Kooperationsforum

Technologien für zellbasierte Therapien

12. März 2014, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen

 

Bericht

Zellbasierte Technologien besitzen das Potential, die Wirkstoffentwicklung und Therapie zu revolutionieren und grundlegend neue Behandlungsmöglichkeiten für zahlreiche Krankheiten zu ermöglichen. Vor 190 Teilnehmer aus Industrie und Wissenschaft präsentierten hochkarätige Referenten am Universitätsklinikum Erlangen die gesamte Bandbreite zellbasierter Ansätze und Therapien. Am Vortag bot sich die Gelegenheit das größte Zentrum für Nabelschnurblut in Bayern, die Stammzellbank der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen zu besichtigen.

Der Bericht ist in folgende Abschnitte gegliedert:

Bericht - Technologien für zellbasierte Therapien 2014 Bericht - Technologien für zellbasierte Therapien 2014
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Potential von Stammzellen für die Wirkstoffentwicklung und Therapie

Ausgereifte Körperzellen lassen sich in unreife Zellen, sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS), reprogrammieren. Dieses Forschungsgebiet entwickelt sich seit einigen Jahren sehr dynamisch. 2012 wurden der Japaner Shinya Yamanaka und der Brite John Gurdon mit dem Nobelpreis in Medizin für ihre bahnbrechenden Arbeiten ausgezeichnet. Hautzellen aus einer Biopsie lassen sich unter entsprechenden Bedingungen zunächst in iPS Zellen reprogrammieren. Diese können dann in organspezifische Zellen ausgereift werden. Was in der Maus etabliert wurde, konnte bald auf menschliche Zellen übertragen werden. So können Körperzellen eines Patienten in iPS Zellen umgewandelt werden, um daraus jeden beliebigen Körperzelltyp im Reagenzglas zu erhalten. Auf diese Weise ist es möglich, Nervenzellen von Parkinsonpatienten zu generieren und diese mit Zellen von gesunden Kontrollpersonen zu vergleichen. Damit können Informationen über krankheitsverursachende Veränderungen gewonnen werden. Diese patientenspezifischen Nervenzellen („Parkinson in der Kulturschale“) erlauben es, den Effekt neuer potentieller Wirkstoffe zur Behandlung der Krankheit im Hochdurchsatzverfahren zu testen. Damit können iPS Zellen die Entwicklung neuer Arzneimittel wesentlich vereinfachen, indem sie die Suche nach krankheitsrelevanten Targets und neuen Wirkstoffen beschleunigen. So gelang es, die neuronale Erkrankung Amyotrophe Lateralsklerose besser zu verstehen. An dieser leidet der Astrophysiker Stephen Hawking und verstarb der Maler Jörg Immendorf. Laut Prof. Hans Schöler, Direktor des MPI für molekulare Biomedizin in Münster wird es in der nahen Zukunft möglich sein, Patienten mittels durch iPS-Zellen identifizierter Wirkstoffe vor den ursächlichen Auswirkungen der Krankheit zu schützen. Der Schaden wird minimiert, das Fortschreiten der Krankheit gestoppt (kausale Therapie). In der fernen Zukunft wird es seiner Meinung nach auch möglich sein, dass durch iPS Zellen identifizierte Wirkstoffe körpereigene Stammzellen gezielt aktivieren und geschädigte Gewebe und Organe regeneriert werden können. Damit könnte das körpereigene Regenerationspotential therapeutisch genutzt werden.

Für Erkrankungen des Nervensystems gab es bisher keine aussagekräftigen Tier- und Zellkulturmodelle. Die Ergebnisse waren nur sehr limitiert auf den Patienten übertragbar. Die iPS Technologie spielt daher am Universitätsklinikum Erlangen eine sehr wichtige Rolle. Im Rahmen von „forIPS - Bayerischer Forschungsverbund Induzierte Pluripotente Stammzellen“ forscht Prof. Jürgen Winkler, Abteilung für Molekulare Neurologie gemeinsam mit Arbeitsgruppen bayerischer Universitäten an der Etablierung eines Krankheitsmodells für die Parkinson Krankheit, der nach der Alzheimer-Demenz zweithäufigsten neurodegenerativen Erkrankung weltweit. Parkinson ist eine komplexe multifaktorielle Erkrankung, deren zugrundeliegenden Erkrankungsmechanismen noch weitgehend unbekannt sind. Die bisherigen Therapieansätze sind nur begrenzt in der Lage, das Voranschreiten der Erkrankung aufzuhalten. Die Entschlüsselung der Krankheitsprozesse ist ein wesentlicher Schritt, um nach neuen therapeutischen Ansätzen zu forschen. Laut Prof. Jürgen Winkler entwickelt sich die Parkinson Erkrankung 15 - 20 Jahre bevor ein Patient mit entsprechenden Symptomen in die Klinik kommt. Unter Umständen verhindern körpereigene Reparaturmechanismen einen früheren Ausbruch der Krankheit. Diese zu ergründen könnte ein neuer Weg für eine Therapie der schweren neuronalen Erkrankung sein.

