Speicherhersteller fürchten Engpass bei Batteriezellen

Die Zellhersteller aus Fernost bevorzugen die großen Automobilkonzerne als Kunden.
nach Quelle: E&M powernews, 05.03.2018

Bild: iStock@Petmal 

Für Hersteller von Heimspeichern könnte es eng werden, denn sie konkurrieren mit großen Automobilkonzernen um Batteriezellen. Die Kapazitäten der Hersteller, wie beispielsweise LG, Samsung oder Sony, reichen laut Sven Bauer schon jetzt bei weitem nicht aus, um den weltweiten Bedarf für Anwendungen wie E-Mobilität, E-Bikes, Heimspeicher oder Heimwerker- und Gartengeräte zu decken. Der CEO des Batterieherstellers BMZ sieht derzeit eine Lücke von knapp 1 Mrd. Zellen, wie er beim diesjährigen Battery Experts Forum in Aschaffenburg berichtete. Die Angaben zur derzeitigen Produktion weltweit schwanken je nach Untersuchung. Sie dürfte aber bei 3,5 bis 4 Mrd. Stück liegen.

Deshalb habe sein Unternehmen im unterfränkischen Karlstein mit dem Bau eines Logistikzentrums begonnen, in Zeiten, in denen man als Industrieunternehmen gar keine Logistikzentren mehr selbst errichte, so Bauer. Es sei jedoch unausweichlich, Zellen „zu horten“. Denn selbst wenn man einen langfristigen Vertrag mit einem Lieferanten aus Fernost geschlossen habe, habe man heutzutage keine Garantie, auch tatsächlich Zellen geliefert zu bekomme, sagte der Gründer der BMZ-Gruppe, die immerhin einer der größten Akku-Hersteller Europas mit einem Bedarf an Zellen weit jenseits der 100 Mio. Stück ist.

Dass Zellproduzenten wie Samsung und LG angesichts begrenzter Produktionskapazitäten große Automobilkonzerne bevorzugen, gaben deren Vertreter in Aschaffenburg mal etwas verklausuliert, mal ganz offen zu. So teilt Samsung seine wesentlichen Kunden in zwei Gruppen ein: Automotive und Consumer Electronics. Von stationären Speichern war zumindest beim Vortrag von Yoon Jin Song keine Rede. Stattdessen warb er für Verständnis, dass Investitionen in neue Produktionslinien bisher ausgeblieben sind. An den dafür notwendigen Hunderten von Millionen Euro würde es nicht scheitern. Es herrsche jedoch noch eine gewisse Unsicherheit über die künftige Entwicklung, so jedenfalls die ganz eigene Sicht des Samsung-Managers auf den Markt.

Zwar können Zellen, die in den Antriebsbatterien von Fahrzeugen verwendet werden, auch für stationäre Speicher genutzt werden. Doch Konzerne wie Volkswagen oder auch Jaguar Land Rover, die Aufträge mit Stückzahlen im Milliardenbereich vergeben, kaufen den Markt einfach leer. Dabei werde der Bedarf vor allem in den Wachstumsmärkten Heimspeicher und E-Bikes noch deutlich steigen, so BMZ-Gründer Bauer.

BMZ ist einer der Gründer und Gesellschafter von Terra E. Das Unternehmen leitet ein Konsortium aus 18 Unternehmen, zu denen unter anderem Siemens, Thyssenkrupp, der Maschinenbauer Manz und SGL Carbon gehören, das derzeit die Grundlagen für den Aufbau einer Zellfertigung in Deutschland legt. Wie Ulrich Ehmes in Aschaffenburg erklärte, seien sieben Bundesländer im Pitch für die Standorte gewesen, in denen zum Teil Abteilungsleiter, zum Teil aber auch der Finanzminister selbst der Gesprächspartner gewesen sei. Daran sei zu erkennen, welchen Stellenwert das Projekt Zellfertigung in einigen Bundesländern genieße, so der Aufsichtsratsvorsitzende von Terra E. Derzeit würden die letzten Verhandlungen mit zwei Bundesländern geführt. In einer ersten Phase bis 2021 soll die Fertigung einer Kapazität von 1,5 Mio. kWh aufgebaut werden. Die ersten Zellen, die im zweiten Halbjahr 2019 gefertigt sein sollen, will sich Terra E laut Ehmes auch der Automobilindustrie als Partner empfehlen. In einer zweiten Phase zwischen 2022 und 2028 sollen dann 34 Mio. kWh an Speicherkapazität produziert werden.

Autor: Fritz Wilhelm

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