Symposium

Logistik Forum Nürnberg

09. November 2011, Maritim Hotel, Nürnberg

Bericht

Impulse für nachhaltige Transportlogistik

  • 160 Teilnehmer aus 3 Ländern beim Logistik Forum Nürnberg
  • Neue Technologien und Konzepte für Vorsprung im Wettbewerb
  • DVZ-Talk mit Podiumsdiskussion: „Nachhaltige Lösungen in der Transportlogistik"


Zum sechsten Mal fand am 9. November 2011 das Logistik Forum in der Metropolregion Nürnberg statt - einem international bedeutenden Logistik-Knotenpunkt intermodaler Verkehrsträger. 160 Teilnehmer und 14 Aussteller präsentierten Trends, Entwicklungen und Best-Practice-Beispiele der Transportlogistik. Das Symposium wurde zum wiederholten Mal gemeinsam von der Bayern Innovativ GmbH, verantwortlich für das Management des Clusters Logistik, und dem CNA e. V., verantwortlich für den Cluster Bahntechnik, konzipiert und organisiert.

Neben der Vermittlung aktueller Logistik-Trends bot die Plattform vielfältige Möglichkeiten zur Anbahnung von Kooperationen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft. „Wir freuen uns sehr über die positive Resonanz auf das Symposium. Wichtigstes Ziel unserer Plattformen ist, Wirtschaft und Wissenschaft zielgerichtet zusammenzuführen, um zukünftige Innovationen zu initiieren und zu beschleunigen", so Prof. Dr. Josef Nassauer, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH in Nürnberg.

Experten aus Industrie und Forschung sind sich einig, dass das Güterverkehrsaufkommen zunehmen wird. Derzeit werden pro Jahr für jeden der 82,4 Mio. Einwohner in Deutschland gut 50 Tonnen Fracht bewegt, davon alleine per LKW über 39 Tonnen bei einer durchschnittlichen Transportentfernung von 130 km. Für die beiden wichtigsten Verkehrsträger „Straße" und „Schiene" wird ein überproportionaler Anstieg erwartet: Experten gehen von einer Steigerung um 80 % bis zum Jahr 2025 aus. Dies stellt Logistikdienstleister und produzierende Unternehmen vor große Herausforderungen, bietet aber auch große Chancen z.B. auch für den Kombinierten Verkehr. Gerade gemeinsame Konzepte von Straßengüterverkehr und Bahntechnik eröffnen Chancen, um noch weitere Potenziale zu erschließen. Eine effiziente Logistik gehört somit heute zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. Mit innovativen Technologien und Dienstleistungen lassen sich wichtige Wettbewerbsvorteile sichern.

Das Logistik Forum Nürnberg zeigte auf, dass auch im Transportsektor ein ressourcenschonender Umgang mit den Energieträgern erforderlich ist. In der gesamten Wertschöpfungskette müssen Potenziale zur CO2-Reduzierung genutzt werden - von der energieeffizienten Logistik-Immobilie bis hin zu Einsparungen in der logistischen Transportkette. Wesentliche Voraussetzung für das nachhaltige Abwickeln der Verkehre ist zum einen eine leistungsfähige und effiziente Verknüpfung der Verkehrsträger und zum anderen der Einsatz effizienter Konzepte und Geschäftsmodelle für die jeweiligen Verkehrsträger.

Der Berufsmäßige Stadtrat und Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, Dr. Michael Fraas sowie Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken, unterstrichen in ihren Grußworten die Bedeutung der Logistik für die Metropolregion Nürnberg, etwa mit dem Leuchtturmprojekt des trimodalen Umschlagterminals im Güterverkehrszentrum Hafen Nürnberg-Roth. Deutlich wurde, dass die nachhaltige Abwicklung der Transportströme gerade für die Metropolregion Nürnberg als Gateway-Funktion eine wichtige Voraussetzung nachhaltigen Wirtschaftens darstellt.

