Abwärme als Geldquelle

Mit der Nutzung von Industrieabwärme lassen sich erstaunliche Renditen erzielen. Mit Leuchtturmprojekten will die Deutsche Energieagentur (Dena) verstärkt darauf hinweisen.
nach Quelle: E&M PowerNews, 24. Mai 2017
Rund 40 Prozent der Unternehmen kennen ihr Abwärmepotenzial nicht. Das haben Umfragen aus den Jahren 2013 und 2014 ergeben. Dabei sind die Möglichkeiten hier enorm. „Die Nutzung von Abwärme ist bares Geld wert“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Dena. Denn durch die Wieder- und Weiterverwertung der Abwärme lassen sich Kosten sparen. Die Rendite entsprechender Maßnahmen liege häufig im zweistelligen Bereich, so Kuhlmann.
 
Die deutsche Industrie verbraucht im Jahr rund 460 Mrd. kWh Energie, um Wärme für Produktions- und Verarbeitungsprozesse zu erzeugen. Viel Energie davon geht als industrielle Abwärme verloren und damit auch viel Geld – die Dena schätzt rund 5 Mrd. Euro. Allein im Prozesstemperaturbereich ab 60 Grad Celsius soll das Energieeffizienzpotenzial bei 125 Mrd. kWh liegen, eine enorme Menge. Bei der Prozesswärme, die mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauchs der Industrie ausmacht, sieht die Dena das Einsparpotenzial bei 30 Prozent. Viele Unternehmen wissen zudem gar nicht, wo überall Abwärme anfällt: in Produktionsanlagen, Motoren, Abwässern, Druckluftgeräten, Kühl- und Klimaanlagen. Die Abwärme ist dabei in Trägermedien wie Wasser oder Luft gebunden oder wird in der Regel diffus über die Oberfläche einer Abwärmequelle abgegeben. Das soll sich nun ändern.
 
Dena hilft beim Beantragen der Fördermittel
 
Um die Industrie für das Thema Nutzung von Abwärme zu sensibilisieren, hat die Dena mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) das Projekt „Leuchttürme energieeffiziente Abwärmenutzung“ ins Leben gerufen. Die Unterstützung passiert vor allem vonseiten des Ministeriums eigennützig, denn nach allen Erkenntnissen wird Deutschland sein selbst gestecktes CO2-Einsparziel bis 2020 wohl verfehlen. Jede Tonne Kohlendioxid, die auf diesem Wege eingespart werden kann, ist daher hochwillkommen.
 
Mit dem Projekt hat die Dena eine Liste von zehn Industrieprojekten zusammengestellt, bei denen das Abwärmepotenzial durch einen „besonders innovativen oder wirtschaftlichen Technologieansatz erschlossen wird“. Die Agentur berät die ausgewählten Vorhaben beim Planen und Umsetzen von Maßnahmen zur Abwärmenutzung und – wichtig − bei der Beantragung von Fördermitteln. Die zehn Leuchttürme nutzen die Abwärme zum Teil für ganz unterschiedliche Zwecke, wie aus der Liste hervorgeht. Allein das zeigt schon das Potenzial:
  • Mit der Abwärme des Kupferherstellers Aurubis beheizt die Hamburger Enercity Contracting Nord GmbH zukünftig die Hamburger Hafencity Ost
  • Die Bosch Thermotechnik und Bosch KWK Systeme stellen die Abwärme für das Wärmeversorgungsnetz den Stadtwerken Gießen zur Verfügung
  • Die Brauerei Veltins nutzt zukünftig die Abwärme aus der Drucklufterzeugung zur Trinkwassererwärmung
  • Die Abwärme der Evers-Druck wird in Zukunft für die Wärmeversorgung in einem Quartier der Stadt Meldorf genutzt
  • Das Chemieunternehmen Evonik spart durch Abwärmenutzung auf dem eigenen Gelände große Mengen an Prozessdampf ein
  • Das Fahrzeugwerk Bernard Krone senkt den Wärmeverbrauch beim Lackieren um über 40 Prozent
  • Das Stahlwerk Georgsmarienhütte gibt die Abwärme an die Stadtwerke Georgsmarienhütte weiter, die diese speichert und nach Bedarf in das Fernwärmenetz der Stadt einspeist
  • Die Getec Heat & Power macht als Contractor in einem Industrieunternehmen Abwärme über einen Wärmetransformator zur Dampferzeugung nutzbar
  • Die Bäckerei und Konditorei Gilgen’s nutzt die Abwärme aus dem Backofen zur Kühlung
  • Nestle Deutschland setzt in ihrem Werk in Hamburg Abwärme zur Kälteproduktion ein.

Die Dena hat auf der Seite http://www.abwaerme-leuchtturm.de/.de einen umfangreichen Internetauftritt zum Thema angelegt. Dort ist auch ein Leitfaden zu finden, wie man die Abwärmenutzung in einem Unternehmen in einem ersten Schritt analysiert. Zudem gibt es Informationen über die staatlichen Förderprogramme. Denn die Bundesregierung unterstützt die Effizienzmaßnahmen zum Teil über Fördergelder, aber auch Investitionszuschüsse. Die Fördergelder kommen teilweise aus verschiedenen Töpfen wie zum Beispiel von der staatlichen KFW-Bank oder aus dem Energieeffizienzfonds des Sondervermögens „Energie und Klimafonds“ des Bundeswirtschaftsministeriums.

Die ganze Bandbreite der finanziellen Förderung

Im Rahmen der „Offensive Abwärmenutzung“ des BMWi können Unternehmen beispielsweise für Investitionen in die Modernisierung, in die Erweiterung oder in den Neubau von solchen Anlagen, die Abwärme vermindern oder nutzen, „zinsgünstige Darlehen von bis zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben inklusive 30 Prozent Tilgungszuschüsse erhalten“, heißt es vonseiten der Dena.
 
Autor: Stefan Sagmeister