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Workshop Reihe Elektromobilität in Bayern

Konduktive / induktive Ladesysteme Elektromobilität

ENERGIE CAMPUS Nürnberg
23. Juli 2014

Bericht

Am 23. Juli 2014 fand auf dem Energie Campus in Nürnberg der zweite Workshop aus einer Reihe von Veranstaltungen zur Elektromobilität in Bayern statt. Die Veranstaltung ist Teil der von der Projektleitstelle des Schaufensters ELEKTROMOBILITÄT VERBINDET Bayern-Sachsen initiierten gleichnamigen Workshopreihe. Das Thema Ladesysteme wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Cluster Automotive und dessen Expertise umgesetzt. Ziel dieser Workshopreihe ist es die essentiellen Fragestellungen der Elektromobilität kompetenzfeldübergreifend, d.h. unter Einbeziehung von angrenzenden Branchen und Interessensgruppen (Energietechnik, Ladeinfrastrukturanbieter, Kommunen, multimodale Mobilität, …) zu adressieren. Über 80 Experten mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunen nutzten diesen Workshop zum fachlichen Austausch in interdisziplinären Fachgesprächen.

Eine Möglichkeit zu Realisierung einer flächendeckenden und bezahlbaren Ladeinfrastruktur zeigte Dr. Frank Pawlitschek, Geschäftsführer der ubitricity GmbH, anhand des Einsatzes einer intelligenten AC-Ladetechnologie auf. Rachid Ait Bouhou, Geschäftsführer der e8energy GmbH, setzte in seinem Vortrag den Schwerpunkt auf konduktive DC-Schnellladung – warum und wo diese sinnvoll eingesetzt werden kann. Die kabellose, induktive Energieübertragung als Komfortgewinn für den Endanwender war der Titel des Vortrages von Dr. Andreas Kinne, Technischer Projektmanager bei Siemens Inside e-Car. Georg-Friedrich Koppen, Leiter Stabstelle Mobilität im Planungsreferat LH München, und Ruth Schawohl, Strategische Planungsprojekte, Stadtwerke München (SWM/MVG), zeigten die Anforderungen an die Ladeinfrastruktur zum einen aus Sicht einer Kommune, zum anderen aus Sicht eines Mobilitätsdienstleisters und Energieversorgers auf. Ein abschließender Kurzvortrag von Elke Büttner, Projektmanagerin ITZB, über das neue bayerische Forschungsförderprogramm „Elektromobilität und innovative Antriebstechnologien für mobile Anwendungen“ schlug eine konzeptionelle Brücke von der Technologie in der Welt der Projektförderung. Die anschließende Laborführung am EIDriveCenter verankerte die Präsentationsinhalte an realen Prototypen und machte die Vorträge am konkreten Exponat greifbar.

Die thematische Breite der Impulsvorträge lieferte den Experten eine Vielzahl interdisziplinärer Kooperationsthemen und bildete einen idealen Einstieg in die nachfolgenden parallel stattfindenden Gruppendiskussionen des Workshops sowie eine gemeinsame Status-quo-Diskussion induktiv vs. konduktiv. Im Einzelnen wurden folgende Aspekte bearbeitet:

Workshop A: Wie kommt der Strom ins Fahrzeug (konduktiv / induktiv)? Gemeinsame Ansätze für die Elektromobilität.

In diesem Workshop wurde zunächst anhand von „Technometern“ (Trendanzeigen) Vor- und Nachteile beider Technologien – konduktives und induktives Laden – diskutiert und sichtbar gemacht. Adressiert wurden hierbei unter anderem die Themen Komfort, Standardisierung, technischer Aufwand aber auch der Punkt Vandalismus. Die gemeinsame Diskussion von Experten beider Technologien führte zu einem angeregten Meinungsaustausch der beiden Fraktionen über die Möglichkeiten und technischen Details der konkurrierenden Technologien. Des Weiteren wurden technische und gesetzliche Hürden – betreffend der beiden Ladetechnologien – erörtert. Fragen z. B. nach rechtlichen Bestimmungen, falls das Kabel über den Gehweg gespannt wird, oder nach einem Geschäftsmodell für private Ladestationsbetreiber wurden gesammelt und können für Folgeworkshops genutzt werden. Zum Ende dieses Workshopteils wurde noch einmal die Frage nach möglichen Synergien zwischen den beiden Technologien gestellt und gemeinsam diskutiert. So könnte eine entsprechend ausgelegte Leistungselektronik sowohl zum konduktiven als auch zum induktiven Laden genutzt werden. Die Teilnehmer waren sich zudem einig, dass Fahrzeuge mit einer induktiven Lademöglichkeit (ab 2017 – erste proprietäre Lösungen für Oberklasse Fahrzeuge) weiterhin immer über eine konduktive „Back-Up“ Ladeschnittstelle verfügen werden. Auch die kontroverse These – ob es überhaupt Sinn macht, nach Synergien zu suchen oder nur ein System „richtig“ zu betreiben –wurde abschließend diskutiert.

