16. Jahreskongress

Zulieferer Innovativ
Das Fahrzeug der Zukunft

Anforderungen, Chancen, Engagement und Visionen
07./08. Juli 2014, BMW Welt, München

 

Bericht

  • Kongress zeigt Innovationsfelder der nächsten Jahre
  • Branchentreff der Automobilindustrie zum zweiten Mal in der BMW Welt
  • Über 560 Teilnehmer und 29 Aussteller aus 13 Ländern

Welche Faktoren prägen das Automobil der Zukunft? Maßgeblichen Anteil daran werden weiterhin innovative Entwicklungen der Automobilhersteller und Zulieferer haben. Geänderte Kundenerwartungen, neue Technologien und der Megatrend Nachhaltigkeit bringen aber auch Player auf die Bühne, die bislang nicht zur klassischen automobilen Wertschöpfungskette gehörten. Ziel des von Bayern Innovativ ausgerichteten Symposiums „Zulieferer Innovativ - Das Fahrzeug der Zukunft‘ war, Herstellern, Zulieferern und neuen Akteuren Anregungen sowie Anknüpfungspunkte für zukünftige und branchenübergreifende Entwicklungen zu geben.

Die Mobilität befindet sich im Umbruch. Megatrends wie Globalisierung, Urbanisierung, Individualisierung, Konnektivität, Neo-Ökologie und die demographische Entwicklung haben massiven Einfluss auf das Mobilitätsverhalten der Menschen und auf zukünftige Industrieprodukte. Treiber des Wandels sind vor allem kundenspezifische, technologische, politisch-rechtliche, ökologische und ökonomische Fragestellungen. Diesen Herausforderungen musste sich die Automobilindustrie bereits in der Vergangenheit immer wieder stellen. Neu ist neben der Dynamik der Veränderungen, dass der Wandel bei Kundenerwartungen, Technologien und der Forderung nach Nachhaltigkeit z.T. vollkommen neue Akteure auf die Bühne bringt. Die Netzwerkorganisation Bayern Innovativ ist sich sicher, dass das Thema Mobilität heute weit über die klassische automobile Wertschöpfungskette hinaus Auswirkungen haben wird.

Der Bericht ist in folgende Abschnitte gegliedert:

Individuell, multimobil, komfortabel – die Erwartungen der Kunden

Maßgeblicher Innovationstreiber sind die Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden. Letztendlich entscheidet der Verbraucher, ob ein Produkt am Markt Erfolg hat. Individualisierte Lebensstile und die Flexibilisierung der Arbeitswelt werden demnach großen Anteil an der Veränderung der Verkehrsnachfrage im allgemeinen und der Fahrzeuge im speziellen haben. Insgesamt wird sich das Mobilitätsverhalten polarisieren und sich nach Altersgruppen und Lebensstilen differenzieren. „Wir leben in einer multimobilen Gesellschaft. Der Durchschnittsdeutsche legt pro Jahr 20.000 km zurück. Dies ist ein ungeheurer Mobilitätszuwachs, um das zehnfache im Vergleich zu 1960. Diese Mobilitätsexplosion ist getrieben durch Kommunikation, Flexibilität und Vernetzung.“ so Dr. Karlheinz Steinmüller, Scientific Director der Berliner Z_punkt GmbH und einer von über 20 namhaften Experten, die bei dem von Bayern Innovativ konzipierten Kongress „Zulieferer Innovativ - das Fahrzeug der Zukunft" am 7. und 8. Juli 2014 in der BMW Welt München neue Entwicklungen und Trends für die Mobilität präsentierten.

Allerdings sind hier gegenläufige Entwicklungen zu verzeichnen. Der große wachsende Anteil an PKWs bei über 60jährigen steht im Gegensatz zu nachlassender Autoaffinität bei jungen städtischen Erwachsenen. Ältere Menschen haben einen vollkommen anderen Mobilitätsanspruch, als jüngere, erwerbstätige Bevölkerungsschichten. Automobilhersteller wie –zulieferer müssen auf diese Gegebenheiten reagieren.

