münchener kolloquium
Conference on Future Automotive Technology
Focus Electromobility

17./18. März 2014, TU München, Campus Garching

 

Bericht

Elektromobilität erlebbar – erfahrbar - greifbar

Bereits zum dritten Mal öffnete die TU München am Campus Garching ihre Tore für die „Conference on Future Automotive Technology“ (CoFAT). Am 17. und 18. März 2014 nutzten über 330 Teilnehmer die in enger Kooperation der Bayern Innovativ GmbH mit dem Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TU München konzipierte Konferenz, um sich über neueste Trends der Automobiltechnologie mit dem Schwerpunkