Symposium

Rückenwind für die Energiewende

Dritter Bayerischer Windbranchentag
08. November 2012, Stadthalle Fürth

Bericht

"Rückenwind für die Energiewende" - so lautete der Titel des 3. Bayerischen Windbranchentags, der dieses Mal gemeinsam vom Landesverband Windenergie (BWE) und dem Cluster Energietechnik konzipiert und von der Bayern Innovativ GmbH organisiert wurde. Mit 350 Teilnehmern und 33 Firmen in der Fachausstellung war der Kongress gut besucht.

In seiner Begrüßung sprach der neue Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH, Prof. Dr. Werner Klaffke von einer industriellen Revolution. Er machte deutlich, dass die geplante Energieumstellung ein Unterfangen darstellt, das nicht aus der Portokasse zu bezahlen ist. Dabei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass bislang bei den Energieträgern Kohle und Uran die Ewigkeitskosten heraus gerechnet, auf die Steuerzahler umgelegt oder auf kommende Generationen abgewälzt wurden. Die Stromversorgung wird intelligenter, dezentraler und effizienter werden müssen. Sie sollte vor allem zukunftsoffen sein und darf nicht durch das Festzurren auf den heutigen Standard, neue Entwicklungen außer Acht lassen.

Rainer Kleedörfer, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung der N-ERGIE AG aus Nürnberg forderte eine Korrektur des derzeitigen "Energiemarktdesigns", da die Erreichung der "Energiewendeziele" im aktuellen Marktdesign nur schwierig möglich sei. Regenerative Erzeugungsanlagen werden zunehmend auch ohne EEG-Förderung wirtschaftlich realisierbar werden. Von den etwa 20.000 Strom- und Gaskonzessionen in Deutschland läuft die Mehrzahl bis 2015/2016 aus und wird von den Kommunen neu vergeben. Damit ergeben sich für die Stadtwerke neue Möglichkeiten zum Aufbau von Arbeitsplätzen vor Ort. Der Einfluss auf lokale Energiepolitik (Gebäudesanierung etc.) wäre dann in begrenzter Weise gegeben.

Günter Beermann, BWE-Landesvorsitzender lobte die bisher erzielten Fortschritte, z.B. die Windkulisse und den im Dezember 2011 erstellten Windenergieerlass, der detaillierte Hinweise zur Planung und Genehmigung von WEA gib. Jetzt sei man aber schon wieder dabei, die Aufbruchsstimmung abzuwürgen. Dabei wies er im wesentliche auf drei Fehlentwicklungen hin. So erschwert die aktuelle Diskussion über die EEG Umlage (zu den 5,21 Cent Umlage trägt die onshore Windkraft mit 0,21 Cent bei) eine langfristige Planungssicherheit, die Flächenausweisung für Windkraftanlagen ist nicht ausreichend, teils unbrauchbar und die Genehmigungspraxis langwierig.
 
Eine mit Energieakteuren aus Kommunen, Landkreisen, Behörden und dem Ministerium kompetent besetzte Gesprächsrunde 1 vertiefte dieses Eingangsstatement. Für den Ausbau der Windenergie in Bayern ist die Bürgerakzeptanz eine der wesentlichen Voraussetzungen. Diese ist bei rund 70–80% der Bürger vorhanden, so Raimund Kamm, Energiebeauftragter der BN-Kreisgruppe Augsburg, auch wenn kleinere Gruppen von Anti-Windkraftakteuren durch gezielte Aktionen für große mediale Präsenz sorgen. Die vorhandenen Hemmnisse liegen eher in den Kommunen, aber auch bei den regionalen Planungsverbänden. Den Appell, mehr Vorgaben seitens der Staatsregierung für die regionalen Planungsverbände zu machen, lehnte Robert Götz, Leiter der Bayerischen Energieagentur ab. Er wies aber auf die neu geschaffene Verpflichtung für die Planungsverbände hin, dass nun Vorranggebiete ausgewiesen werden müssen.