Der Wunsch nach Mobilität ist für Dr. Steinmüller allerdings nur eines von vielen Entscheidungskriterien für einen Fahrzeugkauf. „Viele junge Erwachsene folgen einem Lebensstil, bei dem sich fast unablässige, dichte Kommunikation mit hoher Mobilität und flexiblen Reaktionen auf Angebote verbindet. Die jungen Metromobilen nutzen und kombinieren anlassbezogen und pragmatisch die unterschiedlichen Verkehrsmittel und greifen dabei auf immer umfassendere Mobilitäts-Apps zurück. Das Automobil verliert in dem Zusammenhang seine Funktion als Statussymbol und steht in Konkurrenz zu anderen Lifestyle-Produkten.“ Zudem sind die Mobilitätswünsche von Paradoxien gekennzeichnet. Die Käufer wünschen sich sowohl Einfachheit aber auch Individualität. Sie wollen nachhaltig handeln aber keinerlei Einschränkungen hinnehmen. Das Auto soll all diese Wünsche erfüllen. Dies bestätigt auch Prof. Lutz Fügener, Studiengangsleiter "Transportation Design" HS Pforzheim, „Die Aufgabenstellung der Gestaltung von Automobilen, die sowohl umweltfreundlich als auch hoch emotional sind, mutete vor fünfzehn Jahren noch an wie der Versuch der Quadratur des Kreises und ist heute eine gängige Forderung im Lastenheft der Automobilhersteller.“

Die Frage ist, wie findet man die rechte Balance zwischen diesen Paradoxien. Eine Antwort ist Simplexity. „Die Funktionsvielfalt im Fahrzeug, aufgrund digitaler Medien und Elektronik, muss massiv reduziert werden.“ referierte Dr. Steinmüller. Dies bestätigte auch Frank Härtl, Head of Automotive Germany, Consumer Experiences Germany, GfK SE. Sein Unternehmen führt hierzu Untersuchungen durch. Daten aus den Social Media Kanälen können mit Befragungen und innovativen Methoden zur Messung der Produkt- und Markterfahrung (Consumer Experience) kombiniert und als integrierte Handlungsempfehlungen an Hersteller und Zulieferer abgegeben werden.

Eine weitere interessante These des Zukunftsforschers Steinmüller ist, dass sich Mobilität neu definiert und in Zukunft auch als entschleunigendes Element wahrgenommen werden kann. Das Fahrzeug wird demnach auch zur Flucht aus dem hektischen Alltag genutzt und kann ein stressfreier Raum mit Wohlfühlatmosphäre sein. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet die Gestaltung des Fahrzeuginnenraums. Bayer MaterialScience hat hierfür innovative Materialkonzepte entwickelt, welche den Automobilinnenraum in eine Wohlfühloase verwandeln sollen. Dies beinhaltet eine angenehme und stimmungsvolle Beleuchtung, fugenloses Design ebenso wie transparente, eingefärbte oder vielfältig dekorierte Oberflächen. „Die innovativen Interieurkonzepte werden zum Teil von Trends aus dem Fashion- und Homedecorbereich beeinflusst“, erläutert Jochen Hardt, Head of Marketing Automotive Europe & Latin America, Bayer MaterialScience AG. So kann der Fahrer das Auto auch dann genießen, wenn der Verkehrsfluss ins Stocken gerät. Weitere Tendenzen sind außerdem Naturstoffe sowie erweiterte Funktionalitäten. So erfordert die zunehmende Connectivity neue Displayflächen. Hier sind beispielsweise Freiformflächen vorstellbar, die nahtlos ins Fahrzeug integriert werden können. Eine weitere Option, um das Fahrerlebnis so angenehm wie möglich zu gestalten und den „Fahrspaß“ zu erhalten, sind Gamification-Elemente, wie sie von Prof. Dr. Markus Lienkamp und seinem Team am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik an der TU München entwickelt werden. Diese Elemente können unter anderem durch „Spaß am Sparen“ zur Effizienzsteigerung beitragen.

Als erstrebenswerte Zukunftsvision geht der Zukunftsforscher Steinmüller noch einen Schritt weiter und betrachtet nicht nur einzelne Fahrzeuge in unterschiedlichen Gestaltungen und Ausprägungen sondern die effiziente Kombination unterschiedlicher Verkehrsmittel, Infrastrukturen sowie Verkehrsträger. Er ist sich sicher, dass uns ein Paradigmenwechsel bevorsteht: der Wandel vom bloßen Transport hin zur Mobilität, bei der der Mensch nicht nur Passagier sondern Kunde, nicht nur Steuermann im Auto sondern Kapitän der Mobilität ist – und zwar nicht in einzelnen Verkehrsmitteln sondern in integrierten Infrastrukturen.

