BAIKA-Kongress

mobilität querdenken

27. Oktober 2015, Gaszählerwerkstatt München

Bericht

Kunden wollen mehr als von Haltestelle zu Haltestelle

Wie wollen Menschen in Zukunft mobil sein? Welche Bedeutung hat der Besitz eines eigenen Fahrzeugs? Und welche Antworten haben große Konzerne und kleine App-Entwickler?

"Bahnreisende möchten heutzutage nicht mehr von Haltestelle zu Haltestelle, sondern von Tür zu Tür reisen". Anna Graser, von der Deutschen Bahn-Tochter DB Regio AG beschreibt, warum Deutschlands größter Mobilitätskonzern auf neue Angebote setzt, um erfolgreich zu bleiben. Think Tanks wie das Innovationslabor der Deutschen Bahn „d.lab“ entwickeln dafür integrierte Mobilitätsdienstleistungen, die Reisenden ermöglichen sollen, nahtlos vom Gleis auf das nächste bestgeeignete Verkehrsmittel umzusteigen. Während der Wechsel vom Zug ins voll autonom fahrende Fahrzeug derzeit noch eine Vision ist, testet die Deutsche Bahn bereits konkrete App-basierte Dienstleistungen wie die Streckenagent-, Stammplatzreservierungs- und Mitfahrer-App in der Praxis. „Kunden verhalten sich heute anders und wollen mehr. Rapid Prototyping-Lösungen erlauben uns, die Produktzyklen zu beschleunigen und neue Ideen mit dem Kunden zu testen. Sein Feedback fließt in den Entwicklungsprozess ein“, so Graser.

Konzerne und Start-ups

Auch die großen Automobilhersteller haben erkannt, dass nachhaltige Kundenbindung in Zukunft nicht mehr ausschließlich über das Fahrzeug funktioniert. „60 % aller Berufspendler fahren mit dem PKW, 90 % davon sitzen alleine im Auto“, so Dr. Michael Hazelaar von Volkswagen. „Dabei verbrauchen die Fahrer unnötig viel Platz und Energie.“ Mit dem Konzeptfahrzeug NILS, E-Scooter, transportablen E-Rollern und E-Bikes antwortet der bis dato weltgrößte Automobilhersteller auf die vielfältigen Anforderungen der Mikromobilität und auf steigende Restriktionen in Ballungsräumen. Das einsitzige Konzeptfahrzeug NILS zeigt, dass Nahpendler mit einem Elektroauto günstig, sauber und flexibel von A nach B kommen. Die kleineren Fahrzeuge wiederum ermöglichen, sich schnell und effizient in der Innenstadt oder auf der letzten Meile fortzubewegen.

Die Daimler AG wiederum setzt neben technischen Entwicklungen auf die Gründung oder Beteiligung an Mobilitätsunternehmen: Apps von moovel oder ridescout verknüpfen unterschiedliche Verkehrsträger und zeigen die geeignetste Route, beim Chaufferdienst Blacklane können Geschäftsreisende und Privatleute weltweit online Limousinen mit Fahrer buchen, das Gemeinschaftsunternehmen Car2Go ermöglicht CarSharing von Fahrzeugen aus der konzerneigenen Pkw-Produktionspalette. „Um dem Kunden verschiedene Möglichkeiten zu bieten und nach seinen Präferenzen zu entscheiden, bedarf es strategischer Partnerschaften. Das Smartphone ist dabei das Instrument, das neue Mobilitätsmodelle ermöglicht,“ so Randolf Wöhrl von der Daimler Benz-Tochter moovel.

Doch nicht nur große Konzerne arbeiten an innovativen Lösungen. Nicht zuletzt kleine Start ups zeigen neue Wege auf. Nach Ansicht der Münchener CIRRANTiC GmbH ist Neue Mobilität „Clean, Shared und Smartified“. Eine von CIRRANTIC entwickelte App bietet unter anderem ein ausgefeiltes Prognosetool, um Ladevorgänge von Elektroautos möglichst effizient zu gestalten. Die scoo mobility GmbH setzt auf Motorroller als Ergänzung im Mobilitätsmix. Die entsprechende App erlaubt den Kunden, die im Stadtgebiet verteilten Roller in wenigen Minuten in Betrieb zu nehmen. Die Greenspider GmbH hat sich mit „SMASH“ (Smart Sharing) zum Ziel gesetzt, Mobilitätsunternehmen und Endverbrauchern durch einen einfachen und flexiblen Zugang zu Fahrzeugen, Ladestationen und Parkplätzen Vorteile zu bieten und eine effiziente Überwachung von Fuhrparks zu erleichtern. Das finnische Start-up Ficonic Solutions wiederum hat sich das Thema Konnektivität auf die Agenda geschrieben. Das Project 1B soll ermöglichen, auch ältere Fahrzeuge einzubeziehen.

Treiber Psychologie

Die neuen Geschäftsmodelle großer und kleiner Unternehmen belegen, welche Rolle die Psychologie für die Akzeptanz neuer Mobilitätsdienstleistungen hat. Gelerntes Verhalten prägt nachhaltig das Verhältnis zu neuen Technologien, Fahrzeugnutzung und -besitz. Ist das Umfeld geeignet und erste Erfahrungen positiv, übernehmen aber auch ältere Bürger neues Verhalten von den „early adoptors“. Abstandsradar oder Carsharing werden akzeptiert, wenn sie  
„Menschen werden künfig nicht weniger, sondern anders mobil sein“, postuliert der Mobilitätsdesigner Dr. Bodo Schwieger des Berliner Unternehmens team red Deutschland. Einen Treiber dafür sieht er in der Stärkung urbaner Strukturen zu Lasten des Autos. Megacities wie Seoul wollen den Pkw bereits mittelfristig aus den Innenstädten verbannen. Dienstleistungen, die mehr Flexibilität bei geringeren Kosten als das eigene Automobil bieten, gewinnen dadurch an Attraktivität.

Hinweis:

Mit dem Onlinetool Periscope aufgenommene Filmbeiträge geben auf dem Bayern Innovativ-YouTube-Kanal einen Einblick in die Vorträge von vier Startup-Unternehmen des Forums querdenken, das der Cluster Automotive am 27.10.2015 in München gestaltete.

http://www.bayern-innovativ.de/querdenken2015/tv

Ausblick:

Neue Geschäftsmodelle für die Automobilindustrie stehen auch im Fokus der „Conference on Smart Mobility Services“ am 8.3.2016 an der Technischen Hochschule Ingolstadt.

Fachlicher Ansprechpartner
Jennifer Reinz-Zettler
Tel. +49 911-20671-216
Fax +49 911-20671-733

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