Kooperationsforum

Kleben von Holz und Holzwerkstoffen

19./20. Juni 2012, Juliusspital, Würzburg

Bericht

Schlüsseltechnologie Kleben aus der Holzbranche nicht mehr wegzudenken
  • 210 Teilnehmer aus 7 Ländern
  • Deutschsprachiger Raum weltweit anerkanntes Forschungszentrum der Klebtechnik
  • Klebtechniken von Morgen durch enge Kooperation entlang der Wertschöpfungskette
Zukunftsweisende Technologien und Strategien der Holzverklebung

Faszinierende Einblicke in Vollholzverleimung, Verklebung von Holzwerkstoffen und Kleben von Holz mit anderen Materialien bot das erstmalige Kooperationsforum ‚Kleben von Holz und Holzwerkstoffen‘ am 19./20. Juni 2012, das von der Bayern Innovativ GmbH in enger Zusammenarbeit mit dem Internationalen Verein für Technische Holzfragen (iVTH) ausgerichtet wurde und Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie erfuhr. Weitere Partner waren die Holzforschung München, die Hochschule Rosenheim, die ETH Zürich, das Kompetenzzentrum Holz WoodKplus sowie der Cluster Forst und Holz in Bayern.

Das Forum lockte 210 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien, Slowakei, Belgien und Schweden nach Würzburg, darunter das Who is Who der europäischen Klebstoff- und Holzszene. Potenzielle Geschäftspartner fanden eine ideale Plattform, um vielversprechende Kontakte für kommende Vorhaben entlang der Wertschöpfungskette Klebstoffe - Zulieferer - Holzbau/-ausbau/-möbel zu knüpfen. Darüber hinaus wurden auch Anknüpfungen zu weiteren Materialien wie Stahl, Beton oder Glas und zu interdisziplinären Ansätzen wie dem ‚Woodwelding‘ geboten.

„An moderne Holzbauwerke und Möbel werden zukünftig immer höhere Ansprüche gestellt", so Prof. Dr. Josef Nassauer, Geschäftsführer, Bayern Innovativ GmbH und Moderator des thematische Teils ‚Zukunftsweisende Technologien und Strategien der Holzverklebung‘. Die Ansprüche reichen von der statischen Tragfähigkeit, Qualität und Sicherheit in der Ausführung über Designfreiheit durch vielfältige Materialverbünde bis hin zur Verarbeitbarkeit modifizierter oder leichter Holzwerkstoffe und dem effizientem Rohstoffeinsatz. Leistungsfähige, schnell wirkende und emissionsarme Klebstoffe sowie optimierte maschinelle Verarbeitungstechnik leisten hierfür einen unverzichtbaren Beitrag.
Prof. Dr. Josef Nassauer hob die Klebtechnik auch als strategisches Element hervor: „Holz verbindet Bayern und Niedersachsen, in diesem speziellen Fall sogar über die Klebtechnologie, die auch in anderen Branchen, wie dem Automobilbau eine herausragende Rolle spielt".

