18. Jahreskongress

Zulieferer Innovativ

Zukunft Automobil
04./05. Juli 2016, BMW Welt München

 

Bericht

Bildnachweis: Matthias Merz/Bayern Innovativ GmbH 

Zulieferer Innovativ – der Jahreskongress des Cluster Automotive – fand in diesem Jahr bereits zum 18. Mal statt. Spannende Vorträge zur Digitalisierung, dem sich wandelnden Verständnis von Premium, der Entwicklung neuer Fahrzeugkonzepte bis hin zu dezidierten Technologien wie dem Leichtbau, dem automatisierten Fahren sowie der Mensch-Maschine Interaktion im Fahrzeug von morgen bildeten den Rahmen der zwei Kongresstage. Highlights waren, neben den interaktiven Workshops zur Elektromobilität und der Fachsession Digitalisierung, u.a. ein Beitrag von TESLA sowie eine Live-Präsentation des BMW i VISION ‚future interaction car‘. Die BMW Welt in München bot den rund 470 Teilnehmern aus 9 Ländern sowie 31 Ausstellern hierzu einen perfekten Rahmen zum ausgiebigen Netzwerken und Wissenstransfer.

Die Automobilindustrie steht heute – wie noch nie zuvor – vor großen Herausforderungen. Das Thema Digitalisierung ist hierbei die am stärksten treibende Kraft. Zudem sorgen neue Player für eine deutliche „Beschleunigung“ der Branche.
Dr. Rainer Seßner, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH, eröffnete den Kongress mit dem Verweis auf eine aktuelle Studie von Prof. Dr. Willi Diez, in der aufgrund der anstehenden Umbrüche eine Marktbereinigung von bis zu 30% in der heutigen Automobilzulieferindustrie prognostiziert wird. Diese Veränderungen bringen jedoch nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Mit den Worten: „So können wir gemeinsam Lösungen finden, um den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen“, eröffnete Dr. Seßner den diesjährigen Kongress.

Der Bericht ist in folgende Teile gegliedert:

Branche im Wandel - Kunden, Generationen und Digitalisierung

Was erwarten die Kunden in Zukunft von ihrem Auto? Dieser Frage ging Stefan Page, Head of Strategic Accounts - AutoScout24, mit der Vorstellung einer neuen Studie auf den Grund. So bleibt der Besitz des eigenen Autos für zwei Drittel der Befragten bis 2025 weiterhin das Fortbewegungsmittel Nummer eins. Jedoch können sich rund die Hälfte auch eine andersartige, situationsabhängige „Mobilitätslösung“ vorstellen. Sicherheit, bezahlbare Mobilität und ein gesteigertes Umweltbewusstsein sind aktuell die dominanten Themen, wenn es um den Autokauf geht, dies weitestgehend unabhängig vom Alter des Käufers. Vor allem für jüngere Menschen spielt jedoch die Konnektivität eine zunehmend wichtige Rolle.

Niels Clausen-Stuck, Global Director UX bei designaffairs, spannte den Bogen hinsichtlich der zukünftigen Kundenbedürfnisse noch etwas weiter und ging in seinem Vortrag auf die sich von Generation zu Generation ändernden Erwartungshaltungen ein. Der Begriff ‚Premium‘ lässt sich heutzutage nicht mehr an einer Generation festmachen. Vielmehr definiert jede Generation ihr eigenes Verständnis von ‚Premium‘. „Was heute ‚Premium‘ ist, ist morgen schon Massenprodukt.“, so Clausen Stuck. Ob für die Generation Z – der zweiten Generation der digital Natives – das Auto wirklich weiterhin ein Teil der eigenen Identität sowie des Premiumverständnisses sein wird, ließ Clausen Stuck offen.