Treiber Technologie

Doch nicht nur die Kundenbedürfnisse treiben den Wandel innerhalb der Mobilität voran sondern auch der Fortschritt bei Technologien. Neue Technologien liefern regelmäßig Antworten auf die globalen Megatrends und eröffnen Lösungen für attraktive Mobilitätskonzepte für verschiedenste Kunden weltweit. Bei der Entwicklung innovativer Komponenten gehen OEMs und Zulieferer zum Teil sehr ungewöhnliche Wege. So untersucht die LEONI Bordnetz-Systeme GmbH neue Ansätze für die Architektur von Bordnetzen mit Hilfe der Bionik. Diesen Ansatz stellte Dr. Wolfgang Langhoff, Vice President R&D Global der LEONI Bordnetz-Systeme GmbH vor. Das Bordnetz in Fahrzeugen unterliegt einer kontinuierlichen Weiterentwicklung. Wurden um 1949 in Fahrzeugen noch ca. 40 Leitungen mit ca. 60 Kontakten verbaut, sind es heute durch die Integration zusätzlicher Funktionen, wie z.B. Fensterheber, Klimaanlage oder Sitzverstellung, zwischen 1.000 und 4.000 Leitungen mit 2 bis 6 km Kabellänge und einem Gesamtgewicht von bis zu 60 kg. Somit hat sich das Bordnetz grundlegend gewandelt, von der einfachen Verkabelung elektrischer Verbraucher zu deren Energieversorgung hin zu einem äußerst komplexen System mit wechselseitigen Abhängigkeiten. Auch die Anforderungen an Bordnetze wandeln sich stetig. „Zusammenfassend ergibt sich, dass zukünftige Bordnetz-Systeme, insbesondere auch im Hinblick auf das hochautomatisierte Fahren, erhöhte Anforderungen an Fehlertoleranz, Signalverarbeitung, Verfügbarkeit und Notlaufeigenschaften erfüllen müssen. Fällt zum Beispiel das Assistenzsystem in der Kurve aus, sollte man wenigstens noch die Kurve zu Ende fahren können“, so Dr. Langhoff. LEONI sieht die Bionik als mögliches Werkzeug, um bei dieser Fragestellung weiterzukommen: „Ein Fahrzeug mit vielen Assistenzsystemen kann man grundsätzlich mit einem Lebewesen vergleichen, beide müssen eine Vielzahl an Informations- und Leistungsübertragungspfaden möglichst effizient koordinieren. Die Datenübermittlung muss dabei möglichst robust und fehlertolerant sein, damit bei Störungen oder „Verletzungen“ nicht schlagartig das Gesamtsystem ausfällt. Es muss eine sinnvolle Anzahl an Redundanzen verbaut werden, sodass die wichtigen Vitalfunktionen erhalten bleiben.“

