Prüfstand für den Orgelbau

Substitution von Holzbauteilen im Orgelbau

Innovationsgutschein und Modellregion Oberfranken unterstützen innovativen Materialeinsatz

Seit 35 Jahren fertigt und restauriert die Baumgartner Orgelbau GbR Bauteile für Pfeifenorgeln. Die Werkstätte für historische Musikinstrumente ist spezialisiert auf Entwicklung, Fertigung, Vertrieb und Restauration von Orgelbauteilen.
Durch den Einsatz modernster CAD-Technik ist das Produktportfolio für komplexe Orgelbaukomponenten auf über 900 Einzelbauteile angewachsen. Neben einem weltweit einzigartigen Produktspektrum treibt Baumgartner die Entwicklungen im Orgelbau stetig voran. So erhielt das Unternehmen 2003 den Innovationspreis für den Einsatz von Polymergleitlagern, es führt den weltweit einzigen Produktkatalog mit gerenderten Bauteilen im Musikinstrumentenbau.
Ziel von Baumgartner ist die Weiterentwicklung des bestehenden Produktportfolios durch den Einsatz von alternativen Materialien, neuen technischen Konzepten und Neuentwicklungen.

Im Sortiment sind Klaviaturen und Spieltische aber auch Spezialwerkzeuge und jegliche Einzelbauteile wie Pedalhebel, Ventile oder Lager. Auch sogenannte Abstrakten werden gefertigt: bis über 10 Meter lange Holzstäbe, die den Tastendruck zu den Ventilen der einzelnen Pfeifen übertragen.
Alle Bauteile müssen hochpräzise gefertigt werden. Eine besondere Herausforderung liegt daher in der Beschaffung geeigneter, hochwertiger Rohstoffe. Für die Herstellung von Abstrakten ist nur das Holz der langsam wachsenden Haselfichte geeignet. Neben Transport- und Lagerkosten der Rohhölzer, steigt deren Preis durch eine stetige Verknappung stark an. Geschäftsführer Richard Baumgartner sah hier Chancen, mit einer Substitution der Haselfichte durch neue Materialien nicht nur Kosten einzusparen, sondern den Bestand der Haselfichte ökologisch zu sichern und gleichzeitig technische Vorteile zu erschließen.

Nach einem ersten Beratungsgespräch im Rahmen des Programms Modellregion Oberfranken zwischen Richard Baumgartner und Marc Lügger, Bayern Innovativ, wurde Anfang 2015 ein Projektplan mit mehreren Phasen erstellt.
Die erste Phase in Form von messtechnischen Voruntersuchungen konnte durch die Vermittlung der Modellregion Oberfranken mit einem Innovationsgutschein Bayern gefördert werden. Als wissenschaftlicher Partner in diesem Vorhaben ermittelte die Fraunhofer-Projektgruppe für Prozessinnovation bis April 2016 eine Datengrundlage und wertete diese aus. Auf dieser Basis soll nun in Phase zwei gemeinsam mit der Modellregion Oberfranken ein Prüfstand zur messtechnischen Untersuchung der mechanischen Abläufe und Lasten in der Orgel aufgebaut werden. Wie sich in den vorausgegangenen Untersuchungen im Rahmen des Innovationsgutscheins gezeigt hat, ist die Prüfung in bestehenden Referenzorgeln schwierig, da die schwankenden Umgebungsbedingungen - insbesondere Temperatur und Luftfeuchtigkeit – nicht kontrolliert werden können. Zudem sind die Orgeln in der Regel auf engstem Raum installiert, was die messtechnische Datenerfassung durch die eingeschränkte räumliche Zugänglichkeit in den Referenzorgeln erschwert. Ebenso ist das Testen neuer Technologien an Referenzorgeln kritisch, da diese für den regulären Gebrauch in den Kirchen eingeplant sind und zu bestimmten Zeiten zum Spiel einsetzbar sein müssen.

Zielsetzung des Projekts ist die Konzeption und der Aufbau eines Prüfstandes aus einem Spieltisch (Manual) und einer Windlade, welche durch die zu untersuchende Traktur (Abstrakte, Ventil, etc.) miteinander verbunden werden.

Kontakt: Marc Lügger, luegger@bayern-innovativ.de

 

Unten: Video zum Projekt (Video vom Fraunhofer IPA)