Die Sektorenkopplung – Ihr Stellenwert im Rahmen des Klimaschutzplanes 2050

Die Sektorenkopplung soll dazu beitragen, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Energieversorgung insgesamt zu steigern und die im „Klimaschutzplan 2050“ gesetzten CO2-Reduktionsziele der Bundesregierung zu erreichen.
nach Quelle: Forum für Zukunftsenergien e.V., 31. März 2017

Mit der Frage, welchen Beitrag die Sektorenkopplung zur Umsetzung dieser Ziele leisten kann und mit welchen Veränderungen bzw. Anforderungen dies für die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr verbunden sein wird, beschäftigte sich das Forum für Zukunftsenergien im Rahmen seines „Energieforum 2017“ am 29. März 2017.
Traditionsgemäß eröffnete der Vorsitzende des Kuratoriums des Forum für Zukunftsenergien Dr. Tessen von Heydebreck das Energieforum 2017. Mit Blick auf den hohen Stellenwert, der der Sektorenkopplung im Rahmen des „Klimaschutzplanes 2050“ seitens der Politik zugemessen wird, stellte er die Frage, inwieweit mittels einer Elektrifizierung der Verbrauchsektoren Gebäude, Verkehr und Industrie die CO2-Minderungsziele des „Klimaschutzplanes 2050“ tatsächlich erreicht werden können. Er mahnte an, außerdem die damit verbundene Umstellung der verschiedenen Wertschöpfungsstufen unserer Volkswirtschaft in den Blick zu nehmen und zu überlegen, ob in der Gesellschaft eine Bereitschaft bestehe, diese zur Disposition zu stellen. Reiche unsere Vorstellungskraft überhaupt dafür aus, ein solch neues System zu entwerfen und werde die Politik die Fähigkeit besitzen, diesen Prozess zu begleiten und zu steuern? Oder sollte nicht – zumindest beim Wärmemarkt – eine andere Strategie bei der Sektorenkopplung gewählt werden, nämlich statt einer „grünen Vollelektrifizierung“ eine Versorgung mit „grünem Gas“ über „Power-to-Gas“ anzustreben?
Dr. von Heydebreck, der ankündigte, seinen langjährigen Vorsitz abzugeben, verwies im Übrigen auf den gleichzeitig vorgelegten 10. Band der Schriftenreihe des Kuratoriums, der sich ebenfalls mit Fragen der Sektorenkopplung befasst und in seinen zahlreichen Beiträgen aus den unterschiedlichen Stakeholdergruppen des Kuratoriums Antworten zu geben versucht.
Die Sektorenkopplung sei mehr als die Elektrifizierung aller Verbrauchsbereiche, räumte Rita Schwarzelühr-Sutter, MdB, Parlamentarische Staatssekretärin, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, ein. Vielmehr könne durch sie das Energiesystem insgesamt optimiert und der Anteil an erneuerbaren Energien gesteigert werden. Gerade für deren Nutzung bestehe beim  Wärme- und Verkehrssektor großer Nachholbedarf. Während beim Strom bereits rund ein Drittel aus erneuerbaren Energien stamme, liege deren Anteil bei der Wärme, die für ungefähr die Hälfte des Endenergieverbrauchs verantwortlich sei, bei nur etwa 13 Prozent. Beim Verkehr seien gerade einmal fünf Prozent der Energie erneuerbaren Ursprungs. Um die Anteile insgesamt zu steigern, sei das Zusammendenken der Sektoren und der Wechselwirkungen zwischen ihnen zunehmend unabdingbar. So müsse die Verbreitung der Elektromobilität  dringend beschleunigt werden, aber auch Technologien wie „Power-to-Gas“ (P2G) oder „Power-to-Liquid“ (P2L) komme ein großes Potential zu, um den CO2-Ausstoß des bestehenden Energiesystems zu senken. Aufgrund der hohen Wandlungsverluste bei P2G und P2L müsse jedoch verstärkt an der Effizienzsteigerung dieser Technologien geforscht werden. Zudem müsse dem Einsatz