Klinische Robotik – Status quo und Zukunftsperspektiven

Spezielle chirurgische Eingriffe insbesondere in der Laparoskopie, der Herzchirurgie oder der Orthopädie sind heutzutage durch die Unterstützung von assistiven, technischen Systemen überhaupt erst möglich geworden. Auch neue therapeutische Chancen sind dadurch vorhanden und bieten den zu behandelnden Personen und dem chirurgischen Fachpersonal zahlreiche Vorteile.

Klinische Robotik
Methodik der Zukunft? Modernste Entwicklung auf dem Gebiet der minimal-invasiven Operationen – Da Vinci-Operationsroboter, bestehend aus einer Steuerkonsole und dem OP-Roboter mit drei oder vier Armen.

Präzisere Eingriffe, geringerer Blutverlust und bessere Nähte

Eine erhebliche Erleichterung für Erkrankte gegenüber offenen Operationen bieten minimal-invasive operative Behandlungen mithilfe von assistiven, technischen Systemen. Die Vorteile dieser schonenden Alternative liegen z. B. in den verkürzten Operationszeiten, verbunden mit weniger Komplikationen, geringerem Blutverlust und einer besseren Überwachung der Abläufe. Auch präzisere Eingriffe, beispielsweise das Setzen von Pedikelschrauben in der Wirbelsäulenchirurgie sind durch navigierte und robotergestützte Instrumentenführungen ein wesentlicher Fortschritt. In der Kardiochirurgie kann das Eröffnen des Brustkorbs zur Rekonstruktion oder dem Ersatz von Herzklappen sowie zukünftig von Bypassoperationen vermieden werden. Dadurch ist die Belastung für die zu behandelnde Person im Vergleich zu langen Operationen mit der Herz-Lungen-Maschine geringer. Dies ist gewinnbringend für die Rehabilitation und verringert nachgelagerte Komplikationen.

Roboter oder Hightech-Assistenz?

Die assistiven, technischen Systeme werden oft als robotische Systeme bezeichnet, obwohl es zumindest bisher letztlich keine Roboterchirurgie, sondern eine roboterassistierte Chirurgie ist. Diese Unterscheidung ist insofern wichtig, dass die chirurgische Fachkraft die volle Kontrolle über den Eingriff hat und jederzeit selbst über den Fortgang und die technische Unterstützung entscheiden kann. Ein Roboter ermüdet nie – daher können langandauernde und ermüdende, wiederkehrende Abläufe bei Operationen an roboterassistierte Systeme ganz oder teilweise übergeben werden. Die Frage nach der Haftung wird jedoch bei Fehlfunktionen oder „unexpected errors“ in der Software gestellt. Zahlreiche rechtliche Diskussionen zu Haftungsfragen, aber auch technische Fragestellungen wie der Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Steuerung der Systeme werden derzeit geführt.

Für die Zukunft laufend gelernt

Robotische Systeme werden seit über 20 Jahren entwickelt. Einige Systeme waren bereits in einem frühen Stadium im klinischen Einsatz, beispielsweise das RoboDoc-System, das 1992 beim Gelenkersatz in der Orthopädie in Deutschland erstmals genutzt wurde. Später traten vermehrt Komplikationen auf, welche die Zuverlässigkeit und Tauglichkeit dieser Operationsmethode infrage stellten. Ab 2004 führten diese zur Einstufung als experimentelles – mit höheren Risiken verbundenes – Verfahren und zu zahlreichen Klagen von Behandelten. Andere Systeme werden sehr erfolgreich genutzt, wie Da Vinci als Telemanipulator-System. Weitere Methoden werden entwickelt und sind in vielen Bereichen in klinischer Verwendung. Daher ist es heute berechtigt zu sagen, dass nach anfänglichen Schwierigkeiten von Pionieren dieser Systeme viele Lehren und Lerneffekte stattfanden und in der Zukunft zuverlässige, sichere und technisch ausgereifte Hightech-Systeme in zahlreichen Bereichen Anwendung finden werden.