Workshop B: Konduktive / induktive Ladeinfrastruktur im Kontext kommunaler Anforderungen und Vorgaben

In einer engagiert geführten interdisziplinären Fachdiskussion wurden rund um die Kommunen verschiedene Statements und Sichtweisen diskutiert. Hierzu zählen die Kosten für den Ladeinfrastrukturaufbau ebenso wie Verkehrsplanungen und kommunale Verantwortungen. Als ein wichtiger Aspekt kristallisierte sich heraus, dass Elektromobilität auch zur Erreichung kommunaler Ziele beitragen kann. Je nach Kommune kann hierzu beispielsweise Lärmreduktion, Verkehrsminderung oder Emissionssenkung zählen. Kommunen haben daher mit der Elektromobilität ein neues Werkzeug, um die Wohn-/Lebensqualität zu verbessern oder Vorgaben zu erfüllen. Hierfür ist allerdings ein systematisches und nachhaltiges Gesamtkonzept nötig (Ladeinfrastruktur, Dienstleistungen, After-sales-service etc.), welches mit Blick auf die hohe Entwicklungsdynamik der Elektromobilität kontinuierlich angepasst werden müsste.

Aktuell sind noch keine selbsttragenden Geschäftsmodelle für Ladeinfrastruktur bekannt. Möglicherweise könnten zukünftig Schnellladestationen an ausgewählten Verkehrsknotenpunkten wirtschaftlich sein, deren Nutzung für die „Notladung“ bzw. Langstrecke eher hochpreisig sein wird. Aber auch das Laden an AC-Normal-Ladestationen wird abgerechnet werden müssen. Letztlich scheint die Suche nach Partnern für PPP-Modelle (OEMs, Arbeitgeber, Flottenbetreiber etc.) für Kommunen empfehlenswert.

Allgemein kann man davon ausgehen, dass sich mit der Elektromobilität auch neue Mobilitätsformen entwickeln können, die jeweils angepasste Ladekonzepte erforder werden. Eine einheitliche und allerorts gültige Strategie zum Ladeinfrastrukturausbau ist daher schwierig.

Entwicklung, Trends und Visionen (2014 – 2016 – 2020)

Ziel der abschließenden, gemeinsamen Diskussion „Entwicklung, Trends und Visionen“ war es, mithilfe einer Roadmap aufzuzeigen, wie sich die Technologien, Standardisierung, aber auch der Markt aus Teilnehmersicht entwickeln wird. Die anwesenden Experten waren sich dabei einig, dass das induktive Laden auch in Zukunft eine Mehrausstattung bleibt. So prognostizierte das Fachpublikum, dass bis 2020 50% aller Elektrofahrzeuge mit einem zusätzlichen induktiven Ladesystem ausgestattet sein werden würden. Die entsprechende Standardisierung soll ebenfalls bis 2020 abgeschlossen sein. Für das Jahr 2017 wurde zudem die These von 1.000 Ladestationen (öffentlich / halböffentlich) pro Großstadt aufgestellt.

Fazit

Das konduktive Laden wird die kommenden Jahre die am weitesten verbreitete Ladeoption darstellen. Das induktive Laden wird sich zunächst in der oberen Premiumklasse als Mehrausstattung ab 2016/2017 etablieren. Synergieeffekte zwischen den Technologien könnten einen Mehrwert für die Elektromobilität darstellen. Der aktuelle Workshop hatte hierfür die richtigen Marktakteure zusammengebracht. Ob sich das eine oder andere System oder eine Kombination davon durchsetzen wird, wird jedoch letztendlich der Markt entscheiden.

Unabhängig von der technischen Umsetzung können Kommunen mit einem systematischen Ausbau der Ladeinfrastruktur die breite Markteinführung von Elektrofahrzeugen unterstützen und letztlich Elektromobilität als Werkzeug zur kommunalen Zielerreichung nutzen.