Auch bei einer anderen Erkrankung stellen Stammzellen eine wichtige Therapiemöglichkeit dar. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 11.500 Menschen an Leukämie, darunter viele Kinder. Oftmals besteht die einzige Heilungsmöglichkeit in der Transplantation von Knochenmark bzw. Stammzellen. Jedoch muss nach geeigneten Fremdspendern häufig weltweit gesucht werden. Trotz mehrerer Millionen registrierter Stammzellspender weltweit kann auch heute noch für etwa 20 % der Patienten mit Leukämie kein geeigneter Stammzellspender gefunden werden. Für diese Patienten gibt es jedoch eine Alternative. Das Blut aus der Nabelschnur ist reich an wertvollen blutbildenden (hämatopoetischen) Stammzellen, die nach der Geburt gewonnen werden können. Diese sind noch sehr unreif und verhindern die sonst häufig auftretenden Abstoßungsreaktionen. Stammzellen aus Nabelschnurblut stellen eine Alternative mit ständig wachsender Bedeutung dar und bieten diesen Patienten eine neue Hoffnung. Insbesondere das geringe Infektionsrisiko, wie auch die immunologische Toleranz dieser Zellen sind wichtige Argumente für deren Anwendung.

Eine besondere Bedeutung kommt hierbei den Stammzellbanken zu. Eine Spitzenstellung nimmt hierbei die Stammzellbank der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen bundesweit ein, wie Prof. Volker Weisbach erläutert. Sie besitzt eine umfassende Zulassung des Paul-Ehrlich-Instituts zur Herstellung von Blutprodukten und Stammzellkonzentraten aus Nabelschnurblut, eine Genehmigung zur Herstellung von Stammzellpräparationen und Advanced Therapy Medicinal Products (ATMPs). Bereits 2004 erhielt sie vom Paul-Ehrlich-Institut als dritte Einrichtung in ganz Deutschland die Zulassung zur Herstellung von Stammzellpräparaten für innovative Therapiekonzepte. An die Stammzellbank, die autologe und allogene Einlagerungen von Stammzellen ermöglicht, sind heute über 500 Kliniken angebunden. Zudem versorgt sie als zentrale Einheit das Universitätsklinikum mit Zell- und Stammzellprodukten.

Für eine Spende werden in der Regel je nach Körpergewicht zwei Nabelschnurpräparate benötigt. Aus diesem Grunde ist es interessant hämatopoetische Stammzellen und Vorläuferzellen zu expandieren um die Zellzahl zu erhöhen. Ein Unternehmen das sich dieser Aufgabe stellt, ist Novartis Pharma. Dr. Conrad Bleul, Global Program Medical Director, berichtete über erste Ergebnisse einer klinischen Phase I/II Studie, die die Sicherheit und Effizienz von ex-vivo expandierten Stammzellen aus Nabelschnurblut adressiert. Im Vorfeld der Studie wurde die Wirkung von rund 100.000 verschiedenen Substanzen auf die Expansion sogenannter CD34+ hämatopoetischer Stammzellen getestet. Dabei stieß man auf die Substanz SR1, die die Expansion der Stammzellen stark erhöhte. Die mit SR1 behandelten Präparate wurden anschließend in einer kleinen klinischen Prüfung bei Leukämiepatienten getestet. Dabei zeigten sich erste positive Ergebnisse bei der Behandlung der Leukämiepatienten, die zu weiteren klinischen Studien führen werden. Bei einer weiteren Verifizierung der Ergebnisse könnte dies bedeuten, dass nur noch eine einzige Nabelschnurblut-Einheit nötig wäre verbunden mit reduzierten Kosten, weniger Krankenhaustagen und Hilfe für mehr Leukämiepatienten.

