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11. BAIKA Jahreskongress

Zulieferer Innovativ 2009

Energie und Mobilität – Lebenswelt Automobil – Technologien und Systeme

Nachbericht

„Zulieferer Innovativ“ – ein voller Erfolg

  • Mit Innovationen durchstarten nach der Krise
  • 1.000 Teilnehmer und 180 Aussteller aus 18 Ländern
  • Eröffnungsrede von Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil

Ein vollbesetztes Audi-Forum, eine restlos ausgebuchte Ausstellung mit 180 Ausstellern und faszinierenden Neuentwicklungen – auch der 11. Jahreskongress „Zulieferer Innovativ 2009” war wieder Treffpunkt der nationalen und internationalen Branche mit einer starken Präsenz von Firmen und Instituten aus Bayern. Konzeption und Organisation erfolgten im Rahmen von Netzwerk BAIKA und Cluster Automotive. Der Kongress erfuhr umfassende Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Partner waren wiederum der Verband der Automobilindustrie VDA, Berlin, und die IFG Ingolstadt, vertreten durch Ingolstadts Oberbürgermeister Dr. Alfred Lehmann.

Die nachfolgenden Inhalte sind wie folgt gegliedert:

Plenum

„Über 1.000 Teilnehmer und 180 Aussteller aus 18 Ländern sprechen für die ungebrochene
Innovationsdynamik der Autombilbranche und sind in Anbetracht der aktuellen Finanz- und Wirtschaftssituation als besonders ermutigendes Signal zu sehen” so Prof. Josef Nassauer
in seiner Einführung. Die hohe Resonanz spricht für die inhaltliche Ausrichtung. Der Kongress spannte den Bogen von Neuentwicklungen bei Motoren und Antriebstechnik über attraktive, emotional ansprechende Gestaltung des Innenraums bis hin zu exemplarischen Beispielen, technischen Innovationen wie der Adaptronik. Dabei wurden auch Themenfelder des Automobildialogs mit spezifischen Entwicklungen beleuchtet.

Politische Rahmenbedingungen prägen maßgebend das Umfeld für Innovationen, sagte Wirtschaftsminister Martin Zeil in seiner mit viel Beifall aufgenommenen Eröffnungsrede. Nachhaltige Unterstützung leistet die Bayerische Staatsregierung mit ihrer Innovationsoffensive
insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen. Bausteine seien beispielsweise
internationale Netzwerke für die Intensivierung von Kooperationen sowie bayernweite Cluster für den Ausbau regionaler Wertschöpfung mit weiteren Maßnahmen wie der Zukunftsoffensive Elektromobilität. Beispielhaft und von hoher Aussagekraft sei die spürbar positive Stimmung auf dem Kongress „Zulieferer Innovativ“ und die Strahlwirkung dieser, für Europa bedeutenden Plattform, für Kooperation und Wissenstransfer in der Automobilbranche.

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, VDA, bezeichnete die aktuelle Krise als die größte Herausforderung in der Geschichte der Branche. Hersteller wie Zulieferer müssten jetzt noch enger zusammenrücken und an Neuentwicklungen arbeiten, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Bezüglich Antriebstechnologie empfahl er eine Fächerstrategie – von der Optimierung des noch lange vorherrschenden Verbrennungsmotors über alternative Kraftstoffe, Leichtbau, aero-dynamisches Design bis hin zu Hybridsystemen und dem reinen Elektrofahrzeug. Innovationen sind jedenfalls der Schlüssel für zukünftigen Erfolg, und das Premium-Segment spielt hierbei als Treiber eine herausragende Rolle.

Dr. Werner Widuckel, Mitglied des Vorstands der AUDI AG, erläuterte in seinem exzellenten Beitrag die Strategien für Innovation und Nachhaltigkeit eines Premiumherstellers. Nachhaltigkeits- felder sind u. a. Umwelt und Ressourcenschonung, unter Berücksichtigung verschiedener Energieszenarien, Geschäftsmodelle, die dem Wert der Produkte gerecht werden und eine auf langfristige Beschäftigungssicherung und Qualifizierung ausgerichtete Personalpolitik. Bezüglich Innovationen zeigen sich vier Handlungsfelder: attraktive Produkte für Fahrspaß mit Achtung ökologischer Belange, konsequenter Leichtbau, Elektrifizierung des Antriebsstranges sowie weitere Optimierung konventioneller Antriebe. Der Anspruch eines Premiumherstellers bezieht sich dabei nicht nur auf eine Technologie- und Marktführerschaft, sondern auch auf Ausbildung und Qualifizierung von Nachwuchs und Belegschaft. In einem globalen Markt gewinnt international vernetzte Wertschöpfung zunehmend an Bedeutung, nutzt aber dabei gezielt Vorteile regionaler Zusammenarbeit. Was wäre geeigneter für regionale Verankerung als ein Kongress wie „Zulieferer Innovativ“ im Audi Forum, betonte Widuckel. Mit seiner präzisen Analyse und seinen konkreten Perspektiven gibt dieser Beitrag nachhaltige Orientierung für die Zulieferer und das gesamte Umfeld der Automobilbranche. Zulieferer erbringen über 75 Prozent der Wertschöpfung für ein Automobil.

