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CoSMoS - Conference on Smart Mobility Services

Technische Hochschule Ingolstadt
08. März 2016

Bericht

Digitalisierung verändert die Branchen / unsere Welt

Die Welt, in der wir leben, wird nachhaltig durch die rasant zunehmende Digitalisierung verändert. Viele Branchen, wie beispielsweise die Musikindustrie, der Banken- oder Mediensektor erlebten dadurch bereits die Disruption ihrer etablierten Geschäftsmodelle. Gleiches hat auch in der Automobilbranche begonnen.

Wesentliche Treiber hierfür sind neben den technologischen Möglichkeiten wie der Verfügbarkeit von kabellosem Breitbandzugang, Smartphone, Smartwatch, Location-based services und connected cars vor allem das geänderte Nutzerverhalten. Führerscheinerwerb und Fahrzeugbesitz bei jungen Erwachsenen stagnieren oder gehen in den meisten Industrienationen zurück. Junge Stadtbewohner kombinieren dagegen flexibel verschiedene Verkehrsangebote und die Nachfrage nach Sharingangeboten (wie CarSharing, BikeSharing oder RideSharing) steigt entsprechend.

Das Fahrzeug wird somit mehr und mehr Bestandteil eines neuen Mobilitäts – Ökosystems mit vielfältigen „Smart Mobility Services“ und neuen flexiblen Geschäftsmodellen, in welchen die verschiedenen Verkehrsträger und -anbieter durch multi- und intermodale Plattformen verbunden sind.

Smart Mobility Services wie beispielsweise private Parkplatzvermietung, kommunale Verkehrsverbünde, intelligente Routenplanung, Limousinen & Taxi Services, Fahrzeug- und Flottenmanagement und kundenspezifische Mobilitätspakete stammen aus einer Vielzahl von Branchen mit unterschiedlichsten Technologien. Aktuell gibt es schon mehrere Hundertausend Mobility Apps - der Kreativität sind hier scheinbar keine Grenzen gesetzt.

Um diese Services umzusetzen, werden die klassischen Verkehrsträger, Infrastrukturen (Schiene, Straße, Wasser) und Transportmittel (wie beispielsweise Auto, Bahn, U-Bahn) mit Sensorik, Konnektivität und Aktorik ausgestattet. Hier entsteht somit ein riesiger Markt, sowohl auf Anbieter- als auch auf Nutzerseite. Diese Vielfalt macht deutlich, dass hier zahlreiche neue Ansatzpunkte für sektorübergreifende Kooperationen und Partnerschaften entstehen, welche sowohl Hardware, Software als auch Dienstleistungen betreffen.

„Um einzelne Mobility Services wie das CarSharing erfolgreich am Markt zu etablieren und in eine funktionierende Mobilitätskette zu integrieren, müssen diese ideal vernetzt werden. Denn die Mobility Services sind keine allein stehenden Mobilitätslösungen, sondern die perfekte Ergänzung und integraler Bestandteil des Mobilitätsangebots wie beispielsweise ÖPNV und Fahrrad.“, unterstreicht Nico Gabriel, Geschäftsführer von DriveNow. „Abhängig von den Rahmenbedingungen existiert noch ein riesiges Entwicklungspotential für vernetzte Mobilität.“ so Gabriel weiter.

Ein kritischer Faktor zur Umsetzung derartiger integrierter Mobilitätsketten sind zum einen das Erreichen einer kritischen Masse an Nutzern und zum anderen die Generierung und Nutzung von Daten. Die Nutzer werden in Zukunft nicht nur Konsumenten von Mobilität sein, sondern das gesamte Transportsystem wird mit Hilfe der vom Nutzer generierten Daten funktionieren. „Daten sind nicht gleich Wissen. Es ist wichtig, das Wissen aus den Daten zu extrahieren und es auch anzuwenden.“ so Cornelia Schaurecker, Leiterin Volkswagen Data Lab, München.

