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Kooperationsforum

Vernetzte Elektronik – Telematik in der Supply Chain

IHK Aschaffenburg
07. Juli 2016

Bericht

Durch die Entwicklungssprünge in der Kommunikationstechnik und die immer mobiler werdende Gesellschaft erwarten Experten, dass im Jahr 2020 mehr als 20 Milliarden Geräte im Internet der Dinge bzw. über die Cloud vernetzt sind. Dazu müssen diese Geräte intelligent werden, d.h. sie werden mit Sensorik, Rechenleistung und Kommunikationsfähigkeit ausgerüstet. Diese Entwicklung wird sich quer durch alle Branchen ziehen und nicht nur die Automobilindustrie im Bereich Fahrerassistenzsysteme und Services oder den Maschinenbau, Stichwort „Industrie 4.0“, treffen. Gleichermaßen ist dieser Trend auch Chance und Herausforderung für alle Beteiligten entlang der Supply Chain.

Das Kooperationsforum „Vernetzte Elektronik – Telematik in der Supply Chain“ am
7. Juli in der IHK Aschaffenburg hat diese Entwicklungen aufgegriffen. Experten und Praktiker präsentierten konkrete Beispiele und stellen neue Entwicklungen im Umfeld telematischer Anwendungen vor. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf spezifischen Anwendungen für die Logistikbranche, wie der präzisen Lage-, Orts- und Zustandserfassung von Objekten vom LKW bis zur transportierten Ware und der zunehmenden Digitalisierung in den Wertschöpfungsketten durch vernetzte Cyber Physische Systeme.

Abhängig von der Entwicklung der innovativen Technologien und daraus resultierenden neuen Geschäftsmodelle wird ein wachsender Konsolidierungsdruck und eine Transformation der Branche erwartet. Die großen Fragen hierbei sind, wer zukünftig das Geschäft steuert und wer der Eigentümer der erzeugten Daten sein wird. Nur wer hier rechtzeitig in die notwendigen (IT-) Infrastrukturen investiert, wird in Zukunft den Zugriff auf den (End-) Kunden haben und somit seine Marktposition festigen und ausbauen können. Beispiele hierfür gibt es bereits aus dem Handelsbereich. So hat sich das Einkaufsverhalten bei Konsumgütern von der Besorgung im „Tante-Emma-Laden“ über den Einkauf bei Diskountern und Supermärkten bis hin zur Online-Bestellung von Lebensmitteln verändert. Noch deutlicher ist der Wandel der Geschäftsmodelle und des Kundenverhaltens im Medienbereich zu sehen. Früher wurde die Musik im lokalen Plattenladen gesucht, gefunden und gekauft, mit Aufkommen des E-Commerce dann im Internet bestellt. Mit Aufkommen des MP3-Formats haben sich Geschäftsmodelle entwickelt, bei den die Käufer die Musik nicht mehr physisch besitzen, sondern nur noch als Datei. In den jüngsten Entwicklungen ist selbst dies weggefallen. Über Streamingdienste leihen sich die Konsumenten quasi nur noch das, was sie gerade hören möchten. Es wird erwartet, dass das Pay-per-use Modell auch in vielen anderen Branchen Einzug halten wird.

Ähnliche Tendenzen für einen Wandel in den Geschäftsmodellen sind auch in der Telematik, begünstigt durch die sich immer stärker vernetzenden Elektronik im Ansatz erkennbar. Durch immer präzisere Lage-, Orts- und Zustandserfassung von Objekten nahezu in Echtzeit können die Dienstleistungen und Services sowohl in der innerbetrieblichen Logistik, wie auch in den Transportbereichen nicht nur optimiert, sondern immer bedarfsgerechter auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten werden. Zusammen mit der zunehmenden Individualisierung der Produkte führt dies auch zu einer Entbündelung von Frachten.

Kernprozess in allen denkbaren Anwendungen ist dabei immer eine sinnvolle, ergebnisorientierte Datenerhebung und –haltung. Der Umgang mit Big-Data hinsichtlich digitaler Kommunikation und Verarbeitung durch intelligente Analyse und Auswertung bilden die Grundlagen für den zukünftigen unternehmerischen Erfolg und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und-strategien, für die zunehmend auf Cloudlösungen gesetzt wird.

Was alles schon möglich ist und wie neueste technologische Ansätze eingesetzt werden können zeigten unter anderem auch die jungen Unternehmen und Start-Ups beim Kooperationsforum „Vernetzte Elektronik – Telematik in der Supply Chain“, das gemeinsam von Bayern Innovativ GmbH und der IHK Aschaffenburg konzipiert und ausgerichtet wurde. Unterstützt durch die IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern, dem bayerischen IT-Logistikcluster und dem bayerischen IT-Sicherheitscluster, bot die Veranstaltung den Teilnehmer neben einer Plattform für den Informations- und Erfahrungsaustausch vor allem neue Anregungen aus Technologie- und Themenbereichen, die im täglichen Geschäft nicht unbedingt im Fokus sind und hat so Impulse für die Bildung von Kooperationen und die Entwicklung neuer Lösungen gesetzt. Die zahlreichen Fragen an die Experten belegen, dass sich die Branche auf einen Umbruch vorbereitet, das „wie“ aber noch mit vielen Fragezeichen versehen ist.