Besaliel S. Botelho, CEO von Bosch in Brasilien, präsentierte die neueste Flex-Fuel-Technologie. Sie erlaubt es, Benzin und Biokraftstoffe der 2. Generation in einem Tank in beliebigem Mischungsverhältnis zu fahren. Diese Technologie ermöglicht partielle Unabhängigkeit vom Erdöl mit positiver Auswirkung auf die CO2-Bilanz. In Brasilien sind über 90 Prozent der Neufahrzeuge mit „Flex-Fuel“ ausgestattet; jüngstes Beispiel ist der VW Polo. Die Technologie hat weltweit Potenzial und ist auch für die deutschen Automobilhersteller mit ihren hohen Exportanteil interessant.
Wesentliche Entwicklungen kommen aus der Wissenschaft. Leichtbau wird zukünftig für alle Fahrzeugtypen von hoher Priorität sein. Carbonfasern versprechen hierfür besonderes Potenzial,
postulierte Prof. Klaus Drechsler, Leiter des Stiftungslehrstuhls für „Carbon Composites” der SGL Group an der TU München. Voraussetzung sei die Entwicklung kostengünstiger, großserientauglicher Fertigungsverfahren. „Hierzu benötigen wir die Einbindung verschiedenster Disziplinen wie Textile Technologien, die Polymerchemie und die Nanowissenschaften.”

Die nationale und internationale Vernetzung von Herstellern, Zulieferern und wissenschaftlichen Instituten für Innovationen von morgen ist Zielsetzung des Netzwerkes BAIKA. Hierbei wird bewusst ein Blick über den Tellerrand der eigenen Branche geworfen, um Impulse aus anderen Lebenswelten zu gewinnen. Das Leistungsspektrum des bayernweiten Clusters Automotive
umfasst tiefer gehende Dienstleistungen wie die Moderation firmenübergreifender Themenkreise,
die Strukturierung und Begleitung von Verbundvorhaben einschließlich einer möglichen Antragstellung bei Förderprogrammen. Mit diesem synergetischem Zusammenwirken von Netzwerk- und Clustermanagement werden vielfältige Kooperationen zwischen Unternehmen
und Instituten angestoßen, die zu neuartigen Innovationen führen, wie Prof. Dr. Josef Nassauer, Geschäftsführer Bayern Innovativ GmbH und Sprecher des Clusters Automotive an zahlreichen Beispielen aufzeigte. So werden u. a. im aktuellen Projektkreis „Automatisierungsgerechtes
Bordnetzdesign“ mit 60 Teilnehmern aus 40 Firmen und Instituten Projekte aufgesetzt, um die Zuverlässigkeit des Bordnetzes und mittelfristig Arbeitsplätze wieder nach Deutschland
zu holen.

Energie und Mobilität

Dieser Themenblock trug dem steigenden Interesse an elektrischen Fahrzeugen Rechnung. Emotion ohne Emission verspricht der e-Greenster, ein Elektrosportwagen auf Basis Porsche der RUF Automobile GmbH, Made in Bavaria. 2010 sollen von dieser Automanufaktur bereits 15 vorbestellte
Exemplare an Kunden ausgeliefert werden.
Aus Frankreich wurde das Projekt „Cristal“ vorgestellt. Ein völlig neues Fahrzeugkonzept ermöglicht individuellen und doch öffentlichen Transport in städtischen Gebieten. Momentan werden Cristal-Shuttlefahrzeuge entwickelt, welche elektrisch betrieben und mit bis zu sechs Personen im
Stadtverkehr genutzt werden. Ziel des Projektes ist es, in Metropolen einen drohenden Verkehrs- kollaps zu verhindern und einen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten. Die großen Energieversorger arbeiten bereits heute in vielen Projekten zur E-Mobilität eng mit der Automobilindustrie zusammen, insbesondere bei der Schaffung einer intelligenten Energie-Infrastruktur mit entsprechenden Ladestationen. Nach Einschätzung von Dr. Woyke, EON Energie AG kann mit der bestehenden Erzeugungsstruktur der Strombedarf für Elektrofahrzeuge bis auf weiteres gedeckt werden.

