Elektrischer Heizer statt Erdgasbrenner

Forschungsprojekt testet elektrische Hochleistungsheizer als klimafreundliche Alternative zu Erdgas in der Industrie

17.03.2026

Quelle: E & M powernews

Das junge Unternehmen „HyperHeat“ und die RWTH Aachen testen elektrische Hochleistungsheizer für industrielle Hochtemperaturprozesse. Sie sollen Erdgasbrenner ersetzen oder ergänzen. 

 

Der Technologieanbieter Hyper Heat startet gemeinsam mit dem Institut für Industrieofenbau und Wärmetechnik (IOB) der RWTH Aachen University ein Forschungsprojekt zur Elektrifizierung industrieller Hochtemperaturprozesse, teilte die Projektpartner am 16. März mit. Ziel des Projektes ist es zu erforschen, welche ökonomischen und ökologischen Einsparungen durch den Ersatz eines fossilen Brenners mit einem elektrischen „HyperHeat-Heizer“ erzielt werden können. 

Das Unternehmen Hyper Heat entwickelt elektrische Hochleistungsheizer für industrielle Hochtemperaturanwendungen. Die Systeme erreichen Temperaturen bis zu 2.000 Grad Celsius und adressieren Prozesse wie das Schmieden von Stahl oder thermische Behandlungen in der Metallverarbeitung. Die Technologie nutzt vorhandene Öffnungen in Industrieöfen und soll bestehende Erdgasbrenner ersetzen oder ergänzen. Betreiber können dadurch zwischen Strom und Gas wechseln. Der Ofenbetrieb lässt sich damit abhängig von Energiepreis und Verfügbarkeit steuern.

Im Technikum des Aachener Instituts installieren die Projektpartner nun eine Retrofitlösung in einem Versuchsofen. Dort testen sie den elektrischen Heizer unter Bedingungen, die typischen industriellen Prozessen entsprechen.

Hyper Heat will mit den Versuchen technische Daten für den industriellen Einsatz ermitteln. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, ein marktfähiges Produkt für energieintensive Industrien zu entwickeln. Zusätzlich analysieren die Forschenden Faktoren, die Lebensdauer und Materialbeständigkeit der Komponenten beeinflussen.

Versuchsreihen ab Sommer 2026

Das Projekt gliedert sich in drei Phasen: Bis Juni 2026 plant Hyper Heat den elektrischen Heizer zu fertigen und an das Institut zu liefern. Anschließend beginnt das Team des Instituts mit Versuchsreihen unter unterschiedlichen Betriebsszenarien. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf zwei Temperaturbereiche. Ein Hochtemperaturbereich um etwa 1.250 Grad Celsius bildet Schmiedeprozesse für Stahl ab. Ein zweiter Bereich um rund 500 Grad Celsius entspricht Anwendungen in der Wärmebehandlung von Aluminium.

Von Herbst 2026 an wollen die Projektpartner die Versuchsdaten dann auswerten. Die Ergebnisse sollen Hinweise auf die Integration elektrischer Beheizungsmethoden in bestehende Thermoprozessanlagen liefern. 

Institutsleiter Christian Wuppermann sieht in Prozessgaserhitzern eine Option zur Dekarbonisierung energieintensiver Hochtemperaturprozesse. Die Integration hybrider Beheizungsmethoden stelle jedoch technische Anforderungen an Anlagenbetrieb, Materialbelastung und Prozessstabilität. Das Projekt soll dazu beitragen, Risiken bei der Implementierung solcher Technologien in bestehenden Industrieanlagen zu identifizieren. Wuppermann: „Durch die Kooperation zwischen Industrie und Wissenschaft kann die Implementierung von neuen Technologien beschleunigt werden“. 

Hyper Heat entwickelt elektrische Hochleistungsheizer für die Schwerindustrie, die Temperaturen von bis zu 2.000 Grad Celsius erreichen können. Damit will Hyper Heat künftig eine wirtschaftliche, CO2-freie Alternative für energieintensive Branchen wie Stahl, Glas, Keramik und Zement bieten, die bislang auf fossile Brennstoffe angewiesen sind. Die elektrischen Heizer können bestehende Öfen entweder vollständig elektrifizieren oder als hybride Lösung zunächst ergänzend zu bestehenden Gasbrennern installiert werden. Das Unternehmen wurde 2023 gegründet und ist in Offenburg und Köln ansässig.

Das Vorhaben läuft im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM) und erhält Fördergelder durch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE).

Autorin: Heidi Roider