"Das Wertvollste ist Flexibilität"

Der Batteriehersteller Sonnen hat mit der Vernetzung von Heimspeichern noch einiges vor.
nach Quelle: E&M powernews, 22.02.2018

Sonnen bündele die Speicher zu einem virtuellen Kraftwerk und vermarktet den Strom am Regelenergiemarkt. Die Gewinne aus dem Regelenergiemarkt würden jedem Batteriekunden zugutekommen in Form der sogenannten Sonnen-Flat.

Bild: Fotolia@frank peters

 

Was Sonnen-Geschäftsführer Felix Dembski bei einer Veranstaltung des Energieverbandes BDEW in Osnabrück zu seinem Unternehmen vortrug, war schon beeindruckend. Seit sieben Jahren gibt es das Unternehmen erst. Es ist weltweit präsent und hat Niederlassung in den USA, England, Italien und Australien. Knapp 400 Mitarbeiter weltweit kümmern sich um die Sonnen-Produkte. Rund 25 000 Heimspeicher hat das Unternehmen bislang ausgeliefert, 11 000 davon im vergangenen Jahr. Ein Viertel des Weltmarktes an Batteriespeicher wird von Sonnen bedient. Kein Unternehmen verkauft mehr Hausbatterien zur Speicherung von Solarstrom, was die Marktführerschaft in dem Segment bedeutet.


„Kunden verstehen Kilowattstunde nicht“

Unser Energiesystem werde immer mehr durch die Einspeisung von volatilem Ökostrom bestimmt, sagte Dembski. „Deshalb ist das Wertvollste, was es am Ende des Tages gibt, Flexibilität.“ Es gebe kaum etwas Besseres für Flexibilität, als ein großes Netzwerk aus dezentral verteilten Batteriespeichern. Sonnen bündele die Speicher zu einem virtuellen Kraftwerk und vermarktet den Strom am Regelenergiemarkt. Die Gewinne aus dem Regelenergiemarkt würden jedem Batteriekunden zugutekommen in Form der sogenannten Sonnen-Flat. „Die Einnahmen, die wir daraus erzielen, dürften in etwa der Höhe der Kosten liegen, die der Kunden für seine Reststromlieferung aus dem Netz bezahlt.“ Das werde sehr gerne angenommen.

„Bislang haben sie das Wort Kilowattstunde von mir nicht gehört“, sagte Dembski. Bei Sonnen habe man die Erfahrung gemacht, dass die Kunden mit dem Begriff Kilowattstunden nicht viel anzufangen wüssten. Auch könnte diese es nicht einordnen, wenn man ihnen sagt, sie hätten einen Vorteil von beispielsweise 3,14 Cent pro Kilowattstunden zu einem herkömmlichen Tarif. „Die Kunden verstehen das nicht wirklich. Flatrate, das verstehen sie, auch weil sie es aus anderen Bereichen kennen.“

Viel Potenzial im Verteilnetzbereich

Und das Potenzial der vernetzten Speicher sei bei Weitem noch nicht ausgeschöpft, sagte Dembski. Redispatch von Anlagen sei beispielsweise ein weiteres Thema. Mit dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet habe man dazu ein Projekt aufgesetzt. So werde beispielsweise ausprobiert, überschüssigen Windstrom aus dem Netz in Norddeutschland in die Sonnen-Batterien zu schieben und gleichzeitig im Süden den Batteriestrom ins Netz abzugeben, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.

Man nutze für das Tennet-Projekt die Blockchain-Technologie. Blockchain sei nichts anderes als eine neuartige Form einer Datenbank. Viele Leute könnten damit interagieren, auch wichtig sei die Fälschungssicherheit, es könne im Nachhinein „nicht herumgedoktert werden“. Dembski hat große Hoffnung, dass die Blockchain-Technologie für die Interaktion von vielen Batterieeinheiten ausgezeichnet geeignet ist. „Das wäre sehr, sehr praktisch.“ Viel Potenzial sieht der Sonnen-Geschäftsführer darüber hinaus noch im Verteilnetzbereich.

Autor: Stefan Sagmeister

Weitere Informationen:
https://www.sonnen-batterie.com/de/home