dieser Technologien eine Anpassung der aktuellen Rahmenbedingungen vorangehen. Anderenfalls käme es lediglich zu einer höheren Auslastung der konventionellen Energien. Zukünftig seien Energieträger im Übrigen in größerem Maße entsprechend ihrer Klimabilanz zu bewerten. Außerdem sei darauf zu achten, die Kosten für die Energiewende nicht allein dem Stromsektor anzulasten. Vielmehr seien alle Sektoren daran zu beteiligen, um möglichst gleiche Bedingungen für die Entwicklung unterschiedlicher Technologien zur Vermeidung von CO2-Emissionen zu schaffen. Dies sei ebenfalls entscheidend für den Erhalt der Akzeptanz der Energiewende.
Schwarzelühr-Sutter begrüßte es, dass die Sektorenkopplung nicht nur im „Klimaschutzplan 2050“, sondern auch im „Grünbuch Energieeffizienz“ des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie im Positionspapier „2030-Agenda“ des Umweltbundesamtes eine wichtige Stellung einnehme. Jedoch sei sie kein Substitut für die Steigerung von Effizienz, die bei der Umsetzung der Energiewende an erster Stelle stehen müsse.
 Die anschließende Podiumsdiskussion mit den beiden Kuratoren des Forum für Zukunftsenergien, Dr. Joachim Damasky, Geschäftsführer, VDA Verband der Automobilindustrie, und Dr. Ingo Luge, Vorsitzender der Geschäftsführung, E.ON Deutschland, sowie Prof. Dr. Hans-Martin Henning, Institutsleiter, ISE Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, moderierte der Vorstandsvorsitzende des Forum für Zukunftsenergien Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung, 50Hertz Transmission GmbH.
Als besonders effektiv zur Erreichung der Klimaschutzziele wurden aufgrund des hohen Anteils des Wärmesektors an den CO2-Emissionen Maßnahmen zur Sanierung von Gebäuden bewertet. Dabei sei darauf zu achten, dass die entsprechend verbauten Technologien hinsichtlich langer Betriebszeiten auch in 40 Jahren noch ins System passen müssten. Auch der Elektromobilität wurde eine große Bedeutung beigemessen. Das größte Hindernis bei ihrer weiteren Verbreitung sah man in der derzeit noch unzureichend ausgebauten Ladeinfrastruktur. Dazu rechne neben der Anzahl an Ladepunkten auch deren technische Umsetzung, die noch eine hohe Dynamik in ihrer Entwicklung aufweise. Außerdem müsse der rechtliche Rahmen des Ladeprozesses weiterentwickelt werden. 
Insgesamt wurde die Sektorenkopplung von allen Diskutanten als wichtiger Bestandteil der Energiewende und somit des Klimaschutzes bewertet. Neue Verbindungen zwischen und innerhalb der Sektoren böten auch aus finanzieller Sicht Chancen, da daraus neue Geschäftsfelder entwickelt werden könnten – sofern die Rahmenbedingungen dies zuließen. Als Beispiele wurden Mieterstromprojekte und die Einführung von flexiblen Stromtarifen genannt, mit denen ebenfalls eine weitere Flexibilisierung des Energiesystems erreicht werden könneDie ausschließliche Belastung des Stromsektors mit den Kosten der Energiewende wurde einhellig kritisiert. So war man der Auffassung, dass wenn Strom aufgrund von Umlagen im Verhältnis zu anderen Energieformen stets teurer werde, dies die Verbreitung von effizienten, strombasierten Technologien wie der Wärmepumpe oder der Elektromobilität behindere. Neben einer gleichmäßigeren Verteilung der Kosten sei ein einheitlicher CO2-Preis ein entscheidendes Mittel, um einen technologieoffenen und wettbewerbsorientierten Ansatz zur Reduktion der CO2-Emissionen zu verfolgen.

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