Kooperationsforum

Fahrerassistenzsysteme

Interaktion zwischen Mensch, Fahrzeug und Umwelt
22. Mai 2014, Stadthalle Aschaffenburg

 

Bericht

Das Thema hochautomatisiertes Fahren ist immer noch hochaktuell, aber ebenso die Facetten des vernetzten Automobils mit dem Auto als Teil der Lebenswelt über das Internet einerseits und als Teil der Energie-Infrastruktur über E-Mobilität andererseits.

Was sind nun die nächsten Schritte und wie wird der Aspekt Vernetzung des Menschen und des Fahrzeugs mit seiner Umwelt – in Zukunft zusammengedacht? Und wie kommuniziert das total vernetzte Fahrzeug mit dem Fahrer, insbesondere wenn es autonom fährt?

Diese Fragestellungen bildeten den Ausgangspunkt des diesjährigen 11. Kooperationsforum Fahrerassistenzsysteme am 22. Mai 2014 mit rund 140 Teilnehmern aus insgesamt 9 Ländern.

Die Beleuchtung des Themas erfolgte von unterschiedlichen Blickwinkeln aus:

Konzepte und aktuelle Entwicklungsthemen

Zum Auftakt des diesjährigen Forums stellte Frank M. Rinderknecht, CEO der Rinnspeed AG, eindrucksvoll seine Vision der automobilen Zukunft vor: XChangE. Hier wurde auch klar, dass autonomes Fahren nur Sinn macht, wenn der „Fahrer“ dann tatsächlich etwas anderes macht. Nur die Hände vom Steuer zu nehmen und dann auf das Lenkrad zu starren, mache keinen Sinn, so Rinderknecht …. Eine der nächsten Herausforderungen wird hierbei die Integration von Aspekten der künstlichen Intelligenz als Resultat aus Lernprozessen sein. Das Automobil kann damit durchaus als Enabler einer neuen industriellen Stufe gesehen werden.

Heutige Konzepte und Entwicklungsthemen bildeten den Einstieg ins Thema seitens der System-Zulieferer Continental Automotive und Visteon: Im Fokus standen hierbei sowohl serienreife Interaktionskonzepte als auch die kooperative Zusammenarbeit von Mensch und Fahrzeug. Nach dem automatisierten Fahren kommt das intuitive Fahren: Ibeo Automotive zeigte nach einer Einführung in die Referenz zwischen Mensch-Model und Maschinen-Modell die HMI-Möglichkeiten auf. Die Kernaussage von Ibeo heisst: um ein vorhandenes Sensor-System zu testen, braucht man ein noch besseres Referenz-System, das diese Evaluierung vornimmt. Hier wurde ein Beitrag im Rahmen des EU-Projektes HoliDes vorgestellt.

Forschung: Psychologie und Technologie

Neben der Industrie arbeiten Universitäten, Hochschulen und Institute weltweit an bis vor kurzem noch nicht existenten Fragestellungen – Wie kann die Robustheit und Zuverlässigkeit autonomer Systeme technisch realisiert werden? Welche Rolle spielt der Mensch im Fahrzeug der Zukunft?  Einen Einblick in derzeitige Forschungsaktivitäten gaben unter anderem der Lehrstuhl für Ergonomie der Technischen Universität München, das Würzburger Institut für Verkehrswissenschaften sowie das Department Electrical and Computer Engineering der Universitè de Sherbrooke in Québec. Neben der Bewertung von Situation, Fahrer und Funktion, die auch im Verbundprojekt UR:BAN bearbeitet werden, kristallisiert sich die kooperative Assistenz als möglicher Lösungsansatz heraus: Wie hält man den Fahrer bei hohem Automatisierungsgrad im Loop? Und wie bekommt man den Fahrer, nachdem er „die Fahrtätigkeit abgegeben hat“ wieder in das Verkehrsgeschehen zurück, vor allem: in welcher Zeit?

Zusammenfassend kann hier gesagt werden: neben bereits vorhandenen Fahrzeug- und Umweltmodellen wird nun am Fahrer-Modell gearbeitet – damit wären die nötigen „Bausteine“ zum hochautomatisierten Fahren komplett.

Quervernetzung

Ziel des letzten Vortragblocks – Quervernetzung – war es, Impulse aus branchenfremden Industrien zu geben. Das Ford Forschungszentrum zeigte, wie Synergien zwischen dem Automobil und dem Gesundheitswesen bereits heute funktionieren können: EKG-Autositz, permanente Glukose-Messung und Pollen-Allergie-Alert sind nur einige Beispiele.

Das Synergie- und Transferpotenzial zwischen Aerospace und Automotive wurde von der ESG Elektroniksysteme- und Logistik-GmbH vorgestellt. Eine Gegenüberstellung zeigt, dass trotz markanter Unterschiede in den Branchen (Stückzahl, Preis, Entwicklungszyklen, …) vorhandene Potentiale zum heutigen Zeitpunkt noch nicht ausgeschöpft sind. Der Austausch von Expertenwissen beider Industrien ist an dieser Stelle der Schlüssel zu neuen Innovationen.

Einen ganz neuen Ansatz beleuchtete der diesjährige Abschlussvortrag. Was kann die Automobilindustrie von der Computerspiele-Industrie lernen? Neben vorgestellten Spielen, bei denen „Lernen durch Interaktion“ präferiert wird, wurde auch klar, worin zumindest ein Quervernetzungs-Aspekt bestehen kann: Spiele spielen ist „Interaktion, die Spaß macht“: Im Kontext von „wie hole ich den Fahrer wieder in den Loop zurück“ könnte dies durchaus ein Ansatz sein. Sicherlich gravierender werden die Einflüsse von Gamification-Konzepten sein, die statt bisherigen „Befehlen“ (50 fahren!) eine Herausforderung machen (Scores, wenn so gebremst wird, dass der Tacho am Ortsanfang nur 50 zeigt). Beliebige Kontexte sind hier denkbar.

Die Beiträge verdeutlichten, dass im Kontext des hochautomatisierten Fahrens der Mensch neben der Technologie in den Forschungsfokus gerückt ist. Das autonom fahrende Fahrzeug ist technisch realisierbar, jedoch muss auch der Mensch damit interagieren können.

Somit können wir bereits heute mit Spannung auf das Kooperationsforum „Fahrerassistenzsysteme 2015“ blicken, das kommendes Jahr wieder in Aschaffenburg im Rahmen der SafetyWeek stattfinden wird.

Das jährliche Forum wurde von der Bayern Innovativ GmbH als Projektträger von BAIKA für Automotive und BAIKEM für Elektronik und Mikrotechnologie sowie des Clusters Automotive konzipiert und ausgerichtet.

Diese Veranstaltungen könnten für Sie von Interesse sein:
27.11.2017, Mindelheim
Alltagstaugliche Elektromobilität in Kommunen
Informationsveranstaltung Kommunale Elektromobilität
29.11.2017, Bayern Innovativ GmbH, Nürnberg
renew
Workshop
29./30.11.2017,
E-Mobility für eine wirtschaftliche und nachhaltige Entwicklung
Seminar und Kooperationsbörse
04.12.2017, IHK Akademie Mittelfranken
Förderung durch das Marktanreizprogramm des Bundes (MAP) - Wärme, Kälte, Energieeffizienz
Kostenfreie Informationsveranstaltung
12.12.2017, Hochschule Landshut
Leichtbau - Das Beste aus zwei Welten
Cluster-Forum