BDEW sieht 2026 als Schlüsseljahr für die Energiepolitik

BDEW zieht positive Bilanz für 2025 und fordert von der Politik schnelle Entscheidungen zu Kraftwerken, Netzen und Wasserstoff

18.12.2025

Quelle: E & M powernews

Im Jahresrückblick verweist der BDEW auf ein erfolgreiches Jahr für die Energiewirtschaft. Viele offene Fragen müsse die Politik rasch klären, an der Spitze stehen die neuen Kraftwerke.

„Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien hat weiter zugelegt, die Gaslieferungen kommen zuverlässig und die CO2-Emissionen sinken erneut.“ So fasste BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae bei einem Termin vor Journalisten die Erfolge der Branche für das bald abgelaufene Jahr zusammen. Laut dem dort vorgestellten Jahresbericht 2025 des Energieverbandes lag die Stromerzeugung bei knapp 500 Milliarden kWh, ein leichtes Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 

Dabei konnte Photovoltaik zum Großteil das historisch windschwache erste Quartal ausgleichen und den Anteil der erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung auf 58 Prozent bringen. Im Strommix bleibt Windkraft aber der mit Abstand wichtigste Energieträger, gefolgt von der Photovoltaik, die erstmals vor Erdgas auf Platz zwei liegt. „Wind und Sonne sind inzwischen ganz eindeutig die Hauptstromlieferanten in Deutschland“, so Andreae. 

Viele Aufgaben für 2026

Wichtig im kommenden Jahr sei die Anpassung des Förder- und Investitionsrahmens für erneuerbare Energien, die den Ausbau nicht ausbremsen darf. „Gleichzeitig müssen der Ausbau Erneuerbarer besser mit den Netzen in Einklang gebracht werden und die Kosten- und Systemeffizienz stärker in den Fokus rücken“, sagte Andreae. Dazu gehörten neben gezielten Förderanreizen auch die Optimierung bei Ausschreibungen. Ein großer Hebel sei auch ein ernstgemeinter Bürokratieabbau, appellierte sie an die Regierung. 

Zudem sieht der BDEW einen wachsenden Handlungsdruck beim Aufbau neuer steuerbarer Kraftwerkskapazitäten. Die Bundesnetzagentur sieht einen Bedarf von mindestens 22.000 MW steuerbarer Leistung als Backup für erneuerbaren Strom und Ersatz für Kohlekraftwerke. „Der Zubau neuer Gaskraftwerke, die später wasserstofffähig betrieben werden können, ist dringender denn je“, mahnte Andreae. 

Selbst bei Ausschreibungen Anfang 2026 würden neue Kraftwerke aufgrund der Bauzeiten voraussichtlich erst Anfang der 2030er Jahre wirksam werden. „Das Kraftwerkssicherheitsgesetz sowie ein sich anschließender technologieoffener Kapazitätsmarkt müssen daher jetzt Priorität haben“, mahnte sie. Gerade vor diesem Hintergrund benötige der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft mehr politische Aufmerksamkeit. Von der Bundesnetzagentur forderte sie, für die Energieunternehmen zeitnah eine Mindestverzinsung zu kommunizieren, um das Vertrauen der Investoren zu erhalten.

Wärmemarkt auf Klimaschutz trimmen

Auch im Wärmemarkt bestünden große Herausforderungen: Drei von vier Haushalten heizen weiterhin mit Gas oder Öl. Zwar steigt im Wohnungsneubau der Anteil der Wärmepumpe auf inzwischen 67 Prozent, doch der Umbau des Bestands bleibt eine Mammutaufgabe. „Millionen Heizungen müssen in den kommenden zwei Jahrzehnten erneuerbar werden. Dafür brauchen wir verlässliche, verständliche und praxistaugliche Regeln“, so Andreae. 

Entscheidend sei auch die rechtliche und wirtschaftliche Ausgestaltung der Transformation der Gasnetze. „Es braucht schnellstmöglich Regelungen, wie die Transformation der Gasversorgung so gelingen kann, dass weder Haushalte und Gewerbe noch die Netzbetreiber und Versorger auf unbezahlbaren Kosten sitzen bleiben“, appellierte die BDEW-Chefin.

Mehr Mittel für Investitionen

Mit Blick auf die schwarz-rote Bundesregierung begrüßt der BDEW erste Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise wie den Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten. Daneben seien jedoch auch steuerliche Entlastungen der Wirtschaft, verlässliche Investitionsbedingungen und weniger bürokratische Hürden notwendig, um den Standort Deutschland zu stärken. Andreae kritisierte zugleich die Finanzierung konsumtiver Maßnahmen aus dem Klima- und Transformationsfonds: „Diese Mittel fehlen dann für dringend notwendige Zukunftsinvestitionen.“

Wasserstoff vorantreiben

Der BDEW empfiehlt eine Wasserstoff-Alliance auf EU-Ebene, die Deutschland mit Frankreich führen könnten. Diese solle ein gemeinsames Commitment in der EU befördern, das Bürokratie abbaut und für einen schnellen Hochlauf sorgt. Damit ließen sich Produktionskosten für H2 deutlich senken, so die Hoffnung. 

Zudem müssten Rechts- und Regulierungsrahmen außerhalb des H2-Kernnetzes gesetzt werden für Speicher, Verteilnetze und Importkorridore, erinnerte Andreae. Die Länder könnten die Nachfrage anreizen durch Preisgarantien und eine Versorgungsabsicherung über Differenzverträge (CfD). Wie die Grünstahlquote könne auch eine Wasserstoffquote Zugpferd für die Einführung sein.

Der BDEW-Jahresbericht zur Energieversorgung 2025 steht im Internet bereit.

Autorin: Susanne Harmsen