Klimaschutz-Aktionsprogramm bringt positive wirtschaftliche Impulse

Die Aktionsprogramme für Klimaschutz und Energieeffizienz bringen Hunderttausende Arbeitsplätze, Milliarden-Einsparungen an Energiekosten und wirtschaftliches Wachstum.
nach Quelle: E&M PowerNews, 23. November 2016

„Klimaschutz ist teuer“, sagen die Einen. „Klimaschutz fördert Innovation und wirkt wie ein Konjunkturprogramm“, sagen andere. Welche wirtschaftlichen Folgen ergeben sich durch das im Jahr 2014 beschlossene Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 und den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE)? Das Bundesumweltministerium wollte es genau wissen und hatte daher eine Studie bei der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) beauftragt.

Bewertet wurden 79 der insgesamt 107 Einzelmaßnahmen, unter anderem im Bereich Energieeffizienz für Gebäude, KWK oder Energieaudits. Dabei wurden die Be- und Entlastungen über die gesamte Lebensdauer der Maßnahmen sowie makroökonomische Effekte wie auch Verteilungswirkungen betrachtet, dazu die möglichen CO2-Minderungen. Ergebnis: „In der Kosten-Nutzen-Analyse übersteigen die Einsparungen die Kosten bei weitem“, resümiert Studien-Mitautor Borge Hess.

Für die CO2-Minderung wurde ein Potenzial von 56,5 bis 61,2 Mio.t durch die Maßnahmen des Klimaschutz-Aktionsprogramms ermittelt. Die Brutto-Kosten für Investitionen zur Umsetzung der Maßnahmen belaufen sich auf der Basis der Preise von 2015 bis 2020 auf 123 Mrd. Euro. Dazu kommen administrative und Transfer-Kosten von insgesamt 26 Mrd. Euro. Die Einsparung bei den Energiekosten ist jedoch weitaus höher und übersteigt die Investitionskosten um gut 149 Mrd. Euro. Insgesamt werden über den gesamten Lebenszyklus der Maßnahmen, der weit über 2020 hinausreicht, Kosten von rund 274 Mrd. Euro direkt eingespart, bis 2020 sind es 42 Mrd. Euro.

BIP-Wachstum und 430 000 Arbeitsplätze

Die beschlossenen Maßnahmen erbringen insgesamt ein zusätzliches Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Höhe von etwa einem Prozent. Für das Jahr 2020 kann mit knapp 430 000 zusätzlichen Beschäftigten gerechnet werden. „Dass das Aktionsprogramm positive Effekte haben wird, konnte man erwarten“, sagt Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth am 23. November in Berlin bei der Vorstellung der 240 Seiten umfassenden Studie. Beeindruckt zeigt er sich aber vom „beachtlichen Ausmaß der Effekte“. Dies sei eine wichtige politische Botschaft, so Flasbarth, angesichts der „leidvollen Debatten“ über den Klimaschutz, bei denen „es nur Abwehrkämpfe“ gegeben habe und „nur von Belastungen die Rede gewesen“ sei.

Fast alle Marktakteure profitieren direkt von der Umsetzung des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020. So ergibt sich für die Industrie eine Entlastung von über 20 Mrd. Euro, für die Sektoren Gewerbe/Handel/Dienstleistungen sind es 16 Mrd. Euro. Auch der Staat profitiert mit 26 Mrd. Euro direkter Entlastung und dreimal so hohem Barwert von zusätzlichen Entlastungen. Für die privaten Haushalte ermittelte die Studie eine Netto-Entlastung von 25 Mrd. Euro, allerdings werden die Haushalte über Netzentgelte und KWK-Umlage zur Finanzierung der Kosten im Energiesektor herangezogen.

Nur der Energiesektor mit Netto-Belastung

Dieser ist der einzige mit einer Netto-Belastung: Sie beträgt knapp 10 Mrd. Euro. Maßgeblich ist hier nicht nur, dass dieser Sektor weniger von Energieeinsparungen profitiert, sondern „insbesondere durch die Überführung der Braunkohlekraftwerke in die Klimareserve verstärkt teurere Energieträger, wie Gas, bezogen werden“, heißt es dazu.

„ Klimaschutz ist ein zentraler Treiber für Jobs und Wohlstand in unserem Land. Wer hier auf die Bremse tritt, schadet unserer Volkswirtschaft“, kommentiert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks die Ergebnisse.

Autor: Angelika Nikionok-Ehrlich

Link zur Studie:
http://www.bmub.bund.de/themen/klima-energie/klimaschutz/klima-klimaschutz-download/artikel/wirtschaftliche-bewertung-des-aktionsprogramm-klimaschutz-2020/