Der Mensch im Mittelpunkt

Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Entwicklung integrierter Mobilitätsketten ist es, „anstelle des Produktes den Menschen in das Zentrum der Überlegungen zu stellen.“ so Marko Javornik, VP GM Mobility & Travel, ComTrade Software Solutions GmbH, Ljubljana, Slowenien. Außerdem spiele, anders als bei physischen Produkten, die Geschwindigkeit der Entwicklungen eine besonders große Rolle. Denn, sind Nutzer einmal von einem Service (wie zum Beispiel Facebook oder Runtastic) in einer vernetzten Welt überzeugt, möchten sie diesen auch weiterhin nutzen.

Wie wichtig es ist, den Menschen in den Mittelpunkt bei der Entwicklung von Mobilitätsdienstleistungen zu stellen, bestätigte auch Prof. Dr. Harry Wagner,
Automotive & Mobility Management, Technische Hochschule Ingolstadt.

Eine der wichtigsten Kundengruppen seien laut Prof. Wagner die Millennials oder Generation Y, also die Bevölkerungskohorte, deren Mitglieder um das Jahr 2000 herum zu den Teenagern zählten. „Das Verhalten dieser Generation ist gänzlich anders als das der vorangegangenen Generationen. Sie haben andere Werte. So hat beispielsweise das Smartphone eine sehr hohe Relevanz ebenso wie die Nutzung von Dienstleistungen und Services.“

„Aktuell werden diese Produkte und Dienstleistungen allerdings von Menschen entwickelt, die nicht aus dieser Generation stammen.“ so Prof. Wagner weiter.

Smart Mobility Services entwickelt von Millenials       

Doch wie könnten Services aussehen, die von Millenials entwickelt werden? Masterstudierende des an der THI angebotenen Studiengangs Automotive & Mobility Management präsentierten auf der Conference on Smart Mobility Services 150 Experten aus verschiedenen Branchen und Bereichen wie Automobilindustrie, Kommunen, Software, Ingenieur- oder Mobilitätsdienstleistern und Wissenschaft ihre Mobilitätslösungen der Zukunft:

PlugU ist eine neue Definition von Automobil. Mittels modularem Baukastenprinzip kann sich das Leasing-Auto, je nach Bedarf vom Zweisitzer in einen Wohnwagen, eine Limousine o.ä. verwandeln.

Mit BikeIN wurde ein innovatives Bike-Sharing-Konzept zur Optimierung des Fahrradverkehrs in Ingolstadt entwickelt.

Safe Hitchhiking ist eine App, die mit Hilfe der Design Thinking Methode entwickelt wurde und mit der man schnell und einfach Kurzstrecken-Mitfahrgelegenheiten bilden kann.

Innerhalb des von der DB beauftragten Projektes MobilityPlus wurden mehrere Usecases entwickelt, um geheingeschränkten und gehbehinderten DB-Nutzern einen barrierefreien Zugang zu den Services der Deutschen Bahn zu gewährleisten.
Um ein funktionsfähiges, intelligentes Mobilitäts – Ökosystem entsprechend der Kundenbedürfnisse zu realisieren, ist es notwendig den gesamten Verkehrssektor als eine kooperative, miteinander verbundene Einheit zur Erbringung von Dienstleistungen zu sehen. Hierbei könnten die Grenzen zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern, Transportmitteln und einzelnen Services verschwimmen oder ganz verschwinden.

Die Herausforderungen heute sind komplex, sei es aufgrund sich nachhaltig ändernder Kundenanforderungen oder der sich rasant entwickelnden Technologien.
Neue Anbieter verändern oder revolutionieren etablierte Märkte.

Die erste Conference on Smart Mobility Services hat gezeigt, dass sich derart komplexe Herausforderungen vor allem in inhomogenen Netzwerken bearbeiten lassen, denn Innovationen entstehen insbesondere dort, wo über Branchen- und Technologiegrenzen hinweg gearbeitet wird. Wir freuen uns schon jetzt auf spannende Themen im nächsten Jahr!

Fachlicher Ansprechpartner
Jennifer Reinz-Zettler
Tel. +49 911-20671-216
Fax +49 911-20671-733