Conference on Future Automotive Technology Focus Electromobility

28./29. April 2015, Veranstaltungsforum Fürstenfeld

 

Bericht

Die 2012 von Bayern Innovativ gemeinsam mit der TU München zum ersten Mal ausgerichtete Conference on Future Automotive Technology konnte in ihrer vierten Auflage erneut an Format zulegen. Über 300 Teilnehmer erlebten an zwei Tagen ein intensives Programm mit 40 Fachvorträgen und lebendigen Diskussionsplattformen zu aktuellen Entwicklungen der Elektromobilität. Das neue Tagungszentrum Fürstenfeld bei München bot die perfekte Kulisse zum Netzwerken.

„Forschungsexzellenz ist am Standort Deutschland zwingend erforderlich. Die Aufgabe einer modernen Universität ist, junge Leute mit einem breiten Wissensspektrum auszustatten. Denn entscheidend sind die Köpfe!“, betonte Prof. Wolfgang A. Herrmann anlässlich der Eröffnung der CoFAT 2015. Der Präsident der TU München zeigte am Beispiel der Elektromobilität die Ansätze der Elite-Uni, diesem Anspruch gerecht zu werden. So sei es gelungen, die relevanten Lehrstühle aufzubauen und namhafte Wissenschaftler nach München zu holen. Nachholbedarf sieht Prof. Herrmann bei der industriellen Umsetzung elektrochemischer Speichertechnologien: „Dies ist eines der Kernthemen für den Erfolg der Elektromobilität!“

Purpose Design oder Anpassung bestehender Architekturen? In den Plenarvorträgen des ersten Kongresstages stellten leitende Mitarbeiter großer Automobilhersteller die unterschiedlichen Strategien ihrer Unternehmen vor. Aus Sicht von Christoph Grote, Geschäftsführer der BMW Forschung und Technik GmbH, bietet die spezifische Auslegung von Elektrofahrzeugen das größte Potenzial, den Kunden Fahrfreude anzubieten und damit Erfolg am Markt zu haben. Für Thomas Lieber, Leiter Elektro-Traktion im VW-Konzern, steht die Bezahlbarkeit von Elektrofahrzeugen im Vordergrund. Volkswagen setzt deswegen auf das Baukastenkonzept und eine breite Modellpalette mit allen Antriebsvarianten. „Nur OEMs, die das ganze Portfolio anbieten, können überleben. Denn es werden sich mehrere Systeme etablieren!“ Für Anbieter leistungsstarker und schwerer Fahrzeugen sei indes die Plug-in-Hybridtechnik der einzig sinnvolle Weg, die CO2-Ziele zu erreichen, betonte Jaguar Landrover-Entwicklungsvorstand Dr. Wolfgang Ziebart, der bei der CoFAT wenige Tage vor seiner Pensionierung nochmals einen vielbeachteten Vortrag hielt. Eine Vollelektrifizierung würde in dieser Klasse keinen Sinn machen. Für Prof. Markus Lienkamp, Inhaber des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik an der TU München, sind die derzeit noch hohen Kosten der Hauptgrund für die zögerliche Entwicklung der Elektromobilität.

Entscheidend für den Erfolg sind aus seiner Sicht passende Fahrzeugkonzepte sowie ausreichende Produktionskapazitäten für Speicherzellen. In den nächsten zehn Jahren erwartet der Wissenschaftler massive Kostensenkungen durch Skaleneffekte. Mit einer innovativen Software ist es der TU München gelungen, das ideale Elektrofahrzeug zu berechnen: Ein viersitziges Auto mit Aluminium-Karosserie, einem 90 Kilowatt starken Elektromotor, einer Batterie mit 350 Kilometer Reichweite und einem Preiss von 25.000 Euro. In einer von dem renommierten Fachjournalisten Johannes Winterhagen moderierten Podiumsdiskusison erteilte Bayerns Wirtschafts-Staatssekretär Franz Josef Pschierer eventuellen Kaufanreizen in Form von Prämien eine klare Absage. Der Freistaat Bayern leistet stattdessen finanzielle Unterstützung zur Entwicklung von Elektromobilität durch intensive Forschungsförderung.

