Wichtige Korrekturen notwendig

Die zweite Auktion für die Windkraft an Land hat gezeigt, dass weitreichende Änderungen am Ausschreibungsdesign sowie die Abschaffung des Ausbaudeckels unverzichtbar sind.
nach Quelle: E&M PowerNews, 17. August 2017


Bildunterschrift: Fotolia©f9photos

Keine Ausschreibungsrunde im Windsektor blieb in diesem Jahr ohne große Überraschung. Dass es bei der zweiten Auktionsrunde für die Windkraft an Land wiederum einen Siegeszug für die Projekte der Bürgerenergiegesellschaften geben würde, war in der Windbranche allgemein erwartet worden.
Zu groß ist der Wettbewerbsvorteil dieser Gruppierungen, die noch mit erleichterten Zulassungsvoraussetzungen an den Ausschreibungen teilnehmen können.
Dass aber mit dem sächsischen Projektentwickler UKA Umweltgerechte Kraftanlagen ein einziges Unternehmen knapp 70 Prozent des Ausschreibungsvolumens absahnt, hatte niemand erwartet – auch nicht die Ausschreibungs-Apologeten im Bundeswirtschaftsministerium. Auch lag der durchschnittliche Zuschlagspreis mit 4,28 Ct/kWh unter allen Prognosen im Vorfeld.
Bei diesem niedrigeren Preisniveau wird es spätestens nach der Bundestagswahl am 24. September eine zunehmende Debatte darüber geben müssen, ob der bisherige Ausbaudeckel für die Onshore-Windkraft noch gerechtfertigt ist. Bekanntlich hat das Bundeswirtschaftsministerium dieses Limit mit der Begründung eingeführt, anderenfalls würden die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien explodieren. Dass dieselbe Begründung für die Offshore-Windenergie nach den drei Null-Cent-Geboten im Frühjahr auch nicht mehr trägt, ist es ein anderes Thema.
An Land dürften die Ergebnisse der zweiten Auktionsrunde den Druck auf die Politik, die Bürgerenergieprivilegien gänzlich zu streichen deutlich erhöhen. Für die ersten beiden Ausschreibungen im kommenden Jahr hat der Bundestag den Bürgerenergie-Bonus für die Teilnahme schon gestrichen.
Das wird nicht reichen. Ansonsten bleiben bekannte Projektentwickler, aber auch Energieunternehmen und Stadtwerke beim Ausbau der Windkraft auf der Strecke. Damit droht ein Know-how-Verlust, aber auch vielerorts der notwendige Umbau des Erzeugungsportfolios auf kommunaler Ebene.
Durch die ersten drei Ausschreibungen (bei der dritten Runde im November werden die Bürgerenergiegesellschaften das nächste Mal dominieren) geht den Windturbinenherstellern, die in diesem Jahr und sicherlich im ersten Halbjahr 2018 noch voll ausgelastet sein werden, mehr oder weniger eine Jahresproduktion verloren. Denn wann sie mit wie vielen Aufträgen aus den Bürgerenergieprojekten rechnen können, ist nicht absehbar. Das sorgt für Unsicherheit und wird – ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen – Arbeitsplätze kosten. Der angekündigte Abbau von 700 Stellen bei Senvion ist dafür eine warnendes Beispiel.
Es wäre ein schlechter Deal, wenn der sinkende Windstrompreis mit der Abwanderung von Know-how und dem Verlust von Arbeitsplätzen in der Windindustrie erkauft würde.
Dass bei den Auktionen einige Bundesländer, und das bereits zum zweiten Mal, komplett leer ausgingen, kann auch nicht im Sinne der Erfinder des Auktionssystems gewesen sein. Sollte sich diese Entwicklung bei den nächsten Runden fortsetzen, würde das den flächendeckenden Erfolg der Energiewende massiv gefährden.
Die nächste Bundesregierung muss angesichts der erhofften, aber unerwartet hoch ausgefallenen Preisdegression bei den ersten beiden Auktionsrunden mit der nächsten EEG-Reform zwei wichtige Veränderungen einleiten: Der Ausbaudeckel für Onshore-Windkraft muss gänzlich fallen. Dafür sollte es zwei Quoten geben: Eine die den Anteil von Bürgerenergiegruppen bei den Auktionen beschränkt, eine andere, die sicherstellt, dass auch in den Bundesländern südlich des Mittelland-Kanals der Windkraftausbau weitergehen kann. 
 
Autor: Ralf Köpke