Lebenswelt Automobil

Die Kaufentscheidungen der Kunden werden unverändert vorwiegend emotional getroffen. Ziel eines Unternehmens ist es, unter den Top 50 Marken der Welt zu sein. Wesentliche Erfolgsfaktoren
sind laut Jutta C. Frisch, Leiterin Markenentwicklung und Corporate Identity bei Audi u. a. globale Marken- und Produktpositionierung, unverwechselbare Produkte sowie Konsistenz in Branding und Kommunikation. Für den erfolgreichen Aufbau von Marken und Produkten befassen sich die Automobilhersteller intensiv mit der Lebenswelt ihrer Kunden sowie Wettbewerb und nutzen dabei neueste IT-Plattformen. Im technologischen Umfeld werden Patentportfolios analysiert, bei potenziellen Zielgruppen Trends und Strömungen mittels digitaler Intelligenz, z. B. Textmining
oder Beobachtung von Blogs, wie Peter Walde, VW Zukunftsforschung, darlegte. Einen neuen Weg zur Entwicklung von Konzeptfahrzeugen beschritt auch die EDAG GmbH & Co. KG bei der Karosserie für das „Light Car“, das erstmals auf dem Genfer Autosalon 2009 präsentiert wurde. „Light Car“ wurde als „Open Source Projekt“ angelegt – analog zur freien Softwareentwicklung. Dabei definierte man den Adressatenkreis bewusst weit, um Impulse aus anderen Lebenswelten zu gewinnen, erklärte Johannes Barckmann, Leiter Design Studio EDAG.
Einmal ermittelte Trends setzen OEMs und Entwicklungsdienstleister im Kreis von Experten zielsicher in zukunftsweisende Konzepte um. Dirk Breuer, Advisor Advanced Technology, Toyota Deutschland GmbH, stellte u. a. die Studie „RiN“ vor. Mit feinsinnig ausgedachten Features soll in Toyotas für den japanischen Markt eine Wohlfühlatmosphäre geschaffen werden, die an ein japanisches Teehaus erinnert.

Technologien und Systeme

Das Spektrum der Reihe reichte von der Innovationsstrategie eines Familienunternehmens bis zu rein technischen Aspekten wie Adaptronik zur Reduzierung bzw. Dämpfung von Schwingungen. Neue Fahrerassistenzsysteme zur Vermeidung von Kollisionen oder innovative Zierteile im Innen- raum mit integrierten Funktionen wie Licht oder elektronische Bedienelemente wurden ebenfalls vorgestellt. Visionäres Finale Elektromobilität Das abschließende Highlight des Kongresses war eine realistisch-visionäre Perspektive der Elektromobilität für die nächsten zehn Jahre von, präsentiert von Karl-Josef Kuhn, Siemens Corporate Technology. Die Vision ist ein Fahrzeug, betrachtet als mobiles Infrastrukturelement mit Speicherkapazität, das über Ladestationen mit der Stromversorgung verbunden wird und Ladung aufnehmen aber auch abgeben kann. Die Realisierung dieser Vision würde zu Smart Grids führen, einem intelligenten, zellularen aufgebau- ten Stromnetz, vergleichbar dem zellularen Netz für Mobilfunk.
Für das Elektrofahrzeug sind verbesserte Speichertechnologien unabdingbar. Aber es ergeben sich auch Chancen für zahlreiche spezifische Neuerungen – Antriebssysteme platziert in
einzelnen Rädern oder neue Architekturen für das Boardnetz. Nicht nur Add-on-Entwicklungen sollten also verfolgt werden; „disruptive innovations“ sind gefordert, um die Chancen eines Elektrofahrzeugs mit neuartigen Funktionalitäten zu nutzen. „Hier ist Querdenken gefragt“, so Karl-Josef Kuhn. Die Elektromobilität wird damit völlig neue Fahrzeugkonzepte mit neuen Ansätzen im Bereich von Komfort und Sicherheit ermöglichen, wobei aufgrund der neuen Antriebskonzepte
z. B. auch auf Bremse und Kupplung verzichtet werden kann. Bis 2020 sieht Siemens ein Potenzial von 4,5 Millionen Elektroautos allein in Deutschland.

 Die viel besuchte Ausstellung wurde genutzt zum Aufbau zahlreicher neuer, geschäfts- getriebener Kooperationen. Sie präsentierte hervorragende Neuentwicklungen und belegte eindrucksvoll die Innovationskraft der Automobilindustrie: Beispiele sind der Elektrosportwagen e-Greenster von RUF Automobile, der erstmals in Deutschland präsentierte Rennwagen mit Wasserstoffmotor der Hochschule Ingoldstadt oder ein Sportwagen mit reiner Carbonfaser-Zelle.
Hervorragend angenommen wurde auch das neue Angebot thematisch fokussierter Ausstellungs- führungen des Bayern Innovativ-Teams speziell für Audi Mitarbeiter.
Insgesamt sechs Führungen zu drei Themen bildeten für rund 80 Teilnehmer, u. a. aus den Entwicklungsabteilungen, den Einstieg in weiterführende Gespräche mit den Ausstellern.
Am Ende waren sich alle einig: „Dieser Tag hat sich gelohnt“. Und dies ist die ermutigende Perspektive für die weiteren Aktivitäten und den Kongress „Zulieferer Innovativ“ im nächsten
Jahr, der am 23. Juni 2010 wieder im Audi Forum stattfinden wird.


Ansprechpartner
→ Dr.-Ing. Stefanie Wrobel
→ Dipl.-Ing. Gabriel von Lengyel-Konopi
→ Prof. Dr. Josef Nassauer

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