Zelltherapie in der Entwicklung und in der Klinik

Zahlreiche zellbasierte Therapien befinden sich bereits in der klinischen Prüfung.
Nach der Transplantation von Blutstammzellen eines Spenders (allogene Transplantation) kann es bei Patienten zu schweren, teilweise letalen Infektionen kommen, oft ausgelöst durch eine Reaktivierung des humanen Cytomegalievirus (CMV), einem ubiquitär verbreiteten Herpesvirus. Grund hierfür ist der Verlust der memory-Funktion der B-Lymphozyten im Rahmen einer allogenen Stammzelltransplantation. Ziel der Gruppe um Prof. Thomas Winkler, Nikolaus-Fiebiger Zentrum der Universität Erlangen-Nürnberg ist es, eine neuartige adaptive Gedächtnis-B-Zell-Therapie zur Verbesserung der Immunantwort gegen humanen CMV nach Stammzelltransplantation zu entwickeln. In präklinischen Tiermodellen konnte gezeigt werden, dass eine derartige Zelltherapie der Immundefizienz sehr effektiv für die Prävention und Therapie von schweren CMV Infektionen sein kann. Der nächste Schritt war die Translation der tierexperimentellen Ergebnisse in die Vorbereitung einer klinischen Studie. Vom ursprünglichen Stammzellspender wird das Prüfpräparat durch Anreicherung von B-Lymphozyten durch die Stammzellbank der Transfusionsmedizin des Universitätsklinikums Erlangen-Nürnberg hergestellt. Ziel dieser vom Paul-Ehrlich Institut genehmigten weltweit ersten „first-in-man“ Studie ist die Untersuchung der Sicherheit und Machbarkeit des Transfers von Gedächtnis B-Zellen zur Prophylaxe und Therapie der Immundefizienz nach allogener Stammzelltransplantation. Neben der Uniklinik Erlangen sind die Unikliniken Regensburg, Würzburg und Essen beteiligt.

Immunzellen lassen sich aber auch für einen anderen therapeutischen Ansatz verwenden - der Krebsimmuntherapie mittels dendritischer Zellen. Ein weltweit anerkannter Experte auf diesem Gebiet ist Prof. Gerold Schuler, Direktor der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen und langjähriger Wegbegleiter von Ralph Steinman, der 2011 den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung und Rolle der dendritischen Zellen bei der erworbenen Immunität erhielt. Dendritische Zellen gehören zu den wichtigsten antigenpräsentierenden Zellen des Immunsystems. Sie lassen sich aus ihren Vorläuferzellen, den Monozyten, die aus dem Blut des Patienten isoliert werden, nach Behandlung mit speziellen Stimuli über das Stadium der unreifen dendritischen Zellen gewinnen. Belädt man unreife dendritische Zellen zusätzlich mit Peptiden oder RNA des Tumors des Patienten präsentieren die daraus resultierenden reifen antigenbeladenen dendritischen Zellen dem Immunsystem (den T-Zellen) charakteristische Tumormerkmale. Das Immunsystem ist dadurch in der Lage den Tumor gezielt anzugreifen.

Das Uveamelanom ist eine seltene Tumorerkrankung des Auges, eine sogenannte „orphan disease“ mit einer Inzidenzrate von 1:100.000 pro Jahr in Europa (Anzahl der Neuerkrankungen pro Jahr pro 100.000 Einwohner). Etwa die Hälfte aller Patienten entwickeln Metastasen, die sich meist zuerst in der Leber manifestieren und oft innerhalb weniger Monate zum Tode führen. Bisher gibt es für das Uveamelanom keine Standardtherapie. Das Auftreten von Metastasen ist durch den Biomarker Monosomie 3 vorhersagbar. Für diese Patienten startet Prof. Schuler zusammen mit acht ophthalmologischen Kliniken in Deutschland eine Phase III Studie. Dabei wird aus den entfernten Monosomie 3 - positiven Tumoren der Patienten RNA isoliert und damit dendritische Zellen beladen. Die Patienten werden anschließend mit ihrer personalisierten Vakzine gegen patientenspezifische Tumorantigen über zwei Jahre vakziniert und anschließend ein Jahr beobachtet. Für die Studie benötigt man 200 Patienten, deren Rekrutierung drei Jahre benötigen wird. Eine Interimsanalyse wird nach der Behandlung von 69 Patienten erfolgen. Prof.Schuler erhofft sich durch diese Behandlung ein selteneres oder verzögertes Auftreten von Metastasen und ein verlängertes Überleben. Letztendlich ist das Ziel, eine neue Behandlungsoption zur Verfügung zu haben und Patienten neue Hoffnung zu geben.