Automatisiertes Fahren

Leistungsfähige Elektrik und Elektronik sind heute die wichtigsten Enabler für Innovationen im Automobil – das jährliche Wachstum in diesem Bereich beträgt sechs Prozent. Elektrik, Elektronik und Informationstechnologie sind auch Schlüsselelemente für die zukünftige Nutzung gemeinschaftlicher Verkehrsmittel ebenso wie für eines der derzeit meistdiskutierten Trendthemen der Automobilindustrie: das automatisierte Fahren. Als einer der weltweit größten Zulieferer verfolgt die Continental AG einen definierten Fahrplan zur Realisierung teil-, hoch- und vollautomatisierter Fahrfunktionen. Dabei spielen Systeme zur Fahrermodellierung, berührungsempfindliche Oberflächen, neue Strategien zur Aufmerksamkeits- und Gestensteuerung und zur Fahrerzustandserkennung wichtige Rollen. Hierbei passt sich das Fahrzeug der Zukunft den geänderten Erwartungen und Bedürfnissen des Fahrers an. Die Elektronik eröffnet Möglichkeiten, während der Fahrt vielfältige Aufgaben zu erledigen und seinem Bedürfnis nach nahtloser Vernetzung und nahtloser Kommunikation nachzukommen. Guido Meier-Ahrendt, Ergonomie-Experte der Continental Automotive GmbH, ist sich sicher, dass sich ein Paradigmenwechsel bezüglich der Fahrzeugnutzung abzeichnet. Das geänderte Besitzdenken und Nutzungsverhalten einerseits und das Kommunikationsbedürfnis andererseits führen dazu, dass sich das Fahrzeug immer mehr zu einem rollenden Informations- und Austauschknotenpunkt entwickelt, der dem Fahrer erlaubt, seinen persönlichen Lifestyle auch im Fahrzeug zu verwirklichen. Fahrerassistenzsysteme ermöglichen ihm, das Fahren zu genießen und zu erleben. Man könnte sich vorstellen, dass das Fahrzeug der Zukunft verschiedene Rollen einnimmt, zum Beispiel als Coach, der eine Fremdsprachen Vokabellektion abhält, als Begleiter der warnt und interveniert oder als Unterhalter, der die Informationsbedürfnisse deckt. Zusammenfassend kann man sagen, dass für das automatisierte Fahren ein ganzheitlicher Ansatz notwendig ist, der sich aus Umgebungsbeobachtung, Fahrerzustandsmessung und der Beachtung der Fahrerbedürfnisse zusammensetzt. Wichtig ist, den „Fahrer in the Loop“ zu halten.
Nicht zuletzt kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) liefern wichtige Impulse für neue Entwicklungen im Bereich Mensch-Maschine-Schnittstelle. Im Projekt BrainDriver der Berliner AutoNOMOS GmbH lenkt ein mit EEG-Sensoren ausgestatteter Fahrer das Auto, indem er an Befehle wie "bremsen" oder "nach links fahren" denkt. Diese Befehle erzeugen typische Gehirnwellenmuster, deren Interpretation ein Computer zuvor gelernt hat.

Automobilbau der Zukunft - Führen dank innovativer Produktionstechnologien

Neue Technologien werden nicht nur die Fahrzeuge und ihre Nutzung, sondern auch ihre Produktion massiv beeinflussen. „Aufgrund des stetigen Bevölkerungswachstums brauchen wir radikale Innovationen, speziell im Bereich „doing more with less“. Menschen brauchen große disruptive Innovationen und völlig neue Konzepte“, so Prof. Dr.-Ing. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, München. Eine innovative und effiziente Produktionstechnologie, die neue Perspektiven der industriellen Serienproduktion eröffnet und den Weg zur Fertigung neuartiger Produkte ebnet, wurde gemeinsam von Forschern der Unternehmen Bosch und Trumpf sowie der Friedrich-Schiller-Universität in Jena entwickelt: Werkzeuge auf Basis von Lasern senden Licht in Form ultrakurzer und energiegeladener Pulse aus und ermöglichen so eine schnelle, zuverlässige und sehr präzise Bearbeitung unterschiedlichster Materialien. Bei herkömmlichen Lasern schmilzt und verdampft der zu bearbeitende Werkstoff nur teilweise. Dadurch entstehen Grate oder Wölbungen, die eine Nachbearbeitung erfordern. Lichtpulse der Ultrakurzpulslaser sind nur wenige Piko- oder Femtosekunden kurz, aber sehr energiereich. Somit wirkt das Laserlicht hoch konzentriert auf das Material ein und ermöglicht eine Verdampfung ohne Übergang in eine Schmelze. „Der Abtrag erfolgt hochpräzise ohne störende Effekte. Ein aufwendiges, oft ausschussbehaftetes und teures Nachbessern der Produkte ist nicht erforderlich.“ so Konrad Funk, Verfahrensentwicklung für Fertigungs-, Mess- und Prüfprozesse, Robert Bosch GmbH.

