EinDruck³ 2023 – Interview mit Prof. Dr. Michael Eßig, Universität der Bundeswehr München

Michael Eßig ist Inhaber des Lehrstuhls für Beschaffung und Supply Management an der Universität der Bundeswehr München und Referent bei Fachforum EinDruck³, das am 26. April 2023 stattfindet. Wir haben vorab mit ihm darüber gesprochen, wie die Additive Fertigung Unternehmen resilienter macht und worauf insbesondere Mittelständler achten müssen, wenn sie den 3D-Druck in ihrer Lieferkette implementieren wollen.

Header Interview mit Prof. Dr. Michael Eßig

In den Medien werden die Themen resiliente Lieferketten und 3D-Druck oft in einem Atemzug mit diversen Krisen genannt. Mal provokant gefragt: Ist die Additive Fertigung nur ein Notnagel für unruhige Zeiten?

Ja, diesen Eindruck kann man gewinnen. Tatsächlich gibt es gerade aus der Zeit der Corona-Pandemie viele Fallbeispiele, die zeigen, wie die Additive Fertigung kurzfristig Lieferengpässe bzw. gestörte Lieferketten substituieren kann. Sie zeigen das Potenzial des 3D-Drucks für die Erhöhung der Lieferkettenresilienz aber nur ansatzweise. Zum einen ist davon auszugehen, dass die Versorgung durch globale Lieferketten auch weiterhin volatil bleiben wird – neue Krisen wie der Ukraine-Krieg oder potenzielle Konfliktherde mit China machen ein systematisches Risikomanagement erforderlich. Der 3D-Druck hat darin einen festen Platz, der aber früh und nicht „ad hoc“ eingeplant und implementiert werden muss. Zum anderen erfordern nicht nur Krisen deutlich flexiblere Ansätze zur Verbesserung der Versorgungssicherheit. Man denke nur an hochwertige Ersatzteile für langlebige Investitionsgüter, bei denen Ausfallraten etc. nur schwer prognostizierbar sind. Auch hier sind Formen neuer, digitaler Lagerhaltung in Verbindung mit 3D-Druck ein Lösungsansatz, der nicht nur in „besonderen“ Krisenzeiten eine wichtige Rolle spielt.

Wie können produzierende Unternehmen mit Hilfe von additiven Anwendungen gezielt ihre Resilienz erhöhen?

Resilienz ist die Fähigkeit von Unternehmen, gut bzw. besser als Wettbewerber mit Störungen in der Lieferkette umzugehen („Resilienz als Wettbewerbsvorteil“). Dies kann über Redundanz und Flexibilität erreicht werden und ist eine strategische Aufgabe unter zunehmend unsicheren Umweltbedingungen, gerade für produzierende Unternehmen mit globalen (Zu-) Lieferketten. Additive Fertigung kann zu beiden Aspekten einen Beitrag leisten: Sowohl als redundantes System, das traditionelle Fertigungswege ergänzt, als auch als flexibles System, das beispielsweise Kapazitätsspitzen abzudecken vermag oder mit hoher Geschwindigkeit unterschiedlichste Bauteile erstellen kann. 3D-Druck steht für die konsequente Digitalisierung der Lieferkette.

Worauf müssen produzierende Unternehmen achten, wenn sie eine dezentrale Produktionsstruktur implementieren wollen? Was sind die Voraussetzungen?

Um eine dezentrale Produktionsstruktur zu implementieren, muss Digitalisierung sowohl Ergebnis als auch Voraussetzung sein. Nur so ist eine wirkungsvolle Einbindung Additiver Fertigung in eine übergreifende Produktions- und Supply-Chain-Strategie möglich. 3D-Druck ist dabei nicht nur für größere Unternehmen wirtschaftlich umsetzbar, gerade kleine und mittlere Unternehmen können ihr Flexibilitätspotenzial gezielt weiter erhöhen. Wichtig ist, die möglichen Strukturalternativen für eine 3D-Druck-Supply-Chain zu prüfen: Ist eine Eigenfertigung sinnvoll oder sollten 3D-Druck-Dienstleister eingeschaltet werden? Welchen Teil des Wertschöpfungsprozesses übernimmt welches beteiligte Unternehmen? Wie lässt sich die Druckraumauslastung optimieren? Worauf ist nicht nur unter technischen, sondern insbesondere auch unter betriebswirtschaftlichen Aspekten zu achten – und wie lässt sich dabei nicht nur die Kosten-,sondern insbesondere auch die Leistungsseite des 3D-Drucks (z. B. Flexibilität und Geschwindigkeit) in einem Entscheidungskalkül abbilden?

Vielen Dank für das spannende Gespräch! Wir freuen uns auf Ihre Key Note auf der EinDruck³!

Gemeinsam Wissen generieren statt ein Vortrag nach dem anderen

Passive Wissensvermittlung war gestern! Die EinDruck³ bietet Ihnen die Möglichkeit, im Rahmen von interaktiven Sessions mit anderen Teilnehmenden über aktuelle Fragen und Herausforderungen der Additiven Fertigung zu diskutieren. Die Sessions haben die thematischen Schwerpunkte Resilienz und Digitalisierung und werden von Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft moderiert (Siemens, EOS, Daimler Truck AG, toolcraft AG, DB Schenker, Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, Universität Bayreuth, Hochschule München). Profitieren Sie außerdem von spannenden Key Notes und Pitches und erfahren Sie, wie Sie Ihr Unternehmen fit für die Produktion der Zukunft machen.

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Prof. Dr. Michael Eßig