Initiative für Zellproduktion in Deutschland

Das Kompetenznetzwerks Lithium-Ionen-Batterien will die Wertschöpfungskette der Batterieherstellung in Deutschland schließen. Eine Lücke klafft noch bei den Speicherzellen.
nach Quelle: E&M PowerNews, 20. März 2017
Mitglieder des Kompetenznetzwerks Lithium-Ionen-Batterien (KLIB) haben die „DZP – Deutsche Zell-Produktion“ gegründet. Es ist eine Initiative der Manz AG, M+M GmbH, Thyssenkrupp AG, BMZ Group, Litarion GmbH und Street Scooter GmbH und soll die Funktion einer Keimzelle übernehmen. „Ziel der Keimzelle ist die Installation eines Teams zur Planung einer Großserienfertigung von Zellen in Deutschland. Der Aufbau einer Großserien-Zellfertigung sollte in mehreren Schritten erfolgen. Ziel könnte es sein, 2025 zu den Top fünf Zellfertigern weltweit zu gehören“, erklärte Sven Bauer, Gründer und CEO der BMZ Group in Karlstein am Main, am 16. März 2017 im Rahmen des Battery Experts Forums in Aschaffenburg.
 
Das Kompetenznetzwerk, in dem branchenübergreifend 48 Unternehmen und Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen sind, wird die Initiative unterstützen.
 
Marktbeobachter gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren der Bedarf an Batteriezellen enorm ansteigen wird. Einige prognostizieren sogar eine Verzehnfachung des Bedarfs in den nächsten zehn Jahren. Ein Aufschwung der Elektromobilität, Absatzsteigerungen bei stationären Speichern und wachsende Zahlen von Endgeräten werden zusätzliche Produktionskapazitäten für Batteriezellen erfordern.
 
Um für dieses Szenario gewappnet zu sein und nicht in eine nachteilige Abhängigkeit von asiatischen Herstellern zu geraten, hat die Nationale Plattform Elektromobilität (NEP) in ihrer Roadmap „Zell- und Batterieproduktion in Deutschland“ empfohlen, im Jahr 2021 mit einer Zellproduktion hierzulande zu beginnen und sie bis 2025 auf eine Kapazität von 13 Mio. kWh pro Jahr hochzufahren.
 
Die dafür notwendigen Investitionen beziffert die NEP auf rund 3 Mrd. Euro. In der NEP sind 150 Vertreter aus Industrie, Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und Verbänden vertreten, die die Potenziale des elektrifizierten Fahrens erkunden und insbesondere der Bundesregierung Handlungsempfehlungen geben. Den Markt für Batteriezellen dominieren derzeit einige wenige Hersteller aus Fernost, darunter LG Chem und Samsung, die mittlerweile ihre Produktion auch nach Europa ausdehnen.
 
Bei Bosch denkt man durchaus über eine eigene Zellfertigung nach. Volkmar Denner, der Vorsitzende der Geschäftsführung, hat jedoch schon zu verschiedenen Anlässen durchblicken lassen, dass die entsprechenden Fabriken dann nicht in Deutschland, sondern eher im europäischen Ausland errichtet würden.
 
Die Daimler AG hatte mit ihrer Tochtergesellschaft Li-Tec Battery (Li-Tec) eine eigene Zellproduktion im sächsischen Kamenz aufgebaut, diese aber Ende 2015 wieder eingestellt. „Obwohl die Lithium-Ionen-Zellen der Li-Tec, was die Leistungsfähigkeit und Qualität angeht, absolut wettbewerbsfähig sind, ist eine Zellenproduktion derzeit nicht wirtschaftlich darstellbar: Dazu sind die erreichbaren Volumina bei gleichzeitigen Überkapazitäten am Weltmarkt zu gering“, sagte ein Daimler-Sprecher vor einem Jahr zu E&M.
 
Und Gordon Gaßmann, Chief Technology Officer bei Mercedes-Benz Energy, bekräftigte im Februar dieses Jahres im Gespräch mit E&M, dass eine Zellproduktion in Kamenz derzeit kein Thema sei. „Das soll aber nicht heißen, dass man nicht wieder darüber nachdenken kann, wenn sich die Marktgegebenheiten ändern“, so Gaßmann. „Dann hätten wir sicherlich einen kleinen Startvorteil. Denn die Fähigkeit, Zellen herzustellen, haben wir uns erarbeitet und auch konserviert.“
 
Autor: Fritz Wilhelm