Die nachfolgenden Inhalte sind wie folgt gegliedert

  • Trends und nachhaltige Lösungen in der Transportlogistik
  • DVZ-Talk mit Podiumsdiskussion im Plenum
  • Innovationen für den Verkehrsträger „Straße"
  • Innovationen für den Verkehrsträger „Schiene"
  • Abschluss-Keynote
  • Teilnehmerspektrum und Fachausstellung


Trends und nachhaltige Lösungen in der Transportlogistik
Die Trends in der Transportlogistik stellte Prof. Peter Klaus, D.B.A./Boston Univ. in seiner Funktion als Sprecher des Clusters Logistik dar. Deutlich wurde, dass der Verkehrsträger „Straße" von seiner Bedeutung her auch zukünftig eine hervorgehobene Stellung einnehmen wird und das Rückgrat der Transportwirtschaft bildet. Hier gilt es, Lösungen und Geschäftsmodelle zu erarbeiten, um wirtschaftlich und nachhaltig die Transportlogistik zu betreiben. Prof. Klaus plädierte in diesem Zusammenhang darauf, nicht emotional zu agieren, sondern die Trends wertfrei zu betrachten und entsprechende Lösungen zu erarbeiten. Eine Verlagerung auf Schiene und Binnenschiff sei auch zukünftig nur punktuell und in bescheidenem Umfang möglich, da bei der Schienen-Trassenbelegung der Personenverkehr Vorrang genießt, eine begrenzte Netzdichte von Schienen und Wasserstraßen vorzufinden ist und Kosten sowie Zeitbedarfe eine Rolle bei der Verkehrsmittelwahl spielen. In diesem Zusammenhang sind auch die politische und ökonomische Volatilität sowie die Wirkung von Demographie und der Übergang in die Service-Ökonomie zu beachten.

Verkehr und Transport werden auch maßgeblich beeinflusst durch den zielgerichteten Ausbau der Infrastruktur sowie durch politische Rahmenbedingungen. Dies stellte der Leiter Sektion Güterverkehr des Eidgenössischen Departments für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation im schweizerischen Bundesamt für Verkehr in Bern, Dr. Arnold Berndt, dar. Er berichtete über die Güterverkehrspolitik der Schweiz mit den entsprechenden Erfolgen und Herausforderungen. Das schweizerische Konzept der Verlagerungspolitik Straße - Schiene beinhaltet die Instrumentarien der Schwerverkehrsabgabe, der Bahnliberalisierung und der Modernisierung der Bahninfrastruktur. Dies wird flankiert von Förderprogrammen für Terminals und Transporte des Kombinierten Verkehrs. Handlungsbedarfe für den Schienengüterverkehr werden vorwiegend bei der Standardisierung und Harmonisierung, der gezielten finanziellen Förderung sowie der Erhaltung eines dichten Netzes in der Fläche gesehen, wobei der „Industrialisierung" der Produktion im Schienengüterverkehr - international wie national eine besondere Bedeutung beigemessen wird. Die Entwicklung des alpenquerenden Schienengüterverkehrs ist überproportional gewachsen, vor allem im Kombinierten Verkehr. Fazit war, dass das Ziel der nachhaltigen Verkehrsverlagerung demokratischer Entscheidungsprozesse bedarf und der Ausbau und die Finanzierung der Bahninfrastruktur langfristig gesichert werden müssen. Dies könnte auch ein Ansatz für die deutsche Verkehrspolitik sein, wenngleich das schweizerische Konzept sich nur bedingt auf andere Länder übertragen lässt.

Die Philosophie eines produzierenden Unternehmens spiegelt sich nicht nur in den Produkten wider, sondern zunehmend auch in der Art der Abwicklung von Transport und Logistik. Erwartungen und Anforderungen eines internationalen Verladers hat Dieter Rogge, Senior Manager Global Procurement and Logistics/Transportation Solutions der BASF SE in Ludwigshafen dargestellt. Zu diesen Anforderungen zählen unter anderem Effizienz, Flexibilität und Nachhaltigkeit. Dabei bedeutet nachhaltiges Wirtschaften für BASF, ökonomischen Erfolg mit ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung in Einklang zu bringen. Ziel ist es, durch umweltgerechte und ressourceneffiziente Logistikprozesse einen nachhaltigen Unternehmenswert zu schaffen.