In der Gesprächsrunde 2 "Chancen und Risiken der bayerischen Windbranche" kritisierte Ulrich Lenz, Vorstand der Ostwindgruppe, die zähe und zurückhaltende Genehmigungspraxis. Viele Projekte, die aufwändige Untersuchungen und hohe Investitionen voraussetzten, würden durch vorgeschobene Naturschutz-Belange verhindert. Auf ein ganz anderes Risiko für Zulieferer und den Ausbau der Windenergie wies Werner Schröppel, Geschäftsführer der IMO Energie GmbH hin: Weil in dem wachsenden Markt die Gewinnmargen der Hersteller unter Druck geraten sind, könnten diese versucht sein, an der Qualität ihrer Anlagen zu sparen und zugekaufte Billigkomponenten einzusetzen. Das wäre freilich kurzsichtig und am falschen Ende gespart. Denn durch den Austausch eines – beispielsweise – defekten Lagers nach nur kurzer Betriebszeit gerät nicht nur die Wirtschaftlichkeitskalkulation der Anlagenbetreiber aus den Fugen, sondern die Reparatur zerstört auch das Vertrauen in diese in Bayern noch junge Art der Stromerzeugung.

Professor Oliver Brückl von der Hochschule Regensburg zeigte mehrere Lösungsmöglichkeiten auf und favorisierte daraus den regelbaren Ortsnetztrafo. Diese Transformatoren erhöhen die Aufnahmefähigkeit für dezentrale Energieerzeuger in Niederspannungs- und Mittelspannungsnetzen um den
Faktor 3 – 13 und sind somit weit kostengünstiger als die Alternative des Netzausbaus.

Um den Know-how Vorsprung, den die deutsche Windenergiebranche noch hat, zu erhalten, sind erhebliche Forschungsanstrengungen notwendig, so Professor Christian Große von der TU München und Mitglied im Windenergieforschungsnetzwerk WindForS. Optimierungen im Antriebsstrang, Gewichts- und Kostenreduktion bei Rotoren, neuartige Turmkonzepte, Aspekte der Leistungselektronik und funktionsrelevanter Überwachungssysteme sowie die Erhöhung der Produktionsautomatisierung stehen im Fokus von Forschung und Entwicklung. Ein neu eingerichteter Lehrstuhl Windenergie an der TUM soll dabei helfen.

"Wir brauchen kein Desertec in Nordafrika, sondern ein Bayerntec", forderte BWE-Bundesvorsitzende Hermann Albers. Würde der Freistaat zwei Prozent seiner Landesfläche für die Windkraftnutzung ausweisen, ließen sich damit 85 Prozent des landesweiten Strombedarfs decken. Regenerative Stromimporte wären damit überflüssig, die Wertschöpfung bliebe in Bayern und die Versorgungssicherheit würde gestärkt. Durch die Weiterentwicklung der Technik und an den Standort angepasste Turmhöhen und Rotorblätter, sind auch in Schwachwindgebieten auskömmliche Stromerträge zu erzielen.

Wirtschaftsminister Martin Zeil bekräftigte das Festhalten der Staatsregierung an ihren Windzielen. Nach dem im vergangenen Jahr beschlossenen Energiekonzept soll der Anteil der Windenergie von derzeit einem auf bis zu zehn Prozent an der Stromerzeugung bis zum Jahr 2021 ausgebaut werden. Dies setzt landesweit den Bau von rund 1.500 neuer Windturbinen voraus. Zeil zeigte sich zufrieden mit dem bislang erreichten Ausbautempo. So gingen im vergangenen Jahr 75 WEA ans Netz, dieses Jahr rechnet man mit 90 Neuinstallationen.

In der begleitenden Fachausstellung präsentierten sich 33 Firmen, darunter die namhaften Hersteller von Windenergieanlagen wie Enercon, GE Wind Energy, Siemens Wind Power, REpower Systems, Nordex SE, und Vestas Deutschland, eine große Anzahl von Projektierern aus ganz Deutschland, sowie Unternehmen der Bayerischen Zulieferindustrie.

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