BVES sieht keine Grundlage für 30-Minuten-Kriterium

Der Bundesverband Energiespeicher spricht sich vehement gegen einen Antrag der Übertragungsnetzbetreiber zu Präqualifikationsanforderungen von Batterien für Primärregelleistung aus.
nach Quelle: E&M PowerNews, 06. November 2017


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Nach den Vorstellungen von Tennet, Amprion, Transnet BW und 50Hertz sollen Speicher ihre volle Regelleistungskapazität mindestens 30 Minuten zur Verfügung stellen können.Diese Anforderung für die Präqualifizierung von „technischen Einheiten mit begrenztem Energiereservoir“ für die Primärregelleistung ist Gegenstand eines Antrags der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber bei der Bundesnetzagentur.
In einer Stellungnahme dazu macht der Bundesverband Energiespeicher (BVES) deutlich, dass er diese Anforderung für überzogen hält. Keines der von den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) vorgebrachten Argumente für einen Mindesterbringungszeitraum von 30 Minuten sei überzeugend und belege eine entsprechende technische Notwendigkeit.
Die Primärregelleistung wird beim Auftreten einer kritischen Frequenzabweichung im Netz innerhalb von 30 Sekunden automatisch aktiviert. Da die Sekundärregelleistung bereits nach 5 Minuten voll aktiviert sein müsse, sei nicht ersichtlich, weshalb an die Erbringung der Primärregelleistung eine technische Anforderung von 6-facher Dimension gestellt werden solle. „Selbst wenn es aus technischer Sicht zu einem wiederholten Einsatz von frequenzstabilisierender Primärregelleistung kommen sollte, wäre ein dahin gehendes technisches Erfordernis weit überdimensioniert“, heißt es in der Stellungnahme.
Als „unverhältnismäßig“ bezeichnet es der BVES, dass sich die technischen Anforderungen an ein Produkt auf nachgelagerte Aufgaben erstrecken, dass also Anbieter von Primärregelleistung auch die Anforderungen an Anbieter von Sekundärregelleistung erfüllen müssen. Sogar die Minutenreserve, die nach 15 Minuten voll aktiviert sein muss, wäre noch abgedeckt.
Die Primärregelleistung diene dazu, eine Frequenzabweichung in einer Regelzone aufzufangen. Sowohl Sekundärregelleistung als auch Minutenreserve seien dazu da, die Frequenz wieder zurückzuführen. Es sei nicht Sinn und Zweck der Primärregelleistung, die beiden anderen Instrumente abzusichern. Deren Ausfall sei schlichtweg nicht vorgesehen. Entsprechend hohe Anforderungen machten dies deutlich.
Die von den Übertragungsnetzbetreibern für ihre Argumentation herangezogenen Störfälle und „Großereignisse“ liefern nach Ansicht des BVES keinerlei Belege dafür, dass eine Präqualifizierung mit 30 Minuten eine positive Auswirkung auf die Netzstabilisierung gehabt hätte.
Der Verband weist darauf hin, dass im sogenannten Transmission Code 2007 auf Grundlage des Energiewirtschaftsgesetzes die Übertragungsnetzbetreiber eine Abgabe der Primärregelleistung über mindestens 15 Minuten vorschreiben. Die Regelung sei technologieneutral und unterscheide nicht zwischen Anlagen mit und ohne begrenztem Energiereservoir. Im Jahr 2015 hätten dann die ÜNB für Batterien mit begrenzten Speichervolumen zweimal 15 Minuten (Doppelhöcker-Kurve) nacheinander als Mindestanforderung eingeführt.
In der Verordnung zur Festlegung einer Leitlinie für den Übertragungsnetzbetrieb (System Operation Guideline) vom 2. August 2017 hat die EU-Kommission schließlich die Übertragungsnetzbetreiber dazu verpflichtet, einen Vorschlag für einen Mindesterbringungszeitraum zu erarbeiten, der nicht weniger als 15 und nicht mehr als 30 Minuten betragen darf. Eine Nutzen-Kosten-Analyse soll die Entscheidung flankieren.
Bis zu dieser Entscheidung beruft sich der BVES auf Art. 156 Abs. 9 der EU-Verordnung, in dem es heißt, dass in Ermangelung anderer Zeitraumvorgaben der Anbieter von Primärregelleistung mit begrenzten Energiespeichern in der Lage sein muss, diese mindestens 15 Minuten lang vollständig zu aktivieren.
Der Bundesverband Energiespeicher betont, dass eine Gleichbehandlung aller Anbieter von Primärregelleistung unabdingbar sei. Sonderregelungen für bestimmte Technologien hält er für nicht zulässig. Wenn allerdings erwiesener Maßen für die Systemsicherheit ein Zeitraum von 30 Minuten notwendig sei, könnten Batteriespeicher diese Anforderung auch technisch umsetzen. Dann müsse jedoch sichergestellt sein, dass alle anderen Anbieter auch diese erhöhten Anforderungen erfüllen können.
 
Autor: Fritz Wilhelm
 
Weitere Informationen: Stellungnahme des BVES