DVZ-Talk mit Podiumsdiskussion im Plenum
Einen Höhepunkt des Symposiums bildete der DVZ-Talk mit Podiumsdiskussion zu dem Thema „Nachhaltige Lösungen in der Transportlogistik", der von Björn Helmke, Chefredakteur der Fachzeitschrift DVZ im DVV Media Verlag moderiert wurde. An der Expertenrunde mit Vertretern aus der Logistik nahmen teil:

  • Stefan Hinz, Umweltkoordinator, Hermes Transport Logistics GmbH, Hamburg
  • Dr. Andreas Froschmayer, Division Manager Corporate Development & PR, DACHSER GmbH & Co. KG, Kempten
  • Dr. Johannes Söllner, Geschäftsführer der Geis Holding GmbH & Co. KG, Nürnberg
  • Tobias Richter, Geschäftsführer, IntEgro Verkehr GmbH, Reichenbach.

In kurzen Statements zeigten die vier Experten Erfahrungen und Perspektiven nachhaltiger Logistiklösungen auf und betonten, dass die Notwenigkeit der CO2-Reduktion für den Transportsektor auch für die jeweiligen Kundengruppen sehr wichtig geworden ist. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass sich Klimaschutz auch ökonomisch lohnt, wobei unterschiedliche Auffassungen über „Marktanreize", „Regulierungen" und „Preissignale" bestehen.

Weitere Kernaussagen der Podiumsdiskussion im Plenum:

  • Die Nachhaltigkeit ist ein ganzheitlicher Managementprozess
  • Eine Entschleunigung der Zustellgeschwindigkeiten sollte in Betracht gezogen werden: Der 24 Std.-Service der Logistik-Dienstleistungsbranche ist aus ökologischer Sicht zu überdenken. Auch der Bedarf nach diesen Leistungen sollte aus Kundensicht nachhaltig hinterfragt werden
  • Im Paket-Ausliederdienst kann der Einsatz von Elektroantrieben mit Kleinfahrzeugen wirtschaftlich funktionieren
  • Beim Hybrid-LKW kommt der Durchbruch erst dann, wenn auch größere LKW ausgerüstet werden
  • Die Bahn hat Stärken, wenn große Warenmengen über lange Strecken transportiert werden müssen 
  • Bei zeitkritischen Transporten hat der Verkehrsträger Schiene deutliche Nachteile
  • Auf der Schiene sollte eine Elektrifizierung auch auf Nebenstrecken stattfinden. Es sind derzeit noch zu viele Güterfahrten mit Dieselloks bei hohem Verbrauch nötig.
  • Eine leistungsfähige und effiziente Verknüpfung der Verkehrsträger ist Voraussetzung, um Verkehre umweltgerecht abzuwickeln 
  • Das Thema des Fachkräftemangels wird alle Verkehrsträger betreffen. Hier gilt es, durch zielgerichtete Ausbildung, Stärkung des Images und Attraktivitätssteigerung der Arbeitsplätze entgegenzuwirken.

Innovationen für den Verkehrsträger „Straße"
Die Vortragsreihe „Innovationen für den Verkehrsträger Straße", die von Prof. Peter Klaus, D.B.A./Boston Univ. moderiert wurde, konnte unterschiedliche Ansätze für eine optimierte Transportlogistik aufzeigen. Prof. Klaus ist dabei noch einmal kurz auf die in seinem Vortrag des Plenums aufgezeigten Rahmenbedingungen eingegangen.

