Biomethan: Erzeugung von erneuerbarem Erdgas kann verzehnfacht werden

dena-Biogaspartnerschaft skizziert Ausbaupotenzial bis 2050 / Stärkere Anreize in Verkehr, Wärme und Strom erforderlich / Kuhlmann: „Wir brauchen ein klares politisches Bekenntnis zur Bedeutung von erneuerbaren Gasen für die Energiewende“
nach Quelle: dena-Meldung, 23. November 2017

Die Erzeugung von Biomethan in Deutschland kann bis im Jahr 2050 um gut das Zehnfache gesteigert werden, von heute 9 auf rund 100 Terawattstunden pro Jahr. Das ist das Ergebnis eines Strategiepapiers, das die Biogaspartnerschaft der Deutschen Energie-Agentur (dena) auf Basis von aktuellen Studien erarbeitet hat. Voraussetzung für den Ausbau ist, dass die Rahmenbedingungen für die Nutzung von Biomethan in den Sektoren Verkehr, Wärme und Strom verbessert werden. Biomethan entsteht durch die Aufbereitung von Biogas auf Erdgasqualität und lässt sich wie Erdgas gut speichern und vielseitig nutzen. Als Quelle dienen Rest- und Abfallstoffe, tierische Exkremente und Energiepflanzen.

„Alle Studien zeigen: Biomethan kann einen signifikanten Beitrag zur Energiewende leisten, ohne mit der Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln zu konkurrieren“, sagt Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung. „Vor allem dort, wo Strom-, Gas- und Wärmenetze gut zusammenspielen, kommen die Vorteile von Biomethan zur Geltung. Biomethan ist eine hervorragende Ergänzung zu den fluktuierenden erneuerbaren Energien wie Wind- und Solarenergie. Um die Potenziale zu erschließen, müssen wir an verschiedenen Stellschrauben drehen. Mit unserem Strategiepapier zeigen wir, worauf die Politik dabei achten sollte. Vor allem brauchen wir ein klares politisches Bekenntnis, dass Investitionen in Anlagen und Infrastruktur für erneuerbare Gase als wertvoller Beitrag zur Energiewende anerkannt werden.“

Für das Strategiepapier wurden 16 Studien aus den Jahren 2012 bis 2017 ausgewertet, die Szenarien zum Erreichen der energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung beschreiben. Für die Sektoren Verkehr, Wärme und Strom empfiehlt die Biogaspartnerschaft konkrete Maßnahmen.

                                      
                                                                              
            
                                                 

Analyse: Rolle und Beitrag von Biomethan im Klimaschutz: heute und in 2050                

                

                    Untersuchungen zeigen ein erhebliches Potenzial an nachhaltig nutzbarer...

Mehr Information                                              
                                                                                            
Download                                

Verkehr: Unterquote für fortschrittliche Kraftstoffe und Anrechnung auf CO2-Flottenziele

Biomethan ist ein nahezu klimaneutraler Kraftstoff, bei dessen  Verbrennung auch deutlich weniger Stickoxid und Feinstaub entstehen als  beispielsweise die Euro 6-Norm für Benzin und Diesel zulässt. Der  Umstieg auf Erdgasfahrzeuge, die mit Biomethan und anderen erneuerbaren  Gasen betrieben werden, wäre schnell und kostengünstig realisierbar.  Daher sollte Biomethan verstärkt in Landwirtschaft, öffentlichem  Nahverkehr und für Pkws genutzt werden. Langfristig ist Biomethan in  Form von verflüssigtem Biogas (Bio-LNG) vor allem im Schwerlast- und  Schiffsverkehr sinnvoll. 

Um die Potenziale zu realisieren, sollte die energetische Unterquote  für fortschrittliche Kraftstoffe in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie  von derzeit 0,05 auf 0,2 Prozent im Jahr 2020 und ab dann jährlich um  0,1 Prozent erhöht werden. Zudem sollten Pkw-Hersteller den Einsatz  nachhaltig erzeugter Kraftstoffe wie Biomethan auf ihre  CO2-Flottenzielwerte anrechnen können. Schließlich braucht es eine  Gasmobilitätsstrategie und den Aufbau eines LNG-Tankstellennetzes.

