Internationaler Kongress

Forum Life Science 2015

Bericht Food & Nutrition

Perspektiven der Nahrungsmittelversorgung

Welchen Herausforderungen die Lebensmittelproduktion in Thailand gegenübersteht, berichtete Dr. Rutjawate Taharnklaew, Assistant Vice President, R&D Center, Betagro Group. Thailand ist eines der weltweit führenden Länder in Produktion und Export von verarbeiteten Lebensmitteln. Von Verbrauchern weltweit werden in Thailand verarbeitete Nahrungsmittel und landwirtschaftliche Erzeugnisse geschätzt – trotz allem beträgt der Export-Wert von Erzeugnissen im Lebensmittelbereich lediglich 17 Prozent des gesamten Exportvolumens und nur knapp 10 Prozent des BIP. Ein Wettbewerbsnachteil gegenüber den Konkurrenzländern Vietnam, Laos oder China liegt in den höheren thailändischen Arbeitskosten begründet. Durch das prognostizierte stetige Bevölkerungswachstum von 75 Millionen Menschen pro Jahr ergeben sich für Thailand neue Chancen – für den weltweiten Export und insbesondere für den Export in die ASEAN Märkte. Bei einem Anstieg der Welt-Bevölkerung bis zum Jahr 2050 auf etwa 9 Milliarden Menschen wird es zu einem deutlich gesteigerten Bedarf an Lebensmitteln kommen. Thailand muss diese Entwicklung nutzen, um seine Marktposition zu stärken. Nicht vernachlässigt werden darf von thailändischen Produzenten dabei der Konsumentenwunsch nach innovativen, nachhaltigen und gesunden Produkten. „Um den Wettbewerbsvorteil Thailands in der Nahrungsmittelproduktion auszubauen, ist es wichtig, Studien zum Markt an sich, zum Konsumentenverhalten und zu globalen Trends im Lebensmittelbereich durchzuführen“, so Taharnklaew. Die Anwendung des sog. Triple-Helix-Modells – die Interaktion von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik – soll dabei der Schlüssel zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit werden. Die einzelnen Akteure sind in diesem Modell eng miteinander verflochten, die Grenzen zwischen den jeweiligen Aufgabenbereichen sehr durchlässig. Es soll Produzenten beim Start von Recherchetätigkeiten helfen und durch F&E-Prozesse zu einer effektiveren Produktvermarktung führen.   

Wie sieht die künftige Produktion von Nahrungsmitteln in urbanen Ballungsgebieten aus? Dieser Frage geht derzeit das Institut für Raumfahrtsysteme am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen nach. Conrad Zeidler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DLR, berichtete über die Forschungsergebnisse zu unserer künftigen Lebensmittelversorgung. Den Forschungen zum Thema Vertical Farming vorausgegangen sind die Planungen der DLR, im Weltraum Gewächshäuser aufzustellen und dort Gemüse anzubauen. Ziel dieses Vorhabens ist es, das psychologische Wohlbefinden der Astronauten zu verbessern. Im Zuge der Forschungen für die Entwicklungen auf dem Mond erfolgte auch eine Studie zum Thema Vertical Farming am „EDEN“-Testlabor (Evolution and Design of Environmentally-closed Nutrition-Sources).
Die vertikale Art der Landwirtschaft ist nicht nur für sogenannte Megacities mit stark limitierter Fläche interessant, sondern auch für wenig besiedelte Gebiete, in denen keine traditionelle Landwirtschaft möglich ist – wie beispielsweise in der Antarktis. Im Vergleich zum herkömmlichen Anbau wird beim Vertical Farming schneller und ertragreicher produziert. Anbau und Ernte sind über das ganze Jahr hinweg möglich, Ernteausfälle durch Unwetter treten nicht auf.
Das im Testlabor konzipierte Gebäude ist 170 m hoch, hat auf einer Fläche von 44 x 44 Meter 37 Stockwerke und verfügt ausschließlich über künstliches Licht. Auf den Stockwerken verteilen sich neben dem Obst- bzw. Gemüseanbau und der Fischkultivierung u. a. Elektronik, Umweltkontrollebenen, Abfallmanagement und ein Supermarkt. Eine große Herausforderung stellt derzeit jedoch noch der hohe Energiebedarf dar. Pro Tag würde die Farm über 400.000 Kilowattstunden verbrauchen. Ursachen hierfür sind einerseits die Wiederaufbereitung des gesamten verbrauchten Wassers, andererseits die künstliche Beleuchtung mit LED-Licht. Aus diesen Gründen wäre der Preis pro produziertem Kilogramm Lebensmittel sehr hoch – ausgeglichen werden die hohen Erzeugungskosten jedoch durch den geringen Platzbedarf. Für die Gesamt-Anbaufläche einer vertikalen Farm von 9,27 Hektar wird in traditioneller horizontaler Anbauweise eine Fläche von 216 Hektar benötigt.

Fachlicher Ansprechpartner
Dr. Tobias Schwarzmüller
Tel. +49 911-20671-178
Fax +49 911-20671-733

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