Einen anderen Bereich der Produktionstechnologie beleuchtete Jim Kor, Präsident des kanadischen Unternehmens Kor Ecologic in seinem Vortrag – „Das Auto aus dem Drucker - Vision und Wirklichkeit“. So steht die additive Fertigung – der Inbegriff für die Verbindung der digitalen mit der realen Welt - am Übergang von einer Prototypen-Technologie zur industriellen Reife. Jim Kor will mit dem URBEE2 ein fast vollständig im 3 D-Druck gefertigtes Fahrzeug produzieren. Die größten Vorteile der additiven Fertigung liegen in den Möglichkeiten, Produkte und Bauteile zu individualisieren, Teile mit geringer Losgröße zu fertigen und viele einfache in wenige hochkomplexe Teile zu integrieren. Des Weiteren entfallen teure Werkzeuge. Mit der 3D-Technologie ergeben sich zudem Möglichkeiten für neuartige, interessante Geschäftsmodelle, da dezentrale Fertigungsstrukturen mehr Flexibilität, gesteigerte Effizienz und minimale Lagerbestände schaffen. Weiterhin lassen sich unterschiedliche Teile auf ein und derselben Maschine herstellen. Einer der wesentlichen Vorteile der 3D-Technologie ist eine bislang unerreichte Designfreiheit. Dies erlaubt, leichtere und robustere Teile mit komplexen Geometrien herzustellen. Vorbild kann auch hier die Bionik sein. „Die 3D-Technologie ist der Enabler für die Realisierung bionischer Strukturen.“, so Jim Kor.

Engagement für mehr Nachhaltigkeit

Ein wichtiger Treiber für Entwicklungen von zukünftigen Fahrzeugen sind auch die steigenden Umweltanforderungen. Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung, und Kunden fragen gezielt nachhaltige Produkte an. Für erfolgreiche Unternehmen kann das Thema „Nachhaltigkeit“ somit eine wichtige Funktion im globalen Wettbewerb ausfüllen. Der Megatrend ‚Nachhaltigkeit‘, ursprünglich entstanden aus den Umweltbewegungen der 80er Jahre, durchdringt heute das gesellschaftliche Leben in allen Ebenen und hat auch großen Einfluss auf die automobile Wertschöpfungskette. Der Klimawandel hat die Bedeutung des Megatrends Nachhaltigkeit enorm gesteigert. Für nahezu alle Industrien gilt heute, dass Produkte, die an diesem Trend vorbeientwickelt wurden, kaum noch vermarktbar sind. Dr.-Ing. Peter F. Tropschuh, Leiter Corporate Responsibility, Politik und Wissenschaftskooperationen der AUDI AG: „Um Mobilität zukunftsfähig zu gestalten, ist die Entwicklung energieeffizienter Fahrzeuge nur einer von vielen notwendigen Schritten. Gleichzeitig müssen wir das gesamte System in unsere Überlegungen einbeziehen – auch über heutige Verantwortungs- und Geschäftsmodellgrenzen hinweg.“ Ein Automobilhersteller wie Audi müsse sich daher konsequenterweise auch mit zukünftiger Stadtarchitektur, mit der Herstellung regenerativer Kraftstoffe oder der intelligenten Vernetzung von Automobilen und ihrer Umwelt auseinandersetzen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt BMW – Benoit Jacob Leiter BMW iDesign ist sich sicher, dass wir Mobilität komplett neu überdenken müssen. Welche Rolle Nachhaltigkeit bei der Entwicklung von neuen Interieur Elementen spielt und welche mannigfaltigen Möglichkeiten nachwachsende Rohstoffe aber auch Recycling Materialien spielen erläuterte Peter Bolten, Aunde Achter & Ebels GmbH.

