Fraunhofer entwickelt recyclingfähige Rotorblätter
Neues Rotorblatt-Design setzt auf Austauschbarkeit und recyclingfähige Materialien für mehr Nachhaltigkeit in der Windkraft
29.04.2026
Quelle: E & M powernews
Das Fraunhofer IWU hat mit Partnern im EU-Projekt „RECREATE“ ein Rotorblatt-Konzept vorgestellt, das Reparaturen erleichtern und Materialkreisläufe in der Windkraft verbessern soll.
Mit dem Ausbau der Windenergie wächst auch die Frage, wie sich ausgediente Anlagenkomponenten nachhaltig verwerten lassen. Besonders Rotorblätter gelten als Herausforderung für die Kreislaufwirtschaft. Sie bestehen heute meist aus glasfaserverstärkten Verbundwerkstoffen und erreichen laut dem Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) in Chemnitz, eine Lebensdauer von rund 20 Jahren. Spätestens nach etwa 30 Jahren müssten sie ersetzt werden.
Da der Ausbau der Windkraft in Europa kurz nach der Jahrtausendwende deutlich anzog, werden in den kommenden Jahren große Mengen alter Rotorblätter das Ende ihrer Nutzungszeit erreichen. Nach Angaben des IWU fallen dann mehrere zehntausend Tonnen Verbundmaterialien pro Jahr an. Klassische Entsorgungswege wie thermische Verwertung oder das Zerkleinern zur Beimischung in Zement gelten aus Sicht der Forscher nicht als nachhaltige Lösungen. Eine Deponierung ist in der Europäischen Union untersagt.
Reparieren statt Austausch
Vor diesem Hintergrund hat das IWU gemeinsam mit Partnern im EU-Projekt Recreate ein neues Konstruktionsprinzip für Rotorblätter entwickelt. Ziel sei es, verschleißanfällige Komponenten austauschbar zu machen und recyclingfähigere Materialien einzusetzen.
Nach Angaben des Instituts liegt ein zentraler Schwachpunkt heutiger Rotorblätter an der Vorderkante. Dieser Bereich ist dauerhaft Wind, Regen und Staub ausgesetzt und verschleißt je nach Standort besonders schnell. Wenn sich diese Kante nicht separat ersetzen lasse, müsse häufig das gesamte Rotorblatt ausgetauscht werden.
Das Forschungsteam um Justus von Freeden vom Fraunhofer IWU in Wolfsburg setzt deshalb auf einen modularen Aufbau. Bei dem Demonstrator bildet ein durchgehender tragender Holm die Basis. Weitere Bauteile werden daran befestigt. Die Vorderkante besteht laut IWU aus Thermoplasten und Naturfasern und ist über eine lösbare Klebeverbindung montiert. Dadurch könne sie bei Verschleiß ausgetauscht werden.
Das Institut verweist zudem auf betriebliche Vorteile. Mit zunehmendem Abrieb an der Vorderkante verschlechtere sich die Aerodynamik, wodurch der Wirkungsgrad sinke. Ein rechtzeitiger Austausch könne daher den Energieertrag und die Wirtschaftlichkeit einer Anlage über längere Zeit stabil halten.
Automatisierte Fertigung
Neben der Reparaturfähigkeit zielt das Konzept auf eine stärker automatisierte Fertigung in Europa. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den eingesetzten Werkstoffen. Das IWU bewertet naturfaserverstärkte Thermoplaste als besser geeignet für Wiederverwendung, Reparatur, Aufarbeitung und Recycling. Im Vergleich zu glasfaserverstärkten Kunststoffen sollen sie mechanische Recyclingprozesse robuster überstehen. Beim Zerkleinern und erneuten Aufschmelzen verliere das Material seine Eigenschaften demnach schrittweise.
Das Projekt Recreate vereinte nach Angaben des IWU rund 20 Partner aus Forschung und Industrie. Koordiniert wurde das Vorhaben vom Politecnico di Milano in Italien. Beteiligt waren unter anderem das Fraunhofer-Institut für Holzforschung Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI), Braunschweig, die Invent GmbH aus Braunschweig sowie weitere Unternehmen und Hochschulen aus mehreren europäischen Ländern. Finanziert wurde das Projekt über das Forschungsprogramm Horizont Europa der Europäischen Union.
Weitere Informationen zum Projekt Recreate stehen im Internet bereit.
Autorin: Susanne Harmsen