Dr. Johannes Söllner, Geschäftsführer der Geis Holding GmbH & Co. KG in Nürnberg ging in seinem Vortrag auf die Distributionsnetze im Wandel und dessen Auswirkungen auf den Verkehrsträger Straße ein. Da sich die gesellschaftlichen und konjunkturellen Einflüsse sowohl auf das Güterverkehrsaufkommen selber wie auch auf die entsprechende Aufteilung auf die Verkehrsträger und letztlich auf die räumliche Verkehrsverteilung auswirken, ist ein Wachstum in den Ballungsräumen sowie eine Schwächung der ländlich peripheren Räume zu beobachten. Dr. Söllner stellte ferner fest, dass die Ursachen zunehmender Transportweiten aus der zunehmenden internationalen Arbeitsteilung in der EU, der Konzentration auf Metropolräume sowie Entleerung peripherer Gebiete resultieren. Der Güterstruktureffekt begünstigt hierbei den Straßengüterverkehr - dies vor allem auch im Rahmen der EU-Osterweiterung. Effekte sind eine steigende Nachfrage nach höherwertigen Gütern, eine tendenziell abnehmende Sendungsgröße sowie ein immer kurzfristigerer Bedarf - dies bei rückläufigem Aufkommen von Massengütern. Ansatzpunkte zur Optimierung für den Verkehrsträger Straße werden u.a. in der Umsetzung eines Feldversuchs mit Lang-LKW (Gigaliner), der Weiterentwicklung von City-Logistik-Konzepten zur urbanen Versorgung sowie der Erprobung alternativer Nutzfahrzeugkonzepte mit neuen Antrieben in Ballungsräumen gesehen.

Eine innovative Technologie für Verlade- und Transportvorrichtungen stellte Rudolf Hubauer, Geschäftsführender Gesellschafter der Hubauer heavy weight logistics GmbH in Linz, Österreich mit dem Projekt BOXmover vor. Die Marktpotentiale und Einsatzbereiche des Hebelkrans zur Verladung von Containern liegen im Regional- und Werksverkehr, dem Kombinierter Ladungsverkehr (KLV) sowie im Bereich des mobilen Lagers auf Baustellen. Auch der Einsatz in Krisengebieten für eine schnelle Verbringung von Containern ist denkbar. Es wurde dargestellt, dass Umladevorgänge kostengünstiger mit dem Produkt BOXmover zu bewerkstelligen sind. Bei einem Mehrerlös pro Jahr von ca. 20.000,- € amortisiert sich der Einsatz nach ca. 420.000km bzw. 5 von 8 Jahren Einsatzzeit.

Nachhaltigkeit als strategische Komponente eines Netzdienstleisters wurde von Dr. Andreas Froschmayer, Bereichsleiter Corporate Development & PR der DACHSER GmbH & Co. KG in Kempten hervorgehoben. Dabei wurde deutlich, dass sich die Strategie besonders gut bei einem familiengeführten Unternehmen umsetzen lässt, da eine langfristige Geschäftspolitik verfolgt wird. Als Kontraktdienstleister wird das Ziel der Vermeidung von Fahrten bereits mit der Bündelung von Warenströmen erreicht und somit eine Reduktion von CO2-Emissionen über Kalkulationsmatrix aufgrund vorhandener Daten ermöglicht. Die Erstellung einer Norm zur Treibhausgasberechnung unterstreicht dies. Die Bewertung der Transportprozesse im Netz wird weiterhin durch die Erfassung eines Intra-Footprint, der die Bedingungen in den Niederlassungen berechnet, ergänzt. Umweltorientiertes und energiesparendes Bauen spielen dabei ebenso eine Rolle wie der Einsatz umweltfreundlicher Fahrzeug und Motorentechnik sowie die Bewusstseinsbildung bei Mitarbeitern und dem gesellschaftlichen Handeln des Unternehmens. Deutlich wurde, dass die Strategie der Nachhaltigkeit insgesamt ökonomische, ökologische und soziale Aspekte umfasst.

Bernd Herrler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer SCS in Nürnberg, verdeutlichte mit dem Projekt PalletFlow eine multimodale Transportlösung für palettierte Ware. Das Transportkonzept beinhaltet dabei die Kombination von der Abholung und Zustellung der kurzen Regionaltouren per LKW bis hin zur Übernahme des Hauptlaufes auf der Schiene - dies möglichst in Shuttle-Ganzzugverkehr. Ein effizienter horizontaler Umschlag von palettierter Ware durch Stapler mit RFID-Identifikationssystemen ist die Voraussetzung dafür, dass das Ziel der Verlagerung des stark wachsenden Anteils palettierter Ware im Straßengüterverkehr (Ladungsverkehr) auf einen multimodalen Schienen-Straßen-Transport erreicht werden kann. Nach einer Marktanalyse nach Branchenclustern stellt sich das durchschnittliche Verlagerungspotenzial mit 55 Mio. t p.a. dar.


Innovationen für den Verkehrsträger „Schiene"
In der Einführung zur Vortragsreihe „Innovationen für den Verkehrsträger Schiene" berichtete der Sprecher des Clusters Bahntechnik, Dr. Holger Schulze-Halberg, über Vorteile und Herausforderungen des Verkehrsträgers Schiene.
Aktuelle Probleme seien z. B. Kapazitätsprobleme. Engpässe im Schienen-Güterverkehr können wegen knapper Mittel und wegen des Vorrangs des Hochgeschwindigkeitsverkehrs nur langsam abgebaut werden. Ein entscheidender Fortschritt wäre eine bessere Entmischung zwischen Güter- und Personenverkehr (Netz 21). In Zukunft gehe es weniger um die Frage, ob Güter besser auf der Straße oder der Schiene zu transportieren seien, sondern ausschließlich darum mit welchen Maßnahmen am effizientesten die absehbaren Kapazitätsprobleme zu bewältigen sind. Es bleibe keine andere Wahl, so Dr. Schulze-Halberg, als die Prioritäten aller Investments zu überprüfen und vor allem notwendige Innovationen zu fördern. Bei der Bewertung bieten sich dabei drei Kriterien an: die direkten Kosten, die indirekten Kosten und die Hindernisse, die gegen den Übergang zwischen den Verkehrsmodi sprechen. Es hat keinen Zweck, die Umweltfreundlichkeit der Bahn zu loben, wenn der kombinierte Transport wegen ineffizienter Übergänge zwischen Bahn und Straße nicht akzeptiert wird. Intelligente Lösungen zur besseren Nutzung der Trassen und bei der Definition der richtigen Prioritäten seien deshalb unbedingt erforderlich.

Die Herausforderungen der Transportlogistik für den Verkehrsträger Schiene stellte Wolfgang Maier, Leiter Produktionszentren München und Nürnberg der DB Schenker Rail Deutschland AG in München dar. Deutlich wurde, dass aus einer in Deutschland tätigen Güterbahn mit DB Schenker ein weltweit handelnder, multimodaler Transport- und Logistikkonzern mit 18,9 Mrd. € Umsatz geworden ist. Die drei strategischen Zielrichtungen des Ausbaus der integrierten Angebote, der Weiterentwicklung des Kerngeschäftes und der Stärkung der Netzwerke werden dabei primär verfolgt. Als Mitglied der Allianz Xrail arbeitet DB Schenker Rail an der Optimierung des europäischen Einzelwagennetzwerks. Ziele sind dabei die Verbesserung des Auslastung und Optimierung der Effizienz und Pünktlichkeit der Einzelwagen-Verkehre. Weitere von Wolfgang Maier genannte konkrete Beispiele waren das Versorgungskonzept für die Stadtwerke München mit Steinkohle und der von DB Schenker entwickelte Korridor von China nach Europa auf der Schiene.

Einen Erfahrungsbericht zu dem Projekt CargoBeamer wurde von Dr. Hans-Jürgen Weidemann, Vorstand der CargoBeamer AG in Leipzig gegeben. CargoBeamer ist dabei ein innovatives, nachhaltiges und europaweites Schienen-Gütertransportsystem für alle Sattelauflieger. Dieser Marktanteil soll auch für die Schiene genutzt werden, denn Sattelauflieger sind das dominierende Transportmittel im Güterverkehr auf der Straße - dieser potenzielle Markt ist signifikant größer als der heutige Kombinierte Verkehr. Hintergrund ist, dass Sattelauflieger zu über 95% nicht „kranbar" sind und bisher nicht im Kombinierten Schienenverkehr eingesetzt werden können (Ausnahme RoLa). Hier setzt das Projekt CargoBeamer an, denn es werden keinerlei waggonspezifische Anforderungen an den Trailer gestellt und somit kann der ganze Markt bedient werden. CargoBeamer ermöglicht so wertvolle Vorteile für Industrie, Logistiker, Speditionen und Frachtführer.

Max Klingender, Forschungsgruppenleiter Verkehr und Mobilität des, IMA der RWTH Aachen stellte mit dem Projekt TelliBox Marktchancen für innovative Verladesysteme auf Straße und Schiene im intermodalen Verkehr vor. Ziel des Projektes TelliBox ist es, die Vorteile bestehender Ladeeinheiten wie Container, Swap-Body oder auch Mega-Trailer in eine MegaSwapBox zu integrieren. Dabei wurde eine neue Methodologie entwickelt, die von allen Akteuren akzeptiert wird und zugleich Kosten und Zeit reduziert. Die Machbarkeit und Einsatzreife konnte im Rahmen der Feldversuchsphase von 6 Wochen mit intensiven Tests auf mehr als 5.500 km allein auf der Straße in 5 Ländern mit 9 Partnern nachgewiesen werden. Aktuell wird an einer Gewichtsreduktion der Box gearbeitet, um eine konkurrenzfähige Beladung zu erreichen.

Kritisch beleuchtet wurde das Thema des Einzelwagenladungsverkehrs auf der Schiene durch Tobias Richter, Geschäftsführer der IntEgro Verkehr GmbH in Reichenbach. Um diese attraktiver zu gestalten, ist neben der Vereinfachung der rechtlichen Forderungen und höheren Anreize zur Schaffung neuer Privatgleisanschlüsse die Einführung einer automatischen Kupplung zur Senkung des Personalbedarfs und zur Beschleunigung der Transportdauer nötig. Insgesamt ist eine Steigerung des Angebots der Privatbahnen für eine flächendeckende Bedienung der Zentren wünschenswert.


Abschluss-Keynote
Dr. Lorenzo von Fersen
, Verhaltensbiologe am Tiergarten Nürnberg, unterstrich in seinem anschaulichen Keynote-Vortrag, dass die Logistik und die Menschen im allgemeinen durchaus von den Prozessen aus dem Tierreich lernen können, die zum Teil von Insekten vor 60 Millionen Jahren ausgebildet wurden. Als Schlagwort ist die „Schwarmintelligenz" anzusehen. Diese trifft man z.B. bei der Blattschneiderameise an. Die Gesetze des intelligenten Schwarms erweisen sich hier als extrem wirkungsvolle Werkzeuge, um Probleme unserer heutige komplexen Welt zu lösen. Das Erkennen der kürzesten Wege sowie der Transport der richtigen Menge zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind Herausforderungen die hier genannt und gelöst werden können.


Teilnehmerspektrum und Fachausstellung
Die Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kamen von Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette der „Transportlogistik", u. a. aus den Bereichen Spedition (Dachser GmbH & Co. KG, DB Schenker Rail Deutschland AG, Geis Industrie-Service GmbH, Hermes Logistik Gruppe GmbH & Co. KG, Landauer Transportgesellschaft Doll KG, Pabst Transport GmbH & Co. KG, Spedition Wormser KG), Verlader (BASF SE, Kathrein-Werke KG, Nestlé Schöller GmbH & Co. KG, Puma SE, Siemens AG, Telefunken GmbH & Co. KG), Infrastrukturanbieter (Bayernhafen GmbH & Co.KG, Hafen Nürnberg-Roth GmbH, VAG Nürnberg) sowie Beratung und Forschung (Fraunhofer SCS, Hochschule Hof, Nürnberg und Würzburg-Schweinfurt, LKZ Prien GmbH, LTC logistics technology & consulting LTD, Porsche Consulting GmbH).

In der begleitenden Fachausstellung präsentierten Unternehmen und Forschungseinrichtungen an 14 Ständen ihre Technologien, Produkte und Dienstleistungen rund um die Themen Transportlogistik, Logistikdienstleistung, Schienen- und Bahntechnik sowie Beratung, Aus- und Weiterbildung.

Aus den Rückmeldungen der Teilnehmer wurde deutlich, dass das 6. Logistik Forum Nürnberg die Interessen der Branche sehr gut getroffen hat und als Möglichkeit zur Anbahnung von Kooperationen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft wahrgenommen wurde. Vor allem die Konzeption und Organisation wurden sehr positiv bewertet. Dies sehen die Veranstalter als einen hervorragenden Anreiz für die Konzipierung und Planung für das Jahr 2013.

 

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