1. Cluster Automotive Expertenkreis Produkthaftung

Mit Vollgas ins Risiko - Rückrufmanagement in der Praxis der Zulieferindustrie

04. Februar 2014, Hotel Victoria, Nürnberg

 

Bericht

  • Ausgebuchter Expertenkreis Produkthaftung
  • Anzahl von Rückrufen weiter auf hohem Niveau
  • Zunehmende Regressansprüche gegenüber Zulieferern
  • Risikominimierung durch professionelles Rückrufmanagement

Schlagzeilen über Fahrzeugrückrufe aufgrund herstellerbedingter Sicherheitsmängel sind regelmäßig Thema in den Medien. Doch dies betrifft nur einen geringen Teil der entdeckten Mängel. Der weitaus größere Teil wird im Rahmen von Serviceaktionen in den Werkstätten oder kleineren Rückrufaktionen, ohne Beachtung der Medien, behoben. Im Jahr 2012 registrierte das KBA 162 Rückrufe. Mechanische Mängel sind immer noch die häufigsten Ursachen für Rückrufe. Elektrische / elektronische Mängel spielen, trotz immer umfangreicher werdender elektrischer Ausstattung, noch eine untergeordnete Rolle. Dieses hohe Niveau an Rückrufen liegt unter anderem an der Gleichteilestrategie der Hersteller. Zahlreiche Komponenten werden heutzutage nicht nur in einem Modell, sondern gleich in ganzen Modellfamilien und sogar markenübergreifend verbaut. Kommt es auch nur zu einem kleinen Fehler, sind gleich Tausende Fahrzeughalter betroffen. Für die Industrie bedeutet das neben einem Imageverlust meist hohe Kosten.  Die OEM nehmen die Zulieferer zunehmend in Regress und stellen Schadenersatzforderungen. Die Kosten für diese Rückrufaktionen können für einige Unternehmen existenzgefährdend werden.

Das Rückrufmanagement in der Automobilzulieferindustrie stand im Fokus des
1. Cluster Automotive Expertenkreis Produkthaftung am 04. Februar 2014. Ausgewählte Experten stellten Strategien sowie Lösungsansatze vor.

Eine große Rolle im Zusammenhang mit zunehmenden Regressansprüchen gegen Automobilzulieferer spielt das sich ändernde Umfeld in der Automobilindustrie. Steigende Produktions-Wertschöpfungsanteile aller Zulieferer führen zur Häufung der Regressierung. Zudem regressieren die OEM gegen den einzelnen betroffenen Zulieferer häufig extrem hohe Forderungen so Michael Adolf, Rechtsanwalt der Kanzlei aklaw. Weiterhin führt eine Verlagerung der R&D-Anteile auf Zulieferer in Zusammenhang mit steigender Komplexität und neuen regulatorischen Anforderungen hinsichtlich Elektronik und CO²-Begrenzung zu vermehrten Schnittstellenrisiken und zu einer Flut an einzelnen Dokumenten. Herr Adolf empfiehlt daher den Zulieferern Verträge mit den OEM genau zu prüfen zu verhandeln und mit Hilfe einer „Vertrags FMEA“ Problemfelder zu identifizieren. Weiterhin zeigte Michael Adolf mögliche Argumentationsfelder im Streitfall mit dem Automobilhersteller auf. Wichtig hierbei sei es die Verteidigungskette keinesfalls monokausal aufzubauen.

Dirk Grote, Head of Claims and Automotive der Marsh GmbH, erläuterte in seinem Vortrag rechtliche und gesetzliche Hintergründe ebenso wie die Vertragsgestaltung von OEM und Zulieferern oder auch die Versicherbarkeit der Zulieferrisiken aus Rückrufen. Hierbei ging er zunächst auf die Systematik der Haftpflichtversicherung und den Grundschutz der Betriebs- und Produkthaftpflichtversicherung sowie gängige Ausschlüsse, wie zum Beispiel die Experimentier- bzw. Erprobungsklausel ein. Zusätzlich sei zur Absicherung der Kosten eine Rückrufkostenversicherung empfehlenswert, welche zum Beispiel die Kosten der Ermittlung der Halter, Kosten der Benachrichtigung, Kosten des Fahrzeugtransports, Kosten der Austauschaktion, insbesondere Aus- und Einbau, Reparatur sowie Nachbesserung deckt. Kein genormter Versicherungsschutz besteht hingegen für die eigenen Wiederherstellkosten und für die durch die verzögerte Lieferung von i. O. Teilen beim OEM verursachte Betriebsunterbrechung, so Grote.

Anhand von praxisnahen Fallbeispielen erläuterte Fritz Lantschner, Leiter der Abteilung Corporate Legal & IP, Webasto SE, Stockdorf mögliche Verhaltensstrategien des Lieferanten bei Rückrufaktionen der OEM an anschaulichen Schadensbeispielen aus der Praxis.

Es wird immer häufiger sichtbar, dass schlecht vorbereitete Unternehmen länger brauchen um sich von einer Rückrufaktion zu erholen. Während  die OEM`s über ein ausgefeiltes Rückrufmanagement verfügen, befassten sich in der Vergangenheit mittelständische Lieferanten der Zulieferindustrie eher selten mit diesem Thema. Es ist daher notwendig, dass alle involvierten Mitarbeiter detailliertes Wissen über die Abläufe und die Durchführung einer Rückrufaktion erlangen. Laut Herrn Lantschner sind daher Maßnahmen zur Gewährleistung der Produktsicherheit in Unternehmen der Zulieferindustrie dringend erforderlich. Diese beinhalten zum Beispiel Interne Produktanforderungen, Interne Prozesse zu Produktsicherheit sowie Schulung der Mitarbeiter. Außerdem sei ein umfassendes Product Safety Management notwendig. Damit wird das Verhalten bei Vorfällen definiert  sowie die Zuständigkeiten dokumentiert.

Die hohe Aktualität zum Thema Produkthaftung bestätigten die mehr als 30 Teilnehmer bei diesem 1. Expertenkreis, den der Cluster Automotive in Kooperation mit der Marsh GmbH durchgeführt hat. Im abschließenden Get-Together diskutierten die Teilnehmer rege ihre Erfahrungen und Fragen.

Fachlicher Ansprechpartner
Jennifer Reinz-Zettler
Tel. +49 911-20671-216
Fax +49 911-20671-733

Fachlicher Ansprechpartner 
Holger Czuday
Tel. +49 911-20671-212
Fax +49 911-20671-733

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