Erste Batteriezelle der Forschungsfabrik in Münster

Fraunhofer produziert in Münster erstmals eine funktionsfähige Lithium-Ionen-Zelle mit vollständig europäischer Prozesskette

16.12.2025

Quelle: E & M powernews

Die Fraunhofer-Forschungsfertigung in Münster eine funktionsfähige Lithium-Ionen-Zelle hergestellt. Damit erreichen europäische Batterietechnologien erstmals industrielle Anwendung.

Die Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle, FFB, hat in Münster erstmals eine elektrisch funktionsfähige Lithium-Ionen-Batteriezelle produziert. Laut Fraunhofer handelt es sich um die erste Zelle aus dem ersten Bauabschnitt der Forschungsfabrik „FFB PreFab“. Dabei kam eine vollständig durchgängige Prozesskette zum Einsatz, die ausschließlich auf europäischer Anlagentechnik basiert – von der Elektrodenfertigung bis zur geladenen Zelle.

Die Forschungsfertigung Batteriezelle ist eine Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung mit Hauptsitz in München. Sie verfolgt das Ziel, neue Batterietechnologien aus der Forschung in eine industrielle Produktion zu überführen. In Münster entsteht dafür schrittweise eine Forschungsfabrik, die Prozesse im Pilot- und später im Gigafactory-Maßstab abbilden soll.

Lob aus dem Forschungsministerium

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) erklärte laut Ministerium, nur Länder mit eigener wettbewerbsfähiger Batteriezellproduktion könnten sich im internationalen Wettbewerb behaupten. Die Batterie sei eine Schlüsseltechnologie für klimaneutrale Mobilität und Energieerzeugung. Die FFB sei als Teil der Hightech Agenda Deutschland darauf ausgerichtet, Forschungsergebnisse systematisch in die wirtschaftliche Anwendung zu überführen. Die nun produzierte Zelle bezeichnete Bär als wichtigen Schritt für Batterien „Made in Germany“.

Auch aus Nordrhein-Westfalen kam Anerkennung. Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte, das Land wolle sich als Standort für moderne Hightech-Industrie positionieren. Eine starke europäische Batterieproduktion sei aus ihrer Sicht zentral für technologische Unabhängigkeit und industrielle Transformation. Münster leiste mit der FFB einen Beitrag, indem Forschung, Entwicklung und industrieller Transfer an einem Ort zusammengeführt würden.

Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU) betonte, dass die Einrichtung die Lücke zwischen Grundlagenforschung und großindustrieller Anwendung schließen solle. Batterien seien bereits heute in vielen Alltagsanwendungen präsent, etwa in der Energieversorgung und der Elektromobilität. Die FFB könne dazu beitragen, Fachkräfte auszubilden und wissenschaftliche Expertise in Nordrhein-Westfalen zu bündeln.

Eine Milliarde Euro Förderung

Fraunhofer-Präsident Holger Hanselka erklärte, Batterietechnologien spielten eine zentrale Rolle für die technologische Souveränität Deutschlands. Der Start der Pilotlinie in der FFB Prefab zeige, dass Fraunhofer als Bindeglied zwischen Forschung und Serienproduktion fungiere. Er dankte dem Bundesforschungsministerium (BMFTR) sowie dem Land Nordrhein-Westfalen für die finanzielle Unterstützung.

Der Bund hat zugesagt, die notwendigen Mittel für den weiteren Aufbau der FFB bereitzustellen. Ziel ist laut BMFTR der Aufbau einer Forschungsfabrik im Gigafactory-Maßstab. Die geplanten Gesamtkosten sind inflationsbedingt gestiegen: von ursprünglich rund 500 Millionen Euro in den Jahren 2019 und 2020 auf inzwischen bis zu 750 Millionen Euro. Diese Summe trägt der Bund für den Forschungsbetrieb und die technische Infrastruktur.

Das Land Nordrhein-Westfalen investiert rund 320 Millionen Euro in Grundstücke und Gebäude. Es ist für Bau und Finanzierung der Gebäude verantwortlich, während der Bund die Ausstattung, einschließlich Rein- und Trockenräumen, finanziert. Größte Zuwendungsempfängerin und Konsortialführerin ist die Fraunhofer-Gesellschaft, die das Projekt gemeinsam mit weiteren Partnern umsetzt.

Die FFB entsteht in zwei Bauabschnitten. Der erste Abschnitt, die „FFB PreFab“, wurde im Frühjahr 2024 eröffnet und umfasst mehr als 3000 Quadratmeter Forschungsfläche für Produktionsprozesse im Pilotmaßstab. Der zweite Abschnitt, die „FFB Fab“, befindet sich im Bau. Auf rund 20.000 Quadratmetern sollen dort künftig Produktionsprozesse im Gigafactory-Maßstab für Wissenschaft und Industrie erprobt werden.

Autorin: Susanne Harmsen