Abgerundet wurde der erste Vortragsblock durch Petra Jenner, Regional Vice President Europe, Digital Transformation Services, Salesforce.com Germany GmbH, einer ausgewiesenen Expertin des Themas ‚Digitale Transformation‘. Frau Jenner schilderte eindrucksvoll die Auswirkungen der Digitalisierung, und wie disruptive Technologien die Mobilität der Zukunft beeinflussen werden. „Die Digitalisierung bietet große Chancen für Deutschland und die Automobilindustrie“, so Frau Jenner. Hierbei gehe es nicht primär um technologische Innovationen, sondern vielmehr um innovative Geschäftsmodelle, speziell im Marketing und Vertrieb. Disrupteure benutzen bestehende Technologien, um neue, meist simple Geschäftsideen aufzusetzen. „Wir haben es mit fragmentierten Kunden und individuellen Bedürfnissen zu tun. Die entsprechenden Daten liegen unstrukturiert vor. Hier müssen wir ansetzen.“ Die Digitalisierung leite das Jahrhundert des Kunden ein, so Petra Jenner. Die Logik der Wertschöpfung ändere sich, Hardware verschwinde zunehmend, und die verbliebene Hardware werde zukünftig von Software dominiert.

Podiumsdiskussion

Die ‚Zukunft der Automobilindustrie‘ lautete das Thema der diesjährigen Podiumsdiskussion.

„Es bestand dringender Handlungsbedarf“, so Franz Josef Pschierer, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, und meinte damit die Umsetzung der Kaufprämie für Elektrofahrzeuge und Ladeinfrastruktur. Dr. Ralf Fröchtenicht, Bereichsleiter Strategie, Projekte, Kapazitätssteuerung, Komplexitätsmanagement, BMW Group rechnet damit, dass 20 bis 25% der Fahrzeugflotte in 2025 elektrifiziert sein werden. „Die Elektromobilität wird kommen, und die BMW Group bereitet sich intensiv darauf vor.“, so Fröchtenicht. Gefragt nach der geeigneten Zulieferstrategie in der derzeitigen Situation, antwortete Dr. Christina Hack, Leiterin Vorentwicklung Brose Gruppe: „Wir beobachten genau, wo es neue Produkte geben könnte und welche Technologien einen besonderen Schub durch die Elektromobilität erhalten, beispielsweise der Leichtbau.“ Auch das Thema Digitalisierung spielt eine herausragende Rolle, wenn es um die Zukunft der Automobilindustrie geht. Prof. Dr. Reinhard German, Lehrstuhlinhaber für Rechnernetze und Kommunikationssysteme, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, hob die zu erwartende Vielfalt der digitalisierten Mobilität hervor. Relevante Themen seien insbesondere die Vernetzungstechnologie, alternative Antriebe, autonomes Fahren sowie neue Geschäftsmodelle, die auf diesen neuen technologischen Möglichkeiten aufsetzen können. Die Digitalisierung werde zu einem effizienten, sauberen und günstigen Verkehr führen. Auf diesem Wege gelte es, noch einige technologische Herausforderungen zu meistern. Das Zentrum Digitalisierung.Bayern werde hierzu seinen Beitrag leisten.

Stichwort ‚Automatisiertes Fahren‘: Hier befinde man sich gerade in der Übergangsphase vom teilautomatisierten zum hochautomatisierten Fahren, führte Dr. Fröchtenicht aus. Frau Dr. Hack betonte, dass man bei diesem Thema vor allem den Kunden nicht außer Acht lassen dürfe. „Was will der Kunde? Was akzeptiert der Kunde?“ Einigkeit bestand darin, dass die Hardware im Zuge der Digitalisierung zwar an Bedeutung verlieren werde, aber nach wie vor ein wichtiges Thema bleibe. In diesem Zusammenhang hob Staatssekretär Pschierer hervor, dass insbesondere die junge Generation andere Anforderungen an das Auto stelle. Dies könne bis zu der Frage führen: Muss ich das Auto überhaupt besitzen? „Hier beneide ich die Automobilwirtschaft nicht.“, so Pschierer. Auch Dr. Fröchtenicht hob hervor, dass man sich in dieser schwierigen Situation vor allem am Kunden orientieren müsse. „Wir verfügen über ein herausragendes Produkt Auto und werden dies durch innovative Services ergänzen“. Einig waren sich alle Podiumsteilnehmer, dass das Auto ein wesentlicher Bestandteil der Individualmobilität bleiben werde.