Auch für Karl Moser, Inhaber der Karl Moser Consulting, Aichach ist Kleben eine Schlüsseltechnologie für das Bauen mit Holz. „In Verbünden Denken, Konstruieren und Bauen" ist sein Credo und Kleben ist dabei die alles bestimmende Technologie. „Im Verbund mit anderen Gewerken und durch Mut zu Neuem können ‚die Hölzernen‘ Erfolg haben", so Karl Moser. Als Beispiel für einen wegweisenden Verbund von Holz und Stahl führte er den ‚Metropol Parasol‘ in Sevilla an, bei dem unter Verwendung von Epoxidharz in großem Maßstab in Holz eingeklebte Gewindestäbe eingesetzt wurden.
Auch im Schiffsbau beweisen moderne Klebstoffe ihre Vorteile, z. B. in Bezug auf die elektronische Abschirmung, ebenso wie die Wasserinfrastruktur, die von der Klebtechnologie profitiert. Beispielsweise kommen beim Ostseekanal mittlerweile phenolharzverklebte Fender anstelle der bisher eisenbewährten Vorgänger zum Einsatz. Klassische Werkstoffe, wie Eichenfender haben zudem mit Schädlingen, wie dem Schiffsbohrwurm zu kämpfen, sodass als Alternative geklebtes Schichtholz zum Einsatz kommen kann.
Geklebte Holzwerkstoffe bewähren sich seit langer Zeit und besitzen nach wie vor hohes Entwicklungspotenzial. Ein Beispiel hierfür ist das altbewährte Sperrholz, das durch den Einsatz neuer Lagen und Materialien noch viel Raum für vielversprechende Anwendungen eröffnet.
Eine große Herausforderung für Innovationen in der Holzbranche, stellt der Markt an sich dar. So wurde beispielsweise das innovative Formholzsystem Steko binnen kurzer Zeit durch den Einsatz von Dickholz verdrängt und konnte so den Marktdurchbruch nicht erreichen.
Ein Material, das Potenzial für die Zukunft hat, ist das Buchenbrettschichtholz, das speziell an der TU München erforscht wird. Die aktuell sehr große Aufmerksamkeit für Kohlefaserverbundwerkstoffe bietet auch Potenzial für Holz. So können beispielsweise Carbonfasern als lokale Verstärkungen für Holzfassaden eingesetzt werden.
Beim Einsatz der Klebtechnologie auf der Baustelle, ist speziell die Qualitätssicherung im Auge zu behalten.

Um Technologietransfer zu stimulieren, neueste Erkenntnisse der Klebtechnik einer breiten Wissensgemeinde zugänglich zu machen und auf den Prüfstand zu bringen, schlägt Prof. Dr. Klaus Richter, Leiter Holzforschung der TU München die Einrichtung eines Wissensmanagements mit Aufbau eines Expertensystems vor, z. B. über Web 2.0. Dies vor dem Hintergrund, dass 80 % aller verwendeten Holzprodukte verklebt sind und volumenbezogen 60 % aller Klebstoffe in Europa in die Holzindustrie fließen. Herausforderungen für den Klebstoffverbund liegen v. a . in der Variabilität der lignocellulosischen Rohstoffe. Zukünftige Themen sind u. a. Hybridklebstoffe mit naturbasierten Bestandteilen, Nachhaltigkeitsaspekte sowie Systeme mit Funktionsstoffen für einstellbare Eigenschaften:
So beginnt sich die Rolle von Holz im Bereich der Wood Plastic Composites (WPC) vom Füllstoff zum Funktionswerkstoff zu ändern. Auch die Klebstoffe entwickeln sich kontinuierlich weiter. So werden beispielsweise Hybridklebstoffe, beispielsweise Copolymerisate von synthetischen Bausteinen mit Biopolymeren, aktuell intensiv untersucht. In diesem Umfeld werden naturbasierte organische aber auch anorganische Bestandteile als ein Beitrag gegen eine drohende Ressourcenverknappung eingesetzt.
Da die aktuell eingesetzten Klebstoffe einen deutlich größeren „ökologischen Rucksack" als das Holz mitbringen, beeinflussen sie die Gesamtenergiebilanz der Werkstoffe überproportional stark, auch wenn sie nur ca. 10% des Produktes ausmachen.
Weiterentwicklungen in der Klebstofftechnologie können von Analogien zum Werkstoff Holz profitieren. So wäre beispielsweise denkbar, Klebstoffe mit adaptiven Funktionen analog zum Reaktionsholz aus zustatten.

Beat Bruderer, Engineering, nolax AG, Sempach Station, Schweiz zeigte in seinem Vortrag die Bedeutung eines strategischen Engineerings ganzheitlicher, maßgeschneiderter, produktunabhängiger Verbindungslösungen durch Technologie/-Entwicklungspartnerschaften auf. Laut Beat Bruderer fordern große Herausforderungen beim Kleben von Holz und Holzwerkstoffen eine genaue Überprüfung des eigenen Know-Hows. Laut Beat Bruderer ist analog dazu auch bei einer Bergtour nicht nur die Ausrüstung, sondern auch die genaue Kenntnis von Klima, Route oder lokalen Besonderheiten wichtig für den Erfolg. Die Klebtechnologie hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt und die Anforderungen an Funktionen, adaptive Eigenschaften oder an die Werkstoffe steigen beständig. Die Zusammenarbeit mit Spezialisten kann hier helfen, Kosten zu sparen und bessere Lösungen hervorzubringen. Die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten wird dadurch zudem wirkungsvoll verhindert.

Die nachfolgenden Inhalte der Kongresstage 19./20.06.2012 sind wie folgt gegliedert:

Vollholzverleimung

Klebtechnologien bei Holzwerkstoffen

Kleben von Holz mit anderen Werkstoffen 

Vollholzverleimung

Univ. Prof. Dr. nat. techn. Alfred Teischinger, Leiter Institut für Holzforschung (IHF), Universitäts- und Forschungszentrum Tulln, Universität für Bodenkultur Wien, Österreich führte durch das Thema ‚Vollholzverleimung‘. Er betonte das große Anwendungspotenzial der Verleimung von Massivholz und den dafür notwendigen Austausch über die Grenzen von Fachdisziplinen hinweg.

Dr. Stephan Weinkötz, BASF SE, Ludwigshafen ging in seinem Referat auf melamin-basierte Klebstoffe für die Massivholzverleimung ein. Beim Einsatz von Flächenleimen ist die Zulassung ein wichtiges Kriterium. Klebstofflösungen müssen dem Fertigungsprozess angepasst werden. Dabei können geeignete Softwarelösungen helfen. Für das EM-Stadion in Nizza wird eine Holzrahmenkonstruktion geplant, bei der spezielle Klebeprozesse zum Einsatz kommen sollen.

Im Beitrag von Ralph Kirst, Key Account Manager, Jowat AG, Detmold wurde deutlich, dass jede individuelle Anwendung komplexe Anforderungen an den Klebstoff stellt. Klebstoffhersteller sind zu 90-100% auf die Forschung angewiesen, um Innovationen hervorzubringen, wobei der Hersteller die Rolle des Formulierungsexperten spielt.
Kleben im Holzbau ist wie der Yeti, jeder ist sich sicher, dass es ihn gibt, aber keiner hat ihn je gesehen. Dies ist auch begründet in der eher konservativen Haltung der Branche. Kleben gibt dem Werkstoff Holz eine große Designfreiheit, aber die Klebfuge soll dabei immer unsichtbar sein.
Zukunftsthemen können sein: durch Nanotechnologie integrierte Messung der Klebestelle, um Lastfälle zu protokollieren; Piezoelemente in der Klebung, z.B. für Energiegewinnung im Fußboden; Kleben / Lösen on-demand, bzw. schaltbare Kleber.
Zukünftige Klebstoffe sollten „wertschöpfender, nachhaltiger, gesünder, produktivitätssteigernder, anwenderfreundlicher, umweltverträglicher und somit einfach besser sein", so Ralph Kirst.

Für Dr. Falk Wittel, Institut für Baustoffe (IfB), ETH Zürich, Schweiz erfordert die Simulation der Klebstoffpenetration in Laubhölzern eine sorgfältige Auswahl des Modellierungsansatzes. Ein strömungsmechanischer Ansatz scheint nicht geeignet, da die Randbedingungen für einen Navier-Stokes-Ansatz nicht zutreffen. Mit einem poromechanischen Ansatz können pragmatisch vernünftige Ergebnisse erzielt werden, die von der jeweiligen Holzporosität abhängig sind. Das Härtungsmodell basiert auf eindimensionalem kapillarem Transport bei gleichzeitiger Erhöhung der Viskosität durch Härtung. Eine Validierung der Modelle kann beispielsweise mit Hilfe der µ-Computertomographie erfolgen. Hierbei entstehen brauchbare Datensätze für die Holzbeschreibung. In der Praxis des Holzklebens sind die Simulationsansätze jedoch noch zu komplex für eine flächendeckende Anwendung.
Klebfugenmorphologie hängt von Porenraumgeometrie ab. In Laubhölzern dominiert die Penetration in das grosse Gefässnetzwerk.

Dr. Andreas Zillessen, Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut, Braunschweig veranschaulichte in seinem Referat das Potenzial von Mikrokapseln aus polymerem Diphenylmethandiisocyanat (pMDI) für kurze Presszeiten und eine optimale Verklebung. Die Herstellung derartiger Kapseln ist jedoch bisher noch nicht wirtschaftlich darstellbar. Ein Vorteil der Verkapselung ist auch eine guten Kontrolle der Eindringtiefe des Klebstoffes und somit die Möglichkeit, dünne Klebfugen herzustellen.

Klebtechnologien bei Holzwerkstoffen

Prof. Dr. Peter Niemz, Leiter der Gruppe Holzphysik, Institut für Baustoffe (IfB), ETH Zürich, Schweiz moderierte den thematischen Teil ‚Klebtechnologien bei Holzwerkstoffen‘.

Dr. Dirk Grunwald, Swedspan International - Ikea Industry, Bratislava, Slowakei wies in seinem Vortrag auf die immer noch hohe Relevanz der Formaldehydklebstoffchemie hin, die seit mehr als 80 Jahren eingesetzt und erforscht wird. Auch für die Zukunft wird erwartet, dass dies eine wichtige Klasse von Klebstoffen bleibt. Durch eine genaue Kenntnis der Einsatzbedingungen von leichten Möbelplatten beim Kunden, können maßgeschneiderte Lösungen, wie beispielsweise das Boboard, hergestellt und verwendet werden.
Dr. Dirk Grunwald misst auch der Funktionalisierung von Klebstoffen eine hohe Bedeutung bei, insbesondere bei der Reduktion von Emissionen, wo Ikea seit Jahren eine Vorreiterrolle einnimmt. In der ‚Klebstoffchemie von Morgen‘ verfügen erfolgreiche Klebstoffe über eingebaute Formaldehyd-/VOC-Fänger und eine Hydrophobierung. Zukünftige Klebstoffe sollen chemische Substanzen und hohe Feuchtigkeit gut tolerieren und sich auch bei niedrigem Pressdruck- und -temperaturen gut verarbeiten lassen. Auch Hybridklebstoffe mit natürlichen Bestandteilen werden immer wichtiger. Bei den Entwicklungsherausforderungen der Zukunft sind die Hersteller somit in großem Maße auf die chemische Industrie angewiesen.

Alexander Neuerer, Technical & Market Development Specialist, Huntsman, Everberg, Belgien zeigte in seinem Beitrag über ‚I-Bond Klebstoffe in Holzfaserdämmplatten‘ auf, dass Dihenylmethandiisocyanat (MDI) - basierte Klebstoffe eine weite Verbreitung haben. Alleine das Huntsman-Werk in Rotterdam hat eine jährliche Kapazität von ca. 400 Kilotonnen. MDI und pMDI bilden mit Polyharnstoff eine homogene Zwischenschicht bei der Holzverklebung, im Gegensatz zu sonst üblichen Kondensationsklebstoffen. Der Einsatz energiesparender Trocknungsprozesse erfordert eine gezielte Klebstoffentwicklung, führt aber auch zu bis zu 40% Energieeinsparung. Die resultierenden Werkstoffe bestehen dabei zu 94-96% nur aus Holz.

Dr. Ulrich Müller, Kompetenzzentrum Holz GmbH - Wood K plus / Universität für Bodenkultur Wien, Österreich verglich in seinem Referat die Aussagekraft von Querzugprüfung und Bruchenergieprüfung zur Beurteilung der Verklebungsfestigkeit von MDF. Die Additivierung von Klebstoffen ist ein zukunftsweisendes Forschungsthema. Für die Bewertung der Klebstoffe kann eine Korrelation von Nanoindentation und den makroskopischen Eigenschaften hilfreich sein. Als Prüfverfahren eignet sich die Querzugprüfung für bestimmte Klebstoffeigenschaften, beispielsweise für Fehlverklebungen oder Spaltbildungen. Für die Prüfung der Verklebung wurde eine spezielle Messmethode entwickelt, der so genannte DCIB-Test (Double cantilever I-beam-Test). Dabei ist die Probenauswahl wesentlich für die Signifikanz der Ergebnisse, da die systembedingt hohe Varianz ansonsten nur begrenzt definitive Aussagen ermöglicht.

Andreas Weber, Institut für Holztechnologie Dresden gGmbH erläuterte in seinem Beitrag die Effekte der Mischverleimung von PMDI (Polymeres Diphenylmethan-diisocyanat) und Aminoplasten (UF-Harzen) bei der Herstellung von Span- und Faserwerkstoffen. Diese Klebstoffsysteme erzielen höhere Beständigkeiten, beispielsweise beim Kochtest, als Standardlösungen, im einzelnen eine verbesserte Feuchtebeständigkeit, Kochquerzugfestigkeit und insbesondere - vor dem Hintergrund der Emissionsfrage - einen reduzierten Formaldehydgehalt von OSB und MDF. Des Weiteren ist die Mischverleimung kostengünstiger als eine reine PMDI-Verklebung.

Dr. Oliver Sommer, Henkel AG & Co. KGaA, Düsseldorf verdeutlichte in seinem Vortrag die vielfältigen Herausforderungen hinsichtlich toxikologischer oder ressourcentechnischer Fragestellungen, die für herkömmliche D3-Holzklebstoffe bestehen. Im Rahmen seines Programms „Faktor 32030" hat Henkel nach Lösungen für diese Probleme gesucht und mit der PR-Technologie eine optimale Basis gefunden. Dabei werden Füllstoffe zum Prozess der Emulsionspolymerisation zugegeben. Diese werden dabei vom entstehenden Polyvinylacetat eingehüllt und somit werden Wechselwirkungen mit Initiatoren, Monomeren oder Reaktionszwischenstufen verhindert. Die resultierenden D3-Klebstoffe übertreffen die herkömmlichen Produkte in den Klebeigenschaften (z.B. sehr wasserfest, Verbesserung der Wärmefestigkeit), aber lassen sich auf bestehenden Anlagen verarbeiten. Zudem konnte der Verbrauch an erdölbasierten Stoffen durch den Ersatz mit natürlichen anorganischen Mineralstoffen um bis zu 30% verringert werden.

Akadem. Dir. i. R. Borimir Radovic, Knittlingen bot spannende Einblicke in die Verklebung von Massivholz und Holzwerkstoffen mit Mischklebstoffen, den sog. EPI-Systemen. Die Entwicklung von EPI-Klebstoffen basiert auf mehr als 50 Jahren Erfahrung. Die damals gängigen Resorcin-Systeme können als Ausgangspunkt für die Emulsionspolymer-Isocyanat (EPI)-Klebstoffe gesehen werden. Eine Kaltverklebung ist möglich, dadurch wird eine Materialschonung erreicht. Des Weiteren sind EPI-Klebstoffe für die Verleimung von modifiziertem Holz wie z.B. Thermoholz möglich. Heute existieren Bauzulassungen, beispielsweise für das Prefere-Produkt von Dynea. Die Einsatzmöglichkeiten dieser temperatur- und feuchtebeständigen Klebstoffe sind vielfältig und reichen von der Holzwerkstoffherstellung bis zum konstruktiven Holzbau.

Dr.-Ing. Max Britzke, Institut für Holz- und Papiertechnik, Fakultät Maschinenwesen, Technisch Universität Dresden wies in seinem Vortrag auf das hohe Gewicht von Spanplatten hin, wodurch bereits die Hälfte des Volumens eines gängigen LKWs die Gewichtsobergrenze erreicht. Der Wunsch nach leichten Holzwerkstoffen ist daher groß. Potenzial für eine Gewichtreduzierung bieten beispielsweise 1,5mm dünne MDF, wie sie im Swedspan-Werk in Orla gefertigt werden. Bei der Verwendung derartiger, leichter Deckschichten für Sandwichelemente, lassen sich große Geschichtseinsparungen erwarten. Da jedoch für Werkstoffkombinationen noch keine Prüfnormen zur Verfügung stehen, müssen hier noch Maßstäbe im Rahmen von Normungsausschüssen erarbeitet werden. Weitere Herausforderungen bestehen beispielsweise in der Auftragstechnik für Klebstoffe, die zu einem minimalen Klebstoffanteil führen sollen. Hier wird beispielsweise an zweistufigen Verfahren zum Auftrag auf den Kernwerkstoff gearbeitet.

Für Prof. Dr. Holger Militz, Abt. Holzbiologie und Holzprodukte, Georg-August-
Universität Göttingen ist die Holzmodifizierung schon seit vielen Jahren gängige Praxis. Bereits vor mehr als 10 Jahren wurden beispielsweise erste Versuche zum Einsatz von modifiziertem Holz im Fensterbau an der Hochschule Rosenheim durchgeführt. Ein aktuelles Beispiel für den Einsatz von modifiziertem Holz ist die Seebrücke an der A7 bei Sneek in den Niederlanden. Hier kam Holz zum Einsatz, das nach dem Accoya-Verfahren acetyliert wurde. Derartige Modifizierungen ändern alle Aspekte einer Verleimung, da die chemische Struktur der Oberflächen verändert wird und eventuell sogar Zusatzschichten aufgebracht werden. Es ist daher notwendig, die Verleimungsbedingungen entsprechend anzupassen. Insbesondere sind die Aspekte der Eindringtiefe des Klebstoffes zu klären. Aktuell laufen zahlreiche Forschungsvorhaben zur Untersuchung der Verleimung unterschiedlich modifizierter Hölzer.

Kleben von Holz mit anderen Werkstoffen

Prof. Heinrich Köster, Präsident, Hochschule Rosenheim führte durch die Thematik "Kleben von Holz mit anderen Werkstoffen".

Leitender Akadem. Dir. Dr. Simon Aicher, Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart (MPA Stuttgart, Otto-Graf-Institut (FMPA)) bot in seinem Referat Einblicke in Verklebungen und Verguss von Holz und Stahl sowie in die Ertüchtigung gerissener Brettschichtholzträger mittels 2-K-Epoxy-Klebstoffen. Als zukunftsweisendes Beispiel hob Dr. Simon Aicher in diesem Zusammenhang den ‚Metropol Parasol‘ in Sevilla an, bei dem unter Verwendung von Epoxidharz in großem Maßstab in Holz eingeklebte Gewindestäbe eingesetzt wurden.
Die Klebstoffviskosität spielt eine massgebliche Rolle für die das Eindringverhalten und die Klebfugendicken. Als wesentliche zusätzliche Prüfungsparameter für zweikomponentige Epoxidharze nannte er deren Festkörper-Eigenschaften bei Zug, Druck und Schub, weiterhin das thermisch-mechanische Verhalten (speziell des Glas-Übergangsbereiches) sowie das Dauerstandverhalten an Prüfkörpern in Realbauteilabmessungen. Im Vergleich zu allen anderen bestehenden Klebstofffamilien zeigen 2-K-Epoxy-Klebstoffe ein geringes Schrumpfverhalten und verfügen daher über eine hohe Volumenstabilität. Dadurch eröffnen sich dem Holzbau neue Anwendungsbereiche mit hoher statischer und witterungsbedingter Belastung.

Prof. Dr.-Ing. Werner Seim, Leiter Fachgebiet Bauwerkserhaltung und Holzbau, Universität Kassel gab in seinem Beitrag einen Überblick über den Status quo sowie neue Entwicklungen bei hybriden Tragwerken aus Holz und Beton. Geringe Eigenlasten der Hybride begünstigen Vorfertigung und Transport. Es muss kein Betonieren vor Ort mehr erfolgen. Weitere Vorteile sind eine hohe Bauteilsteifigkeit und optimierter Schuzt des Holzes bei Außenanwendung. Für die Zulassung von Bauwerkstoffen und -verfahren im Einzelfall sind Analogien oftmals hilfreich. Daher spielen die aktuellen Anstrengungen zum Einsatz von geklebten Carbonfaserstrukturen auch eine Rolle für den Einsatz von Holzwerkstoffen.

Nach Klaus Peter Schober, Abteilungsleiter Bautechnik, Holzforschung Austria, Wien, Österreich bringt der klebtechnische Verbund von Glas beim Fensterbau Vorteile für den Einsatz mit sich. So weisen beispielsweise Fenster, bei denen das Glas in den Fensterflügel eingeklebt wird, eine deutlich höhere Steifigkeit auf, als bei herkömmlichen Verbindungen. Die zu Grunde liegende Idee ist, dass diese Strukturen zur Lastübertragung bei Bauwerken dienen. Die hierfür notwendigen Fugendicken sind jedoch im Bereich größer 2 Millimeter anzusetzen. Als Klebstoffbasis werden Silikone bevorzugt, da sie entsprechende Klimastabilität aufweisen. Für zukünftige Anwendungen wünscht man sich von den Klebstoffherstellern, semielastische Klebstoffe mit der Robustheit von Silikonen.

Einer vielseitigen Verbindung von Holz mit anderen Werkstoffen widmete sich Prof. Dr. Ing. Gerhard Plasonig, Co-Gründer der WoodWelding SA, Stansstad, Schweiz. Beim sogenannten "WoodWelding" bzw. "Holzlöten" wird ein thermoplastisches Verbindungselement in ein poröses Material eingepresst und mechanisch verankert. Ebenso eignet sich das Verfahren zur Einbringung von Funktionselementen und zeichnet sich durch kurze Zykluszeiten aus. Industriell eingesetzt Anlagen kommen auf Durchlaufzeiten von ca. 30 Sekunden. Die zugrundeliegende Ultraschalltechnik macht einen Technologietransfer über Branchengrenzen hinweg möglich. So ist das für die Holzverbindung entwickelte Verfahren bereits erfolgreich in die Medizintechnik transferiert worden und ermöglicht hier die schonende und biokompatible Fixierung von Knochen. Die in der Medizintechnik dafür notwendige, präzise Lokalisierung wiederum hat das Potenzial zu einem Transfer zurück in die Holzbranche, beispielsweise um ‚unsichtbare‘ Dübel in Möbel oder Verbindungselemente in Leichtbau-Papierwabenplatten zu integrieren. Aktuell ist ein Hand-Ultraschallgerät in Arbeit, das der Technologie auch zum Durchbruch in Handwerksbetrieben verhelfen soll.

In seinem Schlusswort lobte Prof. Dr. Rainer Marutzky, Internationaler Verein für Technische Holzfragen (iVTH), Braunschweig die hervorragende Zusammenarbeit mit Bayern Innovativ. Er hob die Konzentration der qualitativ hochwertigen Vorträge auf dieser Plattform hervor und verwies auf die gelungene Zusammenführung der Teilnehmerschaft aus Bayern mit dem bundesdeutschen Raum und dem deutschsprachigen Ausland. Prof. Dr. Rainer Marutzky stellte eine Wiederholung des Forums im Juni 2014 in Aussicht.

Das Forum beeindruckte neben dem Ambiente des Veranstaltungsortes insbesondere durch die fachlich hochstehenden Vorträge und eine rege Beteiligung des Auditoriums an Diskussionen.

 

Fachlicher Ansprechpartner 
Regina Merz
Tel. +49 911-20671-146
Fax +49 911-20671-733

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