Vision für das vernetzte Leben

All die zuvor genannten Aspekte können in den Smart Cities von morgen zusammenfließen. Bereits heute existieren mannigfaltige technologische Möglichkeiten, die sowohl die Lebensqualität der Menschen als auch die Standortqualität der Wirtschaft verbessern. Smart Grids verknüpfen Stromerzeugung, -nutzung und -verbrauch intelligent miteinander, die Vernetzung von Fahrzeugen mit Echtzeit-Verkehrsdaten kann im Straßenverkehr vor Unfällen warnen, Staus verhindern, Emissionen reduzieren oder einfach nur helfen, eine freie Stromladesäule zu finden.
Die Entwicklung städtischer Lebensräume ist eine der großen Herausforderungen der Zukunft. Angesichts der zunehmenden Durchdringung aller Lebensbereiche mit modernen Kommunikationstechnologien sind Daten und Informationen zu einer wesentlichen Ressource unserer Informationsgesellschaft geworden. Laut Prof. Dr. Paul Lukowicz, Scientific Director Embedded Intelligence DFKI, ist es erstrebenswert, Big-Data- oder Analyse-Anwendungen zusammenzufassen, die auf eine verbesserte städtische Planung und Verwaltung abzielen, um Städte zukunftsfähig zu gestalten. Dr. Lukowicz kritisiert, dass Städte im Vergleich zu Fahrzeugen mit relativ wenig Messungen und Simulation geplant werden. Demzufolge müssten Instrumente geschaffen werden, die es erlauben, den Zustand einer Stadt in Echtzeit zu messen und zu verstehen. Das vom DFKI eröffnete SmartCity Living Lab entwickelt Technologien, die den Menschen erlauben, bessere Entscheidungen zu treffen sowie besser und einfacher mit der Stadt zu interagieren. Beispiele für Forschungstätigkeiten sind die Analyse von Menschenströmen unter Sicherheitsaspekten, beispielsweise um Risikosituationen bei Veranstaltungen frühzeitig erkennen und die Besucher direkt informieren zu können.

Die vernetzte Mobilität umfasst dabei sowohl die künftigen Smart Cities als auch ländliche Regionen. Simone Köhler, Segment Road & City Mobility IT, Siemens AG ist sich sicher, dass die Gestaltung der Mobilität zu den großen Herausforderungen der Zukunft zählt: „Studien besagen, dass sich die Nachfrage nach Personenverkehr bis 2050 verdreifachen wird. Dies bedeutet eine enorme Belastung für Infrastruktur. Es reicht daher nicht aus, Kapazitäten auszubauen, sondern die Verkehrsträger sind zu vernetzen. Dabei muss der Nutzer im Zentrum stehen.“ Reisende erwarten, dass sich unterschiedliche Verkehrsträger möglichst einfach miteinander kombinieren lassen, um schnell, effizient und kostengünstig von A nach B zu kommen. IT und elektronische Lösungen werden dem Nutzer integrierte Möglichkeiten bieten, die ihn während seiner gesamten Reise von der Planung über die Reservierung und Begleitung bis hin zur Bezahlung unterstützen.

Auch Google sieht sich als Teil des vernetzten Lebens. Der Konzern hat den Anspruch, Mobilität neu zu erfinden, um Menschheitsprobleme zu lösen. Dabei will er nicht in Konkurrenz zu den Automobilherstellern treten, sondern sieht sich als Zulieferer und Kooperationspartner der Automobilindustrie, so Jens Redmer, Principal‚ New Products & Solutions, Google Deutschland.

Innovationsmoderator Bayern Innovativ

Nach wie vor fließen etwa 40 Prozent aller Investitionen der Automobilindustrie in Innovationen, die es nie ins Serienauto schaffen oder wegen mangelnder Akzeptanz bei den Autokäufern nicht in ausreichender Stückzahl produziert werden können. Oft sind Innovationen deswegen erfolglos, weil Hersteller und Zulieferer zu wenig über künftige Marktentwicklungen und die Wünsche ihrer Kunden wissen und zudem das Marketing ihrer neuen Ideen vernachlässigen. Nur 20 Prozent der Investitionen in Innovationen sind tatsächlich profitabel.

Ziel der Bayern Innovativ GmbH ist, insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) dabei zu unterstützen, ihre Innovationsdynamik zu erhöhen. Dazu bildet Bayern Innovativ zielgerichtet immer neue Schnittmengen zwischen potenziellen Kooperationspartnern aus unterschiedlichsten Branchen und Technologien. Bayern Innovativ verknüpft 80.000 Akteure aus 40.000 Unternehmen und Forschungsinstituten und 80 partnerschaftlich verbundenen Netzwerk-Organisationen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette und unterstützt diese mit maßgeschneiderten Dienstleistungen dabei, vorhandene Lücken in Technologien, Supply Chains und Absatzkanälen zu identifizieren und zu schließen. Im Fokus der Aktivitäten stehen die fünf Kompetenzfelder Digitalisierung, Energie, Gesundheit, Material und Mobilität, welche sich an den großen Megatrends orientieren. Plattformen wie das Symposium „Das Automobil der Zukunft“ ermöglichen, mit Entscheidern aus diesen Bereichen neue Innovationen voranzutreiben.

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