Ein anderes Unternehmen, das ATMPs (Advanced Therapy Medicinal Products) zur Anwendung bringen möchte, ist die Münchner apceth. Dabei kommen patienteneigene (autologe) mesenchymale Stammzellen (MSC) zur Anwendung. MSCs zeichnet besonders aus, dass sie nicht immunogen sind, keine off-target Toxizität aufweisen und keine massive Ausschüttung von entzündungsstimulierenden Substanzen, sogenannten Cytokinen, auslösen. Ihr großer Vorteil besteht zudem darin, dass sie ein zielgerichtetes Delivery von Wirkstoffen / therapeutischen Genen zum Tumor ermöglichen. Grund hierfür ist, dass MSCs durch spezielle Signale des Tumors angezogen werden und den Tumor infiltrieren. Die MSCs von apceth enthalten sogenannte Suizid-Gene, die im Tumor aktiviert werden und damit spezifisch Tumorzellen zerstören (Trojanisches Pferd). Im November 2013 wurde der erste Patient in einer Klinischen Phase I/II (TREAT-ME 1 Studie) mit genmodifizierten MSCs behandelt. In dieser Studie geht es primär um die Sicherheit und Verträglichkeit der autologen genveränderten MSCs bei Patienten mit fortgeschrittenem gastrointestinalem Karzinom und sekundär um die Effizienz und das Proof-of-concept (Machbarkeit). Bis zu diesem Schritt war es laut Prof. Ralf Huss, CSO bei apceth, ein langer Weg: 20 Jahre von der Idee bis zur Klinik über die Aufnahme der GMP Produktion von zellbasierten Produkten bei apceth 2008 – ein Jahr nach der Gründung des Unternehmens.

Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMPs) umfassen neben Zell- und Gentherapeutika auch Tissue-Engineering Produkte. Die Einordnung eines ATMP in eine der drei Klassen bestimmt die regulatorischen und gesetzlichen Anforderungen. Für die Zulassung dafür notwendiger klinischer Studien ist in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut zuständig, die Marktzulassung eines Arzneimittels wird durch die Europäische Arzneimittelagentur EMA erteilt.

Um die geforderten Kriterien zu erfüllen, müssen zunächst die komplexen Herstellungsprozesse und die klinische Testung unter GMP-Bedingungen für die neuartigen Tissue-Engineering Produkte entwickelt und validiert werden. Prof. Heike Walles, Lehrstuhl für Tissue-Engineering & Regenerative Medizin der Universität Würzburg und IGB Fraunhofer Projektgruppe Onkologie, beschrieb in ihrem Vortrag die langjährige Entwicklungsarbeit, um den Transfer in einen GMP-konformen Prozess zu gewährleisten. Dabei musste mit drei Typen von ATMPs gearbeitet werden, einem Zelltransplantat, einer biologischen Trägerstruktur und dem in vitro hergestelltem Gewebe.

Grundlage ist eine biologische Trägerstruktur aus Kollagen, BioVaSc (Biological Vascularised Scaffold), die durch Azellularisierung des Gefäßsystems eines Schweinedünndarms hergestellt wird. Diese Gefäßmatrix kann mit patienteneigenen (autologen) Endothel- und Muskelzellen sowie Fibroblasten wiederbesiedelt werden. Die Reifung des Gewebes erfolgt in einem speziell entwickelten Bioreaktor. Solche Implantate wurden bereits im Tiermodell erfolgreich getestet. Bereits 2009 wurde ein Implantat für die Rekonstruktion der Luftröhre in einem erfolgreichen individuellen Heilversuch eingesetzt.

Für die Entwicklung des gesamten GMP-Prozesses zur Herstellung vaskularisierter Transplantate mussten eine Vielzahl neuer Methoden etabliert werden, um die Qualität und Sicherheit der Materialien zu gewährleisten. So wurden Tests für die Trägerstruktur entwickelt, um die Elastizität zu prüfen und nachzuweisen, dass diese frei von Zellen, DNA und Endotoxinen ist. Für die Isolierung und Expansion von patienteneigenen Zellen wurden verschiedene Marker identifiziert und festgelegt, um Endothel- und Muskelzellen sowie Fibroblasten eindeutig abzugrenzen. Weiterhin wurde ein Nachweis mit FDG-PET etabliert, um mittels Radiomarker ein funktionales Endothel nachzuweisen. Dem Arzneimittelgesetz entsprechend wurden zulassungsrelevante Tierversuche durchgeführt und zum Nachweis eines funktionierenden Blutgefäßsystems in Schweine implantiert. Die Untersuchung von Transplantaten ergab, dass diese im Lauf der Zeit von Zellen aus dem Patientenorganismus rekultiviert werden und sich nicht mehr von patienteneigenem Gewebe unterscheiden lassen.

Nach über 12 Jahren Entwicklungsarbeit stehen nun die ersten klinischen Studien an. Dafür erhalten die am Projekt „Bioartifizielle Rekonstruktionsgewebe für die Luftröhrenchirurgie“ beteiligten Partner eine Förderung durch das BMBF.
Reproduzierbarkeit, Immunogenität, EU-weite Zulassung, Erstattungsfähigkeit und Automatisierung stellen die nächsten Herausforderungen dar. Nächste denkbare klinische Anwendungen sind zum Beispiel Pankreaserkrankungen.

Als 2010 gegründetes Spin-Off des Berlin-Brandenburg Centers für Regenerative Therapien entwickelt die t-cell Europe GmbH neue T-Zell-basierte therapeutische Verfahren. Ziel ist es T-Zell Therapieprodukte bis zum Abschluss der klinischen Phase I//IIa zu entwickeln und an Partner zu lizensieren. In einer ersten Finanzierungsrunde wurden insgesamt 1,45 Mio. Euro von dem High-Tech Gründerfonds, der Constantin Bastian Leander Venture Capital GmbH sowie der ILB-Förderbank des Landes Brandenburg eingesammelt.

Das erste Produkt von t-cell wird eine T-Zell-Therapie bei Nierentransplantationen sein, die die Abwehrreaktion des Immunsystems unterdrücken soll. Die dauerhafte medikamentöse Supprimierung hat starke Nebenwirkungen. Mit Hilfe des T-Zell-basierten Ansatzes könnte diese Immunsupprimierung ersetzt werden. Dazu werden regulatorische T-Zellen (Treg) eingesetzt. Tregs spielen eine Rolle für die Immuntoleranz und verhindern eine Überreaktion des Immunsystems. Dies kann genutzt werden, um das Immunsystem eines Patienten zu modulieren und die Abstoßung einer fremden Niere zu verhindern.

Präklinische Studien und Produktion finden in den Einrichtungen und Laboren der Charité statt. Dort steht eine entsprechend ausgestattete GMP Einheit mit vier Reinräumen zur Verfügung. Die Technologie zur Produktion von therapeutischen T-Zellen umfasst mit Sammlung von Lymphozyten, Isolierung der CD4+CD25+Foxp3+ positiven T-Zellen, Proliferation der T-Zell-Population und der Qualitätskontrolle vier Schritte, die Dr. Claudia Ulbrich, Geschäftsführerin der t-cell GmbH erläuterte. Dabei ist eine autologe oder allogene Therapie möglich. Innerhalb weniger Wochen kann so ein Therapeutikum hergestellt werden, das dem Patienten bei Bedarf verabreicht werden kann. Ein Therapieerfolg lässt sich über spezifische Biomarker beobachten.

Nach erfolgreicher Durchführung präklinischer Studien sind für 2014 zwei klinische Phase I/IIa Studien geplant. Zukünftige Indikationsgebiete sind Transplantationen von Leber, Lunge, Herz oder Bauchspeicheldrüse.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre ermöglichen neue innovative Therapieformen und hier insbesondere die Zelltherapie. Die erfolgreiche Entwicklung von zellbasierten medizinischen Produkten (CBMPs) verlangt schon eine sorgfältige Planung der präklinischen Studien. Aurigon ist eine CRO, die Dienstleistungen im Bereich der Pharmakologie, Bioanalytik und Toxikologie anbietet. Bisher hat Aurigon Erfahrung mit 15 ATMPs gesammelt.

Dr. Emmanuelle Cornali erläuterte die vier präklinischen CBMP Programme zu Pharmakodynamik, Biodistribution, Tumorigenität und kurz- sowie langzeit Toxizitätsstudien bei Aurigon und berichtete über die Schlüsselaspekte, die wichtig für eine erfolgreiche Umsetzung sind. Dabei kann es möglich sein manche Studien miteinander zu kombinieren und gleichzeitig durchzuführen. Vor allem die Tests auf Tumorigenität und Toxizität lassen sich gut kombinieren, wohingegen von einer Kombination der Studien zu Tumorigenität und Biodistribution abgeraten wird.
Allgemein lässt sich feststellen, dass das Interesse an präklinischen Studien zu zellbasierten Therapien in den letzten Jahren stark gestiegen ist.

Enabling Technologies

Die Standardisierung der Abläufe ist eine der wesentlichen Voraussetzung, damit Zellpräparate in gleichbleibend hoher Qualität permanent zur Verfügung stehen. Die Automatisierung einzelner Schritte sowie des gesamten Workflows am Beispiel iPS-Zellen stellte Dr. Julia Neubauer vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik vor. Ein wesentlicher Bestandteil hierfür ist die automatische Identifizierung von erfolgreich reprogrammierten iPS-Zellen durch das Life Cell Imaging, wo unter physiologischen Bedingungen mit nicht-invasiven Analysenmethoden Parameter wie Proliferation oder Differenzierungsmerkmale wie  z.B. die Schlagfrequenz von Herzzellen, bestimmt werden können. Die Separation von Einzelzellen ist heute durch die Kombination von Robotertechnologie, Mikroskopie und automatischer Bilderkennung möglich. Die anschließende Expansion der gewünschten Zellen kann im Bioreaktor mit höheren Wachstumsraten als in der 2D-Kultur erfolgen. Eine Standardisierung für diesen Schritt ist noch nicht umgesetzt. Im Bereich der Lagerung und Kryokonservierung sind Entwicklungsziele eine möglichst hohe Wiedergewinnung von aktiven, pluripotenten Zellen nach Langzeit-Lagerung. Technologien wie die „oberflächenbasierte Vitrifikation“ können hier eingesetzt werden. Zellen werden dabei adhärent auf Microcarriern in speziellen Einfriermedien eingefroren - ohne dass zelluläre Membranen und Proteine wesentlich beeinträchtigt werden. Eine intakte Kühlkette kann durch erste teil-automatisierte Kryolagersysteme erreicht werden. Durch automatische Einschleussysteme für Transportbehälter wird ein Temperaturanstieg im Kryobehälter, wie er bei der Entnahme eines Racks auftritt, vermieden werden.

Die Separation von Zellen anhand spezifischer Oberflächenmarker mittels der auf magnetischen Partikeln basierenden MACS-Technologie ist Schwerpunkt der Miltenyi Biotec. Dr. Dirk Balshüsemann, Leiter Marketing & Sales, Clinical Products, stellte die Entwicklung eines vollautomatisierten Systems vor. Dieses ist aufgrund seiner Geschwindigkeit direkt im OP-Raum eingesetzbar. Beispielsweise können im Rahmen einer Bypass-Operation hämatopoetische Stammzellen die Regeneration nach der OP verbessern. Diese Zellen sind gekennzeichnet durch den Oberflächenmarker CD133, der auch als Signal für die Zellseparation dient. Während bisherige Protokolle von der Zellentnahme, Inkubation, Separation und verschiedenen Zentrifugationsschritten über 4 Stunden benötigte, ermöglicht ein neu entwickeltes vollautomatisiertes System, alle Schritte direkt im OP Saal parallel zur Operation durchzuführen. Verschiedene Technologien wie automatisiertes Kultivieren, Zentrifugieren und Zelldetektion kommen hier zum Einsatz.

Eine ebenfalls sehr patientennahe neue integrierte Lösung der Durchflußzytometrie stellte Dr. Oliver Hayden von Corporate Technologies der Siemens AG vor. Eine Analytik wird innerhalb des Workflows direkt aus dem unverdünnten Vollblut durchgeführt, eine Probenvorbereitung ist nicht mehr nötig. Das Messprinzip beruht auf mit supermagnetischen Markern markierten Zellen, die in einem Strom über adaptierte magnetoresistive Sensoren geleitet werden. So werden Rollbewegungen der Zellen induziert, die eine Ausrichtung spezifischer Zellen und ein Auftreffen  an einer ganz bestimmten Position des Sensors erzielen. Die entsprechende Signatur ermöglicht die Identifikation der entsprechenden Zelltypen. Dieses schnelle und einfache Meßverfahren eignet sich beispielsweise zur Qualitätskontrolle zellbasierter Therapieprodukte. Die Technologie der magnetoresistiven Sensoren konnte aus der Leiterplattenindustrie transferiert werden.

Ein Unternehmen, dass sich auf das Monitoring metabolischer Prozesse in Zellen und Geweben spezialisiert hat, ist die Regensburger Presens, deren Head of R&D Imaging Solutions, Dr. Gregor Liebsch, neue Möglichkeiten für die Kultivierung von Stammzellen vorstellte.