Cluster-Forum

Kommunale KWK - Wirtschaftlichkeit und Innovation

01. Oktober 2015, Maritim Hotel, Nürnberg

 

Bericht

  • KWKG 2016 - Investitionsimpulse fehlen
  • Wirtschaftlichkeit angestammter KWK bleibt kritisch
  • Innovative Geschäftsmodelle mit dezentralen KWK-Lösungen

Der aktuelle Referentenentwurf zur Novellierung des KWKG, welches zum 1. Januar 2016 in Kraft treten soll, und dessen Auswirkung auf die Wirtschaftlichkeit kommunaler KWK-Lösungen stand im Mittelpunkt des mit 125 Teilnehmer bestens besuchten Fachforums. Überkapazitäten im Erzeugungsmarkt hatten zuletzt den wirtschaftlichen Betrieb der effizienten, kommunalen KWK-Kraftwerke, die sich überwiegend in Ballungsräumen befinden, unwirtschaftlich gemacht. Insbesondere gasbetriebene Anlagen werden durch Kohlestrom aus dem Markt gedrängt. Die Novellierung des KWKG soll hier durch höhere Vergütungssätze Abhilfe schaffen. Für die bestehenden Kraftwerke werden die zuletzt diskutierten Rahmenbedingungen nur einen unzureichenden Beitrag zum Bestandsschutz liefern, Neuinvestitionen werden ausbleiben. Dies war das Fazit der prominent besetzten und kompetent geführten Podiumsdiskussion. Fabian Schmitz-Grethlein brachte mit seiner Einschätzung, „die Novellierung des KWKG ist der Versuch der Reparatur eines kaputten Marktes, ein bißchen zu Gunsten der KWK“ die Einschätzung auf den Punkt.

Speziell für die Versorgungslage in Süddeutschland keine gute Prognose. In den nächsten Jahren wird sich hier die verfügbare, gesicherte Leistung durch den Ausstieg aus der Kernkraft um etwa 5 GW verringern. Neubauprojekte sind derzeit nicht in Sicht. Die Bayerische Staatsregierung setzt bei der Lösung des Problems auf einen Mix aus Netzausbau, Gaskraftwerken und dem weiteren Zubau der KWK, so Ministerialdirigentin Dr. Ulrike Wolf. Der Ausbau der KWK in Bayern ist somit erklärtes Ziel bayerischer Energiepolitik und entsprechende Unterstützung, beim Versuch die Rahmenbedingungen auf Bundeseben zu verbessern gewiss. Als begrenzender Faktor für den weiteren Ausbau wird zudem die effiziente Erschließung von Wärmesenken gesehen. Durch die Erstellung von kommunalen Energienutzungsplänen und die systematische Erfassung über den bayerischen Energieatlas soll dieser Prozess unterstützt werden.

Flexibilisierung und Effizienzsteigerung sind die zentralen technischen Anforderungen an eine künftig optimierte Vermarktung von KWK-Lösungen. Dass hier die Bäume nicht in den Himmel wachsen machte Professor Brautsch in seinem Vortrag deutlich. Nach den enormen Steigerungen der letzten Jahre werden auch künftig Verbesserungen im Detail neue Potentiale erschließen. Eine durch Rahmenbedingungen verursachte Wirtschaftlichkeitslücke ließe sich damit aber nicht schließen. Zudem bestehe die Gefahr, dass die Hersteller der Anlagen aufgrund mangelnder Nachfrage unter Druck geraten und weitere innovative Verbesserungen unterbleiben.

Die Funktion der KWK als Brückentechnologie zwischen Strom- und Wärmemarkt, speziell im Ballungsraum, wurde von Josef Hasler thematisiert. Die Finanzierbarkeit der erforderlichen Investitionen war, vor dem Hintergrund zunehmend angespannter Ertragslagen bei den kommunalen Energieunternehmen, sein zentrales Anliegen. „Derzeit sind alle angestammten Geschäftsmodelle, vom Vertrieb über den Netzbetrieb bis zur Erzeugung unter Druck“ so Hasler. Eine Erschließung neuer Netze, der Bau erforderlicher Speicher oder die Ausweitung von Erzeugungskapazitäten ohne klare wirtschaftliche Perspektive sei unter diesen Gegebenheiten nicht darstellbar.“ In Deutschland existieren bereits 81 Wärmespeicher mit insgesamt 53.000 m3 Inhalt; die Planung sieht zusätzlich 230.000 m3 vor; generell muss die Fernwärmeinfrastruktur in den Ballungszentren ausgebaut werden.

Unterstützt wurde er in seiner Einschätzung dabei durch Thomas Schäfer aus Würzburg, der die umfangreichen Maßnahmen seines Unternehmens zur Flexibilisierung und verbesserten Vermarktung des bestehenden Kraftwerks schilderte. Auch sein Fazit war, dass die dabei zu erreichenden Verbesserungen nicht geeignet sind das strukturelle Problem mangelnder Wirtschaftlichkeit zu beheben.

Kritisiert wurde auch das Oligopol der Netzbetreiber, die zunehmend darüber entscheiden, welches Kraftwerk betrieben wird und welches nicht – heisst wer Geld bekommt und wer nicht.

Interessante Einblicke in die Möglichkeiten dezentraler KWK-Lösungsansätze aus kommunaler Hand boten die Beiträge von Karl-Heinz Viets und Norbert Zösch. In Augsburg wurde das KWK-Contracting für die Gebäudewirtschaft inklusive Verbrauchsdatenerfassung in die Unternehmensprozesse integriert und kann so mit klarem Kundennutzen effizient implementiert werden. In Haßfurt konnte KWK im Neubaugebiet, ausgeführt als „kaltes Wärmenetz“ mit dezentralen Wärmepumpen und Power to Heat Option erfolgreich etabliert werden.

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