14. Kooperationsforum

Fahrerassistenzsysteme

Automatisiertes Fahren als Herausforderung für die Automobilbranche
18. Mai 2017, Stadthalle Aschaffenburg

 

Bericht

Zum 14. Mal fand dieses Jahr das Kooperationsforum Fahrerassistenzsysteme im Rahmen der SafetyWeek in Aschaffenburg statt. Rund 80 Teilnehmer nutzten am 18. Mai 2017 die Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zum Netzwerken.

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche und damit auch des Fahrzeugs stellt die gesamte Automobilbranche vor große Herausforderungen.
Auf dem Weg zum vernetzten bzw. autonomen Fahren spielen neben der technischen Entwicklung immer leistungsfähigerer Hard- und Software auch rechtliche und politische Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. Diesem breiten – auch nichttechnischen –Bogen wurde bei dem vom Cluster Automotive konzipierten 14. Kooperationsforum Fahrerassistenzsysteme voll Rechnung getragen.

Die Automobilindustrie auf dem Weg zum automatisierten Fahren

Einen Überblick über den Status Quo und die Strategie aus dem Hause BMW stellte Felix Schmidt, Spezialist Entwicklung Produktstrategie HAF/FAS vor. Neben dem Phänomen der neu auftauchenden Player aus der IT-Branche sowie neuen Technologie-Kooperationen wurde auch eine Timeline zum Rollout bis 2025 gezeigt; ab dann soll das Thema kundensicher in Serienprojekte gehen.
Wie der Entwicklungsprozess für die Entwicklung autonomer Fahrzeuge aussehen muss, dazu gab Bodo Seifert von Magna Electronics einen Eindruck: bei 20 Millionen Zeilen Software-Code im Automobil – selbst in einem Düsenjäger ist das um den Faktor 10 kleiner – ist ein strikter Prozess zwingend erforderlich. CMMI, Automotive SPICE oder HIS sind gängige Industrie-Standards, die dazu mit umgesetzt werden.

Software – Algorithmen – neuronale Netze – künstliche Intelligenz – Deep Learning

Um Objekterkennung und Echtzeitbildverarbeitung ging es im Beitrag von Dr. Joachim Köhler vom Fraunhofer IAIS. Am Beispiel der Verkehrszeichenerkennung über die Form (rund, dreieckig) bis hin zu komplexen Informationen auf den Schildern erfolgt die Erkennung und Kassifizierung über neuronale Netzwerke. Im BMBF-Projekt „AutoConstruct“ sollen Algorithmen zur Erkennung komplexer Verkehrszeichen, Bakendetektion sowie Texterkennung – auch über Deep Learning – angegangen werden. In das Thema Deep Learning stieg auch Dr. Patrick Ott von CMore Automotive detaillierter ein. An den Use-cases Automated Labeling (Erkennung, ob ein Objekt ein Auto, Motorrad, Person, etc. ist), Autonomous Driving und Automated Sensor Testing wurde gezeigt, dass die Genauigkeit von Deep Learning bzgl. Daten und Rechenkomplexität gegenüber konventionellen Ansätzen deutlich überlegen ist.

Forschung

Neben dem Thema des hochautomatisierten Fahrens ist auch die Mobilität generell ein Trendthema. Dr. Mara Cole vom Zentrum Digitalisierung.Bayern stellte hierzu die Themenplattform „vernetzte Mobilität“ vor. Das bayerische Wirtschaftsministerium geht hierbei das Thema Digitalisierung auf verschiednen Ebenen an: über die Digitalisierung des Fahrzeugs sowie über neue Mobilitätslösungen auf Basis digitaler Technologien.

Über verschiedene Konzepte wie Innovationslabore, Entrepreneurship an Hochschulen und Gründerzentren sowie Nachwuchsforschungsgruppen wurden die zentralen Aufgaben der Themenplattform vorgestellt: Informationsaustausch und Wissenstransfer, Entwicklung von Projektideen sowie die Initiierung und Begleitung von Forschungsprojekten.

Ein Forschungsprojekt aus der Praxis wurde von Rafael Fietzek, TU Darmstadt, vorgestellt: das wissensbasierte Fahrzeug 5.0. Ziel ist die Generierung einer Wissensbasis zur Selbst-Optimierung von Fahrzeug-Attributen auf Fahrzeug und Flotten-Ebene.

Eine „Rundum-Ausleuchtung“ über IT als Enabler für ADAS und HAD (high automated driving) bekam man von Prof. Dr. Stefan-Alexander Schneider von der HS Kempten. Neben Unfallvermeidung und technologischen Weiterentwicklungen tritt beim Thema auch die soziale Akzeptanz auf den Plan. Technologisch wurde die Entwicklung der Sensorik bzw. der Sensorfusion entsprechend den „Automatisierungs-Levels“ gezeigt, ebenso entsprechende E/E-Architekturen. Der Masterstudiengang Fahrerassistenzsysteme an der HS Kempten schafft hierfür glänzende Voraussetzungen für die zukünftige Arbeit an diesem Thema.

Always on und die E/E-Fahrzeugarchitektur am Bussystem – das ist das Einfallstor im Fahrzeug, für das die Cyber Security zunehmend wichtig wird. Eine Gegenüberstellung von Safety und Security ist hier im Analogieschluß evident: Eine Klassifizierung der Bedrohung bzgl. Angriffspotenzial und Schweregrad sowie die Ziele sind in beiden Betrachtungen ähnlich. Dr. Arnulf Braatz von Vector Consulting Services erläuterte, wie Integrated Safety and Security Engineering ein integraler Bestandteil des Design-Prozesses im V-Modell sein muss.

Einen interessanten Blick auf rechtliche Rahmenbedingungen des automatisierten und autonomen Fahrens bot Dr. Tobias Ackermann von der Hogan Lovells International LLP. Am Beispiel des Trolley Dilemma erläuterte er die ethischen Aspekte von Handlungskonfliken in seinen Varianten: kann man ein Leben in die Waagschale werfen, um 5 andere zu retten? Das Dilemma wird klar durch ein unterschiedliches Setup der Ausgangslage des Experimentes.
Einen juristischen Einblick bekam man in die aktuell in der Entwurfphase befindliche Änderung des Deutschen Straßenverkehrsgesetzes: Diese wird hoch- und vollautomatisiertes Fahren mit gewissen Einschränkungen explizit zulassen. Autonomes Fahren wird im ersten Schritt nicht betrachtet.

Den Abschluss des Tages bot ein Querschnittsthema aus der Intralogistik: Fahrerlos in der Industrie 4.0. Uwe Schildheuer, CEO der Torwegge GmbH & Co.KG zeigte der Automotive Community, wie eine smarte Automatisierung im Internet der Dinge funktionieren kann. Das mit dem Industriepreis 2017 prämierte Fahrerlose Transport System „TORsten“ ist auf Maschine-Maschine-Interaktion ausgelegt und funktioniert als kollaborierendes System.

Die diesjährigen Beiträge zeigen, dass sowohl Hersteller als auch Zulieferer auf einem guten Weg hin zum automatisierten Fahren sind und sich den Herausforderungen sowie den „neuen Playern im Markt“ stellen.

Fachlicher Ansprechpartner 
Dr. Andreas Böhm
Tel. +49 911-20671-214
Fax +49 911-20671-733

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