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Aus Erfahrung effizient

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsvorhaben „knowledge@all“ will ein System entwickeln, mit dem das Fachwissen von Erwerbstätigen aus unterschiedlichen Altersgruppen allen Mitarbeitern eines Unternehmens zugänglich gemacht werden kann. Erste Zwischenergebnisse belegen, dass das neue „Lehr-Lern-System“ vielfältige Potenziale bei der Verbesserung von Arbeitsabläufen und der Motivation der Mitarbeiter heben kann.

Die Logistikbranche ist ein Brennglas des demographischen Wandels: Zunehmend alternde Belegschaften führen zu einem ausgeprägten Mangel an Fach- und Nachwuchskräften. Das sehr heterogene Anforderungsniveau der Arbeitsplätze geht einher mit einem ebenso unterschiedlichen Qualifikationsniveau der Mitarbeiter. Zeitarbeit, kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse und unterschiedliche kulturelle Hintergründe erschweren den Wissenstransfer unter den Mitarbeitern. In vielen Unternehmen fehlen häufig zudem fehlerfrei funktionierende Kommunikationswege zwischen der operativen und der strategischen Ebene. Gleichzeitig fallen in der Logistik immer komplexere Arbeitsschritte an, die nur von erfahrenen, hoch qualifizierten Mitarbeitern ausgeführt und optimiert werden können. Geht ein solcher Mitarbeiter in Rente oder wechselt den Arbeitgeber, geht dem Unternehmen dieses Wissen verloren.

Die Logistikbranche steht daher im Fokus des am 1. September 2013 gestarteten Forschungsvorhabens „knowledge@all – Kognitionsunterstützendes Lehr-Lern-System für den Generationen-übergreifenden Wissensaustausch in der Logistik“. Ziel ist, das Wissen von Erwerbstätigen mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund mit neuen Methoden zu erfassen, aufzubereiten und verfügbar zu machen. Im Rahmen von „knowledge@all“ soll ein wechselseitiges Lehr-Lern-System entwickelt werden, das Lerninhalte interaktiv aufbereitet und möglichst weitgehend in den Arbeitsprozess integriert. Dieses Lehr-Lern-System setzt sich aus drei unterschiedlichen Komponenten zusammen: einer Lehr-Lern-Plattform, einem Prozess-Tool-Kit und einem Touch-for-Information-System.

Die Lehr-Lern-Plattform soll die unterschiedlichen Akteure unabhängig von ihrem Arbeitsplatz und Standort vernetzen. Mit dem Prozess-Tool-Kit können Mitarbeiter ihr Prozesswissen direkt in die jeweilige logistische Umgebung einbetten und dieses auch weniger erfahrenen Nutzern zugänglich machen. Das Touch-for-Information-System wiederum ermöglicht mit innovativen Visualisierungs-Technologien, Lerninhalte direkt im Arbeitsprozess abzurufen.

Praxisnahe Ergebnisse

In den ersten Projektschritten wurde mit dem Praxispartner Kühne+Nagel am Standort Niederaichbach in Niederbayern untersucht, welche Informationen zu den Fragestellungen „Neuerungen, Änderungen oder Störungen“ bereits im Unternehmen vorhanden sind und wie diese an die Mitarbeiter weitergegeben werden.

Zentrales Ergebnis war, dass Mitarbeiter und Vorgesetzte prinzipiell gut über Qualifikationen, Schulungen und Weiterbildungen informiert sind und ein hohes Maß an Prozesswissen im Unternehmen vorhanden ist, dieses Wissen aber stark diversifiziert und nicht zentral abgerufen werden kann. Als zentrale Anforderung an das Lehr-Lern-System wurde daher festgelegt, dass bereits gespeichertes und bei den Mitarbeitern vorhandenes Know-how zusammengeführt  und transparent zugänglich gemacht werden soll. Damit soll unter anderem Schichtleitern und Planern erleichtert werden, Mitarbeiter optimal und ihren Qualifikationen entsprechend einzusetzen. Gekoppelt mit aktuellsten Mitarbeiterinformationen, z. B. zu Veränderungen im Kommissionierablauf, der Aufnahme neuer Teile in das Sortiment oder eines neuen Kunden soll dies zu einer weiteren Reduzierung von Störungen und Fehlern in den Arbeitsabläufen führen.

Aktuell wird im Projekt „knowledge@all“ der Anforderungskatalog erstellt, der die Bedarfe des Praxispartners Kühne+Nagel möglichst vollständig im Lehr-Lern-System abbilden soll. Die Anforderungen umfassen Fragestellungen, wie und wann neue Informationen effizient an die rund 300 Mitarbeiter übergeben werden können, die Definition von Ereignissen, wie, wann und von wem Informationen über Änderungen angestoßen werden und  die Weitergabe von Prozesswissen der älterern an jüngere Mitarbeiter. Hierfür soll das Wissen in Basiswissen – dazu gehören standardmäßige Sicherheitsunterweisungen und Qualifikationen – und aktuellstes Änderungswissen, wie die Änderung wichtiger Handgriffe im bestehenden Prozess – unterteilt werden. Das in den Köpfen vieler langjähriger Mitarbeiter vorhandene, aber nicht protokollierte Prozesswissen soll diese Informationen ergänzen und gegebenenfalls in besser formulierten Arbeitsanweisungen für alle zugänglich gemacht werden.

Große Bedeutung bei der Umsetzung der neuen Prozesse hat die Art der Kommunikation. Geplant ist, an einem Standort des Praxispartners Kühne+Nagel einen tagesaktuellen Wissensabgleich bei Anmeldungen des Mitarbeiters am Arbeitsplatz zu gewährleisten und die notwendigen Informationen für die anliegenden Tätigkeiten sofort bereit zu stellen. Auch auf erforderliche weiterführende Schulungen und Weiterbildungen soll hingewiesen werden. Diese können im Idealfall zu passender Zeit mit einem individuellen Nutzer-Interface abgerufen werden.

Pressemitteilung - Aus Erfahrung effizient Pressemitteilung - Aus Erfahrung effizient
(PDF, 146 KB)

Arbeitswelt Logistik: Ein Brennglas des demographischen Wandels. Das Projekt "knowledge@all" soll dazu beitragen, Prozesse zu verbessern. Bildnachweis: Bayern Innovativ

Arbeitswelt Logistik: Ein Brennglas des demographischen Wandels. Das Projekt "knowledge@all" soll dazu beitragen, Prozesse zu verbessern. Bildnachweis: Bayern Innovativ

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