Geothermie-Branche sieht sich als Kollateralschaden der Politik

Auf dem Geothermie-Kongress in München hat die Branche die Gelegenheit genutzt und noch einmal klare Forderungen an die Politik gerichtet − knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl.
nach Quelle: E&M PowerNews, 14. September 2017


Bildquelle: Bundesverband Geothermie / StefanWeberPhotoArt

Verbandspräsident Erwin Knapek hat sich bei der Eröffnung des Geothermie-Kongresses in der BMW-Welt am Olympiagelände darüber gefreut, dass diese Veranstaltung erstmals in München stattfand.
Zum einen habe die Geothermie in Bayern einen besonderen Stellenwert, zum anderen seien gerade die Stadtwerke München mit ihrer Wärmewende ein Vorzeigeprojekt: Derzeit sind 33 Anlagen bundesweit in Betrieb, 23 davon stehen davon im süddeutschen Raum.
Knapek wies jedoch vor allem auf die nach wie vor schwierigen bis geradezu "unsinnigen" politischen Rahmenbedingungen in Deutschland hin. Besonders das im Mai 2017 beschlossene Standortauswahlgesetz (StandAG), die Neufassung des EEG sowie die Verbesserung der Bedingungen für den Ausbau oberflächennaher Geothermie seien künftige Herausforderungen.
Knapek: "Die sinnlose Benachteiligung der Geothermie durch das Standortauswahlgesetz muss beseitigt werden." Das Gesetz zur Suche nach einem Atommüllendlager betrifft auch die Geothermie und sieht vor, das Bohrungen in Deutschland in eine Tiefe von mehr als 100 Metern nun auch vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BFE) mit genehmigt werden müssen − zum Schutz möglicher Standorte für ein Endlager. Knapek bezeichnete diese gesetzliche Vorgabe als widersinnig, die Geothermie werde damit zum Kollateralschaden für die atomare Endlagersuche.
Außerdem müsse im EEG der Degressionsmechanismus für die Tiefe Geothermie deutlich verändert werden, da gerade durch das neue StandAG wieder Zeitverzögerungen für die Umsetzung anstehender Projekte zu erwarten seien. Der Bundesverband Geothermie fordert schon länger, dass sich die Degression der Förderung am Ausbau orientieren sollte, zum Beispiel fünf Prozent pro Megawatt installierter elektrischer Leistung. Derzeit ist die Degression der Förderung auf das Datum festgelegt und soll ab 2021 wirken. Ab diesem Zeitpunkt sinkt die Förderung dann jährlich.
Dekarbonisierung nur mit Geothermie möglich
Für Knapek ist gerade die Geothermie die sinnvollste erneuerbare Erzeugungsform in Ballungsräumen in Kombination mit einem Wärmenetz. Auch Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München, stellte heraus, dass die Erdwärme sehr viel zur Dekarbonisierung beitragen könnte.
Bieberbach stellte jedoch auch fest, dass im Wärmemarkt nach wie vor nichts vorangehe: "Die politische Strategie im Wärmemarkt, vor allem auf die energetische Sanierung zu setzen, muss man als fast gescheitert ansehen." Er forderte auf dem Kongress daher ein Umdenken in der Politik.
Für den SWM-Chef haben die politischen Akteure zu sehr das Einfamilienhaus im Blick und vernachlässigen gerade die wichtige Wärmewende in den Ballungsräumen. "Ein großer Teil der Bevölkerung wohnt nun mal nicht in einem Einfamilienhaus im Bayerischen Wald, sondern in Großstädten."
In Ballungsräumen könne eine volkswirtschaftlich sinnvolle Wärmewende nur mit Wärmenetzen auf Basis erneuerbarer Energien umgesetzt werden, zeigte sich Bieberbach überzeugt. Gerade die Erdwärme sei dafür hervorragend geeignet. "Durch die langfristige Umstellung der Fernwärmeversorgung auf Geothermie in München wollen wir ganz Europa zeigen, dass die Wärmewende in Großstädten möglich ist." Die Stadtwerke München sehen in der Geothermie die Ressource, die Landeshauptstadt langfristig mit erneuerbarer, CO2-freier Wärme zu versorgen.
Für Bieberbach braucht eine solche Wärmewende jedoch stabile und zudem abgewandelte Rahmenbedingungen: Die Förderungen von Wärmenetzen müsste endlich von der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) entkoppelt werden, damit die Erneuerbaren-Technologie künftig mit fossilen Anlagen konkurrieren könnte, lautete eine seiner Forderungen. Zudem müsste es künftig eine Förderung von Maßnahmen zur erneuerbaren Wärmeerzeugung geben, vergleichbar bei der KWK und schließlich sollte es langfristig stabile Anreize für den Umbau ganzer Quartiere geben und nicht mehr nur von Einzelobjekten.
Der Geothermiekongress wird vom Bundesverband Geothermie sowie Bayern innovativ veranstaltet und findet in diesem Jahr in München statt.
 
Autorin: Heidi Roider