Der Kunde steht auch im Mittelpunkt, wenn es um die zukünftigen Wertschöpfungsschwerpunkte in der Automobilindustrie geht. Dementsprechend müsse man seine Kompetenzen breiter aufstellen, führte Frau Dr. Hack aus. „Hier stellt sich auch die Frage: wo sieht der OEM zukünftig seinen Kompetenzschwerpunkt.“ Klar sei, dass sich die Wertschöpfungsstrukturen der Branche nachhaltig wandeln werden, weg von der klassischen Wertschöpfungskette, hin zu flexiblen, sich dynamisch verändernden Netzwerken. Wichtig hierbei sei, dass Hersteller wie Zulieferer früh genug zusammenarbeiten, um ihren innovativen Beitrag zu den neuen Themen zu leisten. „Und wir müssen uns fragen: wie können wir die kleinen und mittelständischen Unternehmen in diese Netzwerke integrieren?“, betonte Frau Dr. Hack abschließend. Aus Sicht der bayerischen Staatsregierung kommen hierbei dem Cluster Automotive und dem Zentrum Digitalisierung.Bayern eine Schlüsselrolle zu. Dies beträfe vor allem die branchen- und technologieübergreifende Vernetzung, das sogenannte X-Clustering. „Hier ist in Zukunft viel zu tun.“, so Staatssekretär Pschierer.

Neue Konzepte & Player

Die Digitalisierung gilt als die dritte industrielle Revolution. Wie wird die digitale Technologie das Fahrzeug von morgen verändern? Gibt es überhaupt noch Autos oder ganz andere ‚Gefäße‘, mit denen man mobil ist? Wolfgang Bern, Director of Operation der Local Motors GmbH, erläuterte hierzu das Geschäftsprinzip des amerikanischen Newcomers. Local Motors versteht sich als Technologieunternehmen, welches ‚Co-Creation‘ mit ‚Local Manufacturing‘ vereint. Dazu betreibt Local Motors eine Webseite oder Plattform, auf der derzeit 50.000 sogenannte Co-Creators in einer Community vereint sind. Mit einem speziellen Prozess werden zukünftige Mobilitätsbedarfe aufgespürt. Das Unternehmen versucht dann, diese Bedarfe mit Hilfe der Community umzusetzen – dies sowohl virtuell auf der Plattform als auch lokal in sogenannten Micro Factories, d.h. kleiner Produktionsstätten rund um den Globus, in denen mit neuen Technologien, beispielsweise dem 3D-Druck für den lokalen Bedarf lokal gefertigt wird. Zukünftige Zulieferketten konzentrieren sich hierfür z.B. auf das Drucken von Werkzeugen, mit denen dann später Bauteile gefertigt werden. Die aufwendige Werkzeugherstellung würde entfallen, und man könne sehr schnell auf Marktänderungen reagieren. Radkästen aus faserverstärktem ABS entstehen bereits aus eigener Fertigung im 3D-Druck. „Hierbei geht es nicht mehr um Hochglanzoberflächen oder anspruchsvolle Spaltmaße, sondern vielmehr um die Belieferung spezifischer Bedarfe.“, so Wolfgang Bern. So avisiert Local Motors u.a. Märkte in Afrika, um dort für den regionalen Bedarf Fahrzeuge zu produzieren. In den USA oder Europa setzt das Unternehmen dagegen auf zukünftige Bedarfe für die ‚Letzte Meile‘-Anbindung, urbane Mobilität sowie Carsharing und wird sich in beispielsweise in Deutschland auf Mobilitätssysteme spezialisieren, welche die Mobilität integrieren. Beim aktuellen Projekt „Olli“ handelt es sich um einen vollautomatisierten, modularen Kleinbus mit Platz für bis zu 12 Passagiere, welcher Mobilitätsbedürfnisse in Großstädten bedienen soll.

