Heizung aus dem Rechenzentrum

Ab diesem Herbst gibt es auch in Frankfurt im ehemaligen Gebäude der Europäischen Zentralbank ein hocheffizientes Rechenzentrum, dessen Abwärme zu Heizzwecken genutzt werden kann.
nach Quelle: E&M PowerNews, 29. August 2017
Die Nachfrage nach Computer- und Speicherkapazität über das Internet, das sogenannte Cloud Computing, steigt nach wie vor. In der Finanzmetropole Frankfurt laufen in mehreren Dutzend Rechenzentren besonders viele Daten zusammen. Jedes von ihnen verbraucht laut dem Energieversorger Mainova durchschnittlich so viel Strom wie eine Kleinstadt mit 30 000 Einwohnern. Im Zuge seiner Energiewendebemühungen hat das Energiereferat der Stadt jetzt auch das Effizienzpotenzial im Auge, das sich bei Rechenzentren erschließen lässt.
Viel Energie geht durch die Kühlung der Server verloren. Das 2011 in Dresden gegründete Unternehmen Cloud & Heat nutzt deswegen 90 Prozent der Serverabwärme und heizt mit dieser Gebäude. Es hat dazu eigene Serverschränke entwickelt, aus denen die Wärme mit einer Wasser-Direktkühlung ausgekoppelt werden kann. Seit 2012 betreibt das Unternehmen eigenen Rechenzentren in Dresden, Hamm und Münster.
Das Zentrum in Dresden gilt mit einem PUE-Wert (Power-Usage-Effectivness-Faktor) von 1,014 als das bisher energieeffizienteste der Welt. Der PUE-Wert ist das Verhältnis zwischen der insgesamt aufgenommenen elektrischen Energie eines Rechenzentrums und der elektrischen Energie, die die IT-Hardware für ihre Arbeit benötigt. Je näher der Wert an eins liegt, desto weniger Energie geht für andere Zwecke als die Rechenleistung verloren.
 
Energie wird beim Heizen und beim Kühlen gespart
 
Ein Rechenzentrum mit diesem Effizienzwert entsteht derzeit auch im ehemaligen EZB-Gebäude in Frankfurt. Auf zwei Etagen installiert man dort 84 Serverschränke, die mit Computer- und Speichereinheiten bestückt sind. Im Endausbau sollen sie auf jeder Etage bis zu 300 kW Abwärme zur Verfügung stellen. Diese wird zum Beheizen der Büros und Konferenzräume und für die Gastronomie im Gebäude genutzt. Durch das Einspeisen der Abwärme in die Heizung soll der Gebäudebetreiber laut Cloud & Heat pro Jahr rund 40 000 Euro Heizkosten einsparen. Außerdem entfallen durch das System zu Abwärmenutzung jährlich rund etwa 30 000 Euro an Kühlkosten für die Rechner. Der Einbau weiterer Server im Untergeschoss ist geplant.
Genutzt wird die Rechnerkapazität der Computer von den Mietern in dem Gebäude. Auch externe Unternehmen können Rechen- und Speicherleistung anmieten. Der Vorteil für die Nutzer: Sie müssen sich nicht um Installation und Wartung von Soft- und Hardware kümmern und können ihre Rechnerkapazitäten ohne zusätzliche Investitionen immer dem aktuellen Bedarf anpassen.
Das neue Rechenzentrum mit Abwärmenutzung passt auch in die Pläne der Stadt Frankfurt, verstärkt Energiesparpotenziale zu erschließen. Rund 50 % der in der Stadt verbrauchten Endenergie werden für die Wärmebereitstellung benötigt, etwa 30 % gehen in den Sektor Strom. Die restlichen 20 % verbraucht der Verkehr. Seit Anfang 2013 arbeitet Frankfurt am „Masterplan 100 % Klimaschutz“. Ziel ist es, bis zum Jahr 2050 die Hälfte des heutigen Energieverbrauchs in der Stadt einzusparen.
Den verbleibenden Anteil will man vollständig aus regenerativen Energien decken. Insgesamt plant die Metropole, damit ihre CO2-Emissionen bis 2050 um rund 95 % zu reduzieren.
 
Autor: Armin Müller