eignung eines Standorts bewertet. Es folgen Hinweise zur Bedarfsermittlung sowie zur Analyse geologischer und technischer Potenziale.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Darstellung technischer Varianten für die Quartiersversorgung. Der Leitfaden vergleicht unterschiedliche Systemkonfigurationen und gibt Hinweise zur Vorbereitung der Umsetzung. Ergänzend behandelt er wirtschaftliche Bewertungsansätze und Entscheidungsgrundlagen für Investitionen. 

Die Autoren stellen die rechtlichen Anforderungen in den Mittelpunkt. Maßgeblich sind insbesondere wasserrechtliche Vorgaben, die Planung, Genehmigung und Betrieb von Erdwärmesonden bestimmen. Dazu zählen Regelungen aus dem Wasserhaushaltsgesetz, der Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen sowie landesrechtliche Bestimmungen. Darüber hinaus analysiert ein integriertes Gutachten die rechtlichen Voraussetzungen für den Zugriff auf öffentliche und private Flächen. Es behandelt vertragliche Gestaltungsoptionen für Energieversorger im Kontext von Sondenfeldern und Wärmenetzen. 

Der Leitfaden berücksichtigt auch gesetzliche Entwicklungen. Dazu zählen Regelungen aus dem Geothermie-Beschleunigungsgesetz, dem Wärmeplanungsgesetz und dem Gebäudeenergiegesetz. Zusätzlich erläutert die Veröffentlichung Anforderungen aus dem Bergrecht sowie Anzeige- und Dokumentationspflichten nach Bundesberggesetz und Geologiedatengesetz. Die Autoren sehen den Leitfaden als Ergänzung zu bestehenden Regelwerken der Bundesländer, die bislang vor allem Einzelgebäude adressieren.

Der „Leitfaden für Wärmeversorgungskonzepte mit oberflächennaher Geothermie“ ist kostenlos als PDF auf der Hompepage der Stiftung Umweltenergierecht herunterzuladen.

Autorin: Heidi Roider