Wie reagiert ein etabliertes Zulieferunternehmen auf den sich abzeichnenden Mobilitätswandel? Antwort auf diese Frage gab Dr. Heinrich Schäperkötter, Leiter Innovationsstrategie, Innovationsmanagement und Forschungsförderung bei der Schaeffler AG, mit der Vorstellung eines neuen Fahrzeugkonzeptes, dem Schaeffler BioHybrid - konzeptionell angesiedelt zwischen ‚Pedelec‘ und ‚Twizzy‘, welches den Trend zur Mikromobilität bedienen könnte.

Auch diese Entwicklung orientierte sich an Kundenbedürfnissen, welche im Rahmen einer Vorabstudie identifiziert wurden.“ Die Mobilität der Zukunft wird einem systemischen Ansatz folgen, und unser BioHybrid kann Teil dieses Systems sein.“, so Dr. Schäperkötter. Schaeffler hat hierzu eine Vision der zukünftigen urbanen Infrastruktur und ihre Verkehrsträger entwickelt, in die sich der BioHybrid integrieren lässt. Von der Zulassung her ein Fahrrad - pedalgetrieben, elektrisch unterstützt – benötigt der BioHybrid keine spezielle Zulassung und könnte bereits auf heutigen Fahrradwegen betrieben werden. Das Fahrzeug verfügt über vier Räder, ist lediglich 80 cm breit mit einer Maximalgeschwindigkeit von 25 Km/h. „Einfach mal eine andere Idee eines zusätzlichen Devices mit dem Potenzial für einen Milliardenmarkt weltweit!“.

Stichwort Tesla – Wie ein Start-Up aus Sillicon Valley die Automobilbranche aufhorchen lässt. Mit Spannung erwartet wurde der Vortrag von Nico Decurtins, Marketing Manager Deutschland/Österreich/Schweiz, Tesla Europe. Ausgehend von der zentralen Mission - Tesla will den Übergang zu einer nachhaltigen Mobilität beschleunigen – begann das Unternehmen 2003 quasi mit einem weißen Blatt Papier und präsentierte 2008 das erste Fahrzeug, dies mit der klaren Top Down Zielsetzung ‚Massenmarkt‘ für Elektrofahrzeuge. Aktuell beschäftigt Tesla weltweit 14.000 Menschen und produziert ca. 1000 Fahrzeuge pro Woche. Darüber hinaus will Tesla in Zukunft ein ganzheitliches Ecosystem für nachhaltige Mobilität etablieren. Hierzu gehören neben der Produktion eigener Fahrzeuge die Bereitstellung der dafür notwendigen Ladeinfrastruktur sowie die Herstellung von ausreichend Batteriezellen in eigener Verantwortung. Bisher letzter Baustein ist Tesla Energy zur Bereitstellung von Stromspeichern sowie der Zukauf des amerikanischer Solarzellenherstellers SolarCity. Ein weiteres zentrales Element der Strategie ist die Digitalisierung bzgl. automatisiertem Fahren aber auch hinsichtlich der Weiterentwicklung bereits verkaufter Fahrzeuge über Software Updates mit entsprechender Kundenbindung. Auch wird bereits über den Rückkauf älterer Modelle nachgedacht, um diese zu überarbeiten und mit neuester Technik wieder zurück in den Markt zu bringen.