Wärme: mehr erneuerbare Prozesswärme und Förderung über Gebäudeenergiegesetz

Im Wärmesektor wird Bioenergie derzeit überwiegend in Form von  Abwärme aus Blockheizkraftwerken direkt vor Ort genutzt. In Zukunft kann  Biomethan verstärkt für Prozesswärme und in Nah- und Fernwärmenetzen  eingesetzt werden. Für industrielle Prozesswärme bietet Biomethan eine  erneuerbare Alternative, die auch bei hohen Temperaturen von über 500  Grad Celsius geeignet ist. Dafür wären Anreize für die Senkung der  CO2-Intensität der industriellen Prozesswärme erforderlich.

Über Nah- und Fernwärmenetze kann Biomethan dazu dienen, den Anteil  erneuerbarer Energien in der netzgebundenen Wärmeversorgung zu erhöhen.  Dadurch ließen sich an einigen Stellen aufwändige Eingriffe in  bestehende Heizsysteme ersparen. Um dies zu ermöglichen, wäre die  Einführung von CO2-Grenzwerten für Fernwärme sinnvoll. Alternativ könnte  auch die effiziente Nutzung von Biomethan in  Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) gefördert werden, etwa im Rahmen des  geplanten Gebäudeenergiegesetzes.

Strom: größere Wärmespeicher und Anbindung an Nah- und Fernwärmenetze

Im Stromsektor geht es weniger um den Ausbau als um die Optimierung  der Biomethannutzung. Strom aus Biomasse sollte ausschließlich in  effizienten KWK erzeugt werden, entweder als Nebenprodukt der  Wärmeerzeugung oder wenn KWK-Anlagen zur Sicherung der Stabilität im  Stromsystem beitragen. Durch die Bereitstellung von Regelenergie,  Blindleistung und anderen Systemdienstleistungen können Biomethan-KWK  wichtige Funktionen von konventionellen Kraftwerken übernehmen. Die  Flexibilität biomethanbetriebener KWK-Anlagen kann durch größere und  bessere Wärmespeicher sowie die Anbindung an Nah- und Fernwärmenetze  erhöht werden. 

Neben der konsequenten Erschließung von Biomassequellen für die  Gewinnung von Biogas und schließlich Biomethan können auch viele der  bestehenden 9.000 Biogasanlagen auf die Produktion von Biomethan  umgerüstet werden – vor allem dann, wenn die Abwärme der  Vor-Ort-Verstromung bisher nicht oder nur unzureichend genutzt wird.  Schließlich ist die Nutzung von Biomethan auf eine gut funktionierende  Gasinfrastruktur angewiesen. Im Jahr 2050 sollten dann weitestgehend  CO2-neutral erzeugtes Biomethan und synthetisches Methan aus  Power-to-Gas-Anlagen durch das Gasnetz fließen. 

Zur Biogaspartnerschaft

Die dena hat in Zusammenarbeit mit Partnern aus Land- und  Energiewirtschaft das Projekt „Biogaspartnerschaft“ entwickelt. Im  Rahmen des Projekts werden Marktakteure der gesamten Wertschöpfungskette  Biogaseinspeisung zusammengebracht und in ihren Aktivitäten zur  Marktgestaltung unterstützt. Die dena übernimmt dabei die Rolle des  Moderators und stellt eine Plattform für die Informationsbeschaffung und  -aufbereitung sowie deren nationale und internationale Verbreitung zur  Verfügung.

Weitere Informationen zum Projekt Biogaspartnerschaft.

Die Potenziale von Biomethan und das Strategiepapier werden auch Thema sein auf der biogaspartner Jahreskonferenz am 7. Dezember 2017 in Berlin.

        

Pressekontakt