Einblicke in die Zukunft der „Klinischen Robotik“ und

  • Die Vorträge der Session „Scientific & Clinical“ wurden durch eine umfassende Übersicht der technischen Entwicklungen und deren Einsatzpotenzial in den vergangenen 20 Jahren von Prof. Dr. Klaus Radermacher, Leiter des Lehrstuhls für Medizintechnik im Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik der RWTH Aachen, in seinem Vortrag „Medical Robotics - Evolution or Revolution?“ vorgestellt.

    Anschließend ist Frau Dr. Louise McKenna, Leiterin Advanced Therapies, Siemens Healthcare GmbH, in ihrem Vortrag „Clinical Robotics: Future Perspective and Strategy for Diagnostic and Therapy” speziell auf die Technologie von Corindus, einer von Siemens Healthcare übernommenen US Firma, spezialisiert auf roboter-assistierte, interventionelle Eingriffe, eingegangen.

    Prof. Dr. med. Henning Windhagen, Ärztlicher Leiter Department Rekonstruktive Gelenkorthopädie und Endoprothetik und Direktor der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im DIAKOVERE Annastift, hat ergänzend die klinische Perspektive aus Sicht der Orthopädie zum Einsatz aktueller roboter-assistierte Chirurgiesysteme in seinem Vortrag „Robotics in Orthopaedic Surgery: Current Options and Future Perspectives“ umfassend präsentiert.

    Abschließend wurde ein spannender Ausblick von Dr. Dominik Fischer, Product Line Manager Mixed Reality & Robotics, Digital Health Technologies, Brainlab AG, in seinem Vortrag „Robotics: a „Swiss Knife“ for the Digital O.R.?“ mit einem Schwerpunkt zur Wirbelsäulenchirurgie und deren Navigationssystemen vorgetragen.

    Die Moderation der Vorträge und Fragen der Zuschauer erfolgte in erfahrener Weise durch Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des ZVEI - Zentralverband Elektro-technik- und Elektronikindustrie e. V.

    In der Diskussionsrunde am Nachmittag wurden zahlreiche Aspekte, ergänzt durch Zuschauerfragen zu Herausforderungen der klinischen Robotik, unter anderem zu technischen und rechtlichen Fragestellungen und Verbesserungsvorschläge an die Politik, Förderprogrammen und die Industrie diskutiert.

    Teilnehmer der Diskussion unter der der Leitung von Dr. Joachim Haes, Director Government Affairs, DACH und Osteuropa, Intuitive Surgical Deutschland GmbH, waren:

    • Prof. Dr. med. Dirk Wilhelm, Klinischer Leiter, Surgineering, Forschungsgruppe für minimalinvasive interdisziplinäre therapeutische Intervention (MITI), Fakultät für Medizin, Technische Universität München
    • Julian Klodmann, Wissenschaftliche Leitung des MIRO Innovation Lab, Institut für Robotik und Mechatronik, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.
    • Dr. José-Luis Moctezuma, Vice President of Innovation for Digital, Robotics & Enabling Technology, Stryker
    • Robert Geiger, CEO, AKTORmed
    • Prof. Dr. Michael Friebe, Chief Innovator, IDTM GmbH

Haben Sie die Session „Klinische Robotik“ auf dem MedTecSummit verpasst?

Oder interessiert Sie dieses Thema? Hier bieten wir Ihnen eine weitere Möglichkeit, Ihr Wissen zu vertiefen.

Makeathon: TRANSFUSION – Klinische Robotik und Industrierobotik

Termin: Oktober 2021
Das Forum MedTech Pharma e. V. plant zusammen mit dem Medical Valley und dem IGZ Innovations- und Gründerzentrum Nürnberg-Fürth-Erlangen diese digitale Cross-Industrie Veranstaltung. Weitere Informationen zu der in Planung befindenden Veranstaltung erhalten Sie von Julia Ott.

Ich freue mich auf Sie!

Julia Ott