Schlüsseltechnologien

Alexander Nase, Geschäftsführer bei der FEV Consulting GmbH, eröffnete den zweiten Kongresstag mit seinem Übersichtsvortrag zu den wichtigsten Schlüsseltechnologien für das „Automobil 2025+“. Von den Megatrends: Umwelt, Sicherheit und Convenience, über Treiber wie der Rechtsprechung wurden die zukünftigen, fahrzeugspezifischen Lösungen in den Bereichen – Technologie, Powertrain, Kraftstoffe sowie Nutzungsverhalten abgeleitet. In diesem Kontext werden vor allem die CO2 Reduzierung sowie die Einführung des WLTP eine maßgebliche Rolle spielen. Da nach einer FEV-Studie Fahrzeuge mit zusätzlichem Verbrennungsmotor (Micro-, Mild-, PlugIn-Hybrid) auch in 2025 noch einen dominierenden Marktanteil aufweisen werden, wird die Effizienzsteigerung dieser Aggregate, aber auch die Entwicklung neuer, synthetischer Kraftstoffe weiterhin von großer Bedeutung sein. Ferner sieht man den Anteil an Wasserstoff betriebenen Fahrzeugen mit 0,5% - im Jahr 2025 - eher zurückhaltend. Neben der Frage nach dem zukünftigen Antriebsstrang wird die zunehmende Digitalisierung und die damit einhergehende Automatisierung des Fahrzeugs eine maßgebliche Schlüsseltechnologie für das Automobil der Zukunft sein. Zudem wird sich das Fahrzeugdesign an die sich wandelnden Mobilitätsanforderungen anpassen. Zum Abschluss seines Vortrags wies Herr Nase noch einmal auf die Chance der Industrie 4.0 für die deutsche Industrie hin –vor allem aufgrund des bereits jetzt schon vorhandenen sehr guten heimischen Knowhows.

Leichtbau unter der Motorhaube war das Thema von Dr. Hans-Willi Raedt von der Hirschvogel Automotive Group. Massiver Leichtbau bezeichnet hierbei diejenigen Bauteile, welcher über die Massivumformung, also durch Schmiedetechnologie an stranggepressten Profilen, hergestellt werden. Dies sind meist Bauteile im Antriebsstrang, unabhängig von der Antriebsart: Radlager, Antriebswellen, Rotorwellen und viele andere Bauteile. Im Rahmen eines Projektes, der Initiative Massiver Leichtbau, konnten 30 Partner entlang der Wertschöpfungskette eindrucksvoll Leichtbaupotenziale mit diesen Bauteilen aufzeigen, sei es durch Werkstoffinnovationen, neuartige Konstruktionen oder neuartige Prozesstechnologien. Insgesamt wurden über 500 Leichtbauideen identifiziert, bewertet und umgesetzt.

Im Vortragsblock ‚Technologien‘ durfte im Zuge der Digitalisierung das Thema ‚Mensch-Maschine-Interaktion‘ natürlich nicht fehlen. Dr. Matthias Lust, Abteilungsleiter Vorentwicklung - Preh GmbH, stellte in seinem Vortrag die Vorteile der aktiven Haptik vor. Aktuell halten immer mehr Touch-Systeme Einzug ins Fahrzeug. Diese sind dem Nutzer zwar aus dem Consumer-Bereich bekannt, jedoch bringen diese im Fahrzeug ein sehr hohes Ablenkungspotential mit sich. Die Aktivhaptik ermöglicht es nun, völlig neue Dimensionen für Bediengeräte und die Bedienphilosophie in Fahrzeuge zu integrieren, bei gleichzeitig hoher Bediensicherheit und minimaler Ablenkung. Hierzu gehören u.a. auch funktionale Oberflächen, welche nur bei Bedarf sichtbar werden und sich ansonsten nahtlos ins Interieur Design einfügen. „Nur wer die gegenseitigen Einflüsse der Sinnesparameter (Sehen, Fühlen, Hören) versteht, ist in der Lage ein qualitativ hochwertiges und effizientes System zu entwickeln, welches den Fahrer unterstützt und begeistert.“, so Dr. Lust.

Vernetzte Mobilität

Zu den großen Trendthemen, die die Automobilindustrie nachhaltig verändern werden, zählt das vernetzte Fahrzeug bzw. die vernetzte Mobilität. Der aktuelle Status wurde sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus unternehmerischer Sicht betrachtet.

Das Intro stellte Ingo Olschewski, Bereichsleiter Strategie und Beratung der fka Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen in Aachen aus Forschungssicht vor - das automatisierte Fahrzeug stand hierbei im Zentrum seines Vortrags. Für das vernetzte Fahren stehen nach wie vor die Aspekte Verkehrseffizienz, Fahrerlebnis und Sicherheit oben auf der Agenda. Hieraus sind viele neue Chancen für die OEMs ableitbar, die sich jedoch neben der Kernkompetenz des Automobilbaus auch neue Kompetenzen aneignen bzw. aufbauen müssen. Als strategische wichtig gilt die Integration des Kunden in das Fahrzeug im Kontext automatisiertes Fahren. Dies bedingt wiederum Maßnahmen bzgl. Fahrerzustandsbeobachtung sowie die Interaktion des Fahrers mit den Funktionen des Fahrzeugs über das Human Machine Interface.

Der Weg zum hochautomatisierten Fahren ist eher als evolutionärer, denn als revolutionärer Prozess zu sehen. Das Technologien entwickelt und schnellstmöglich in Serie überführt werdeb, zeigt sich ganz klar an den bereits vorhandenen Systemen als auch denen, die in naher Zukunft verfügbar sein werden. Gerhard Stanzl, Leiter Themenfeld vernetztes Fahren von der Audi Electronics Venture in Ingolstadt stellte den Status seitens des Automobilbauers vor. Ausgangspunkt des Autos in der digitalen Welt ist der Wandel vom klassischen Modell, bei denen der Kunde im Umgang mit neuer Technologie „erzogen“ wird, hin zur jetzigen Situation, in der Kunde aus einer digitalen Welt kommt und im Fahrzeug „in dieser, seiner gewohnten Welt“ weiterleben will. Als Autobauer sind beim Erschließen dieses Aspektes sowohl technische Herausforderungen wie das Nutzen von Schwarmintelligenz (Big Data), Informations-Funktionen (Wetter, Gefahrenwarnung, Verkehrszeichenerkennung), Service-Dienste und in diesem Kontext das mögliche Ausloten von strategischen Partnerschaften / Übernahmen, wie am Beispiel des Kartendienstes here. Den nächsten Schritt auf dem Weg zur Vollautomatisierung wird bei Audi die Einführung des ‚Highway pilotierten Fahrens‘ darstellen.

Einen hervorragenden Abschluss präsentierte Holger Hampf, Leiter Design User Experience von der BMW Group, der maßgeblich für die Umsetzung des Innenraumerlebnisses beim BMW i VISION ‚future interaction car‘ verantwortlich war. Das Fahrzeug ist primär als ShowCar für das Interieur entwickelt und zeigt, wie zukünftige Funktionen des vernetzten Fahrzeugs für den Kunden ansprechend sowie eingebettet in seinen Alltag umgesetzt werden können. Ausgangspunkt der Betrachtung ist, dass durch die wachsende Komplexität der Funktionen auch die Frustration des Nutzers wächst. Der Kunde wünscht sich hier Einfachheit und Übersichtlichkeit bei der Bedienbarkeit der Interfaces. Analogien, wie der Kunde typischerweise seine vorhandenen Devices nutzt, wurden hierbei gekonnt übertragen. Sein Vortrag endete mit der von den Teilnehmern mit Spannung erwarteten Enthüllung des auf der Bühne präsentierten i8 VisionConcept.

Workshop Elektromobilität und Fachsession Digitalisierung

Beim Workshop "Elektrofahrzeuge der Zukunft" diskutierten die 50 Teilnehmer über Fahrzeugkonzepte und Interieuranforderungen für die nächsten 25 Jahre.
Bedingt durch zunehmende Urbanisierung ändert sich der Anteil an individueller, eigentumsbezogener Mobilität im Betrachtungsraum Europa dramatisch von 95% auf 60%. Zudem werden Batterieelektrische Fahrzeuge bis zu 80% des Marktes für - aus heutiger Sicht -alternative Antriebsarten ausmachen. Auch die Reichweite wird die Hürde - 500 km nehmen und sogar vergleichbare Entfernungen, welche heute von Selbstzünderfahrzeugen erreicht werden, scheinen in 25 Jahren realistisch. Schwarmintelligenz, selbstheilende Materialien und personenabhängige Bedienkonzepte lassen darüber hinaus Fahrzeuge zu Wohlfühloasen werden. All diesen Themen werden sich innovative Zulieferer und OEM´s stellen müssen um auch weiterhin erfolgreich am Markt zu bestehen.

Zentrales Thema beim Workshop „Ausbau der Ladeinfrastruktur“ war die Wirtschaftlichkeit, d.h. die Frage, wie sich wirtschaftliche Anreize für eine zukünftige Ladeinfrastruktur schaffen lassen - beispielsweise durch Anpassung gesetzlicher Regelungen beim Baurecht oder die Forcierung von Fördermöglichkeiten. Weitere Themen waren das Schnellladen in Städten für Flotten wie Taxen oder Car Sharing Fahrzeuge sowie das Hochleistungsladen, das sich noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befindet. Hier sind Fragen der Standardisierung von großer Bedeutung. Allgemeine Herausforderungen an die Ladeinfrastruktur bestehen in der Technologie (digitale Plattformen zur Informationsunterstützung), der Interoperabilität der Systeme und in der Erzielung höherer Ladeleistungen.

Die Themenplattform Vernetzte Mobilität des Zentrum für Digitalisierung.Bayern (ZD.B) stellte in der Fachsession Beteiligungsmöglichkeiten für Industrie und Wissenschaft vor und stand den Teilnehmern Rede und Antwort zu Fragen  der Förderung, IT- Sicherheit  oder auch zu den bevorstehenden, gesellschaftlichen Veränderungen durch die Digitalisierung. Neben Dr. Holger Wittges, Geschäftsführer des ZD.B, und Dr. Mara Cole, Koordinatorin der Themenplattform Vernetzte Mobilität beim ZD.B, sprachen Stefan Butz, Vice President New Digital Data and Business Models, BMW Group (und Vertreter für Herrn Dr. Christoph Grote) sowie Prof. Dr. Reinhard German, Lehrstuhlinhaber für Rechnernetze und Kommunikationssystem an der FAU-Erlangen-Nürnberg, in Ihrer Funktion als ‚Themenplattformsprecher – Vernetzte Mobilität‘ über die Digitalisierung des Fahrzeugs sowie über neue Mobilitätslösungen auf Basis digitaler Technologien. Herr Butz ging dabei auf die „Open Location Plattform, als Cloud-Lösung zur Zusammenführung von Daten auf Auto- und Flottenebene sowie der Kopplung mit HD-Kartenmaterial ein. Er betonte, dass Lösungen zügig und gemeinschaftlich umgesetzt werden müssen. Prof. Reinhard German demonstrierte gemeinsam mit seinem Kollegen Herrn Dr. Anatoli Djanatliev wie reale Verkehrsdaten mittels Simulation ergänzt werden können und welche Chancen die Kopplung von Verkehrs- und Netzwerksimulation (Software: Veins) bietet. Bereits während der Podiumsdiskussion betonnte Staatssekretär Pschierer hierbei die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit des ZD.B mit der der Bayern Innovativ sowie dem Cluster Automotive.

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