Neue technische Lösungen

In den anschließenden parallelen Vortragsreihen präsentierten Automobilhersteller, Zulieferer und Forscher neue technische Lösungen und Ansätze aus allen für die Elektromobilität relevanten Themenfeldern. Große Aufmerksamkeit erfuhr das BMW-Konzept „Hocheffizienz-Hybridauto“. Das Fahrzeug, bei dem erstmals eine selbstragende CFK-Karosserie zum Einsatz kommt, bietet vier Personen Platz und transportiert 350 Liter Gepäck. Mit seinem seriellen Hybridantrieb, bei dem der Verbrennungsmotor ausschließlich dazu dient, die Batterie nachzuladen, erreicht es einen rekordverdächtigen Verbrauch von nur 0,4 Liter Benzin auf 100 Kilometer im NFEZ.

Eine Elektromaschine mit Permanentmagnetrotor, hohem Drehmoment, hoher Leistungsdichte und einem exzellenten Wirkungsgrad von 95 % präsentierte der Entwicklungsdienstleister emosys. Weil auch der Materialbedarf deutlich reduziert werden konnte, fallen Gewicht und Volumen niedrig aus. Vom DLR kommt ein interessantes Konzept eines thermochemischen Wärmespeichers für effizientes Thermomanagement im Fahrzeug. Tests auf dem Prüfstand bestätigten die hohe Leistung und eine verlustfreie Langzeitspeicherung, die für Elektrofahrzeuge wichtig ist, um hohe Reichweiten zu erreichen. Hochflexible und hocheffiziente Batteriepacks für Elektrofahrzeuge mit Echtzeitmonitoring der einzelnen Zellen stellte das junge Start up INVENOX vor, eine Ausgründung der TU München.

Auto als Teil des Internets

Die Session „Mobile Applikationen und vernetzte Funktionen“ gab einen Einblick in die Zukunft des Automobils als Teil des Internets: Gezeigt wurde unter anderem, wie eine Software-Integrationsarchitektur für unterschiedliche Nutzer von Mobilitätslösungen aussehen kann oder welche Herausforderungen das Backend im Fahrzeug bewältigen muss. So ermöglicht das Projekt "Business eCar sharing“ der Carano Software Solutions GmbH, Elektrofahrzeuge innerhalb von Flotten intelligent zu managen.
Die Session „Energie und CO2-Effizienz“ verdeutlichte, dass Leichtbaukonzepte einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Energie- und CO2-Effizienz leisten können. Basis für effizienten Leichtbau sind insbesondere carbonfaserverstärkte Kunststoffe und Aluminium. Der großserientechnische Durchbruch für faserverstärkte Kunststoffe wird in fünf Jahren erwartet. Heinrich Timm, Leiter der Technologie Netzwerke der Audi GmbH, betonte die Bedeutung neuer Aluminiumlegierungen für automobile Anwendungen.

Weitere Vorträge behandelten Themen wie Rekuperation, Energieeffizienz, Ladetechnik und Ladeinfrastruktur und unterschiedliche Szenarien der Marktentwicklung.

Auf großes Interesse stieß die diesjährige Fachausstellung, die 16 Ausstellern eine repräsentative Präsentationsfläche bot. Weitere sieben Posteraussteller konnten ihre Innovationen zudem in zweiminütigen Pitchsessions im Plenum vorstellen und erfuhren dabei eine hohe Resonanz. Viele Teilnehmer und Aussteller, Partner und Vertreter der Sponsoren meldeten bereits jetzt Ihr großes Interesse an der CoFAT 2016 an: Wir kommen wieder nach Fürstenfeldbruck!

Stimmen zur CoFAT 2015

Steffen Lintz, IAV GmbH, München
„Qualität, Professionalität, thematische Ausrichtung, Location, Frische der Diskussionen und Pitchsessions und Teilnehmer waren hochwertig und anregend. Vielen Dank für die von Bayern Innovativ und Prof. Lienkamp geleistete Arbeit. Sie hat sich gelohnt!“

Dr. Michael Scherz, Österreichisches Generalkonsulat München
„Die COFAT 2015 war für uns eine der besten Veranstaltungen im Automotive Bereich! Besonders gefallen hat uns, dass die Aktualität bzw. der Stellenwert der Elektromobilität durch die Podiumsdiskussion mit Vertretern von Politik, OEMs und Fachpresse unterstrichen wurde. Ebenso hervorzuheben ist, dass die österreichischen Teilnehmer Ihr technisches Know-how und Ihre Innovationen durch die Teilnahme an den Plenarvorträgen und Pitchsessions präsentieren konnten.“

Fachlicher Ansprechpartner 
Holger Czuday
Tel. +49 911-20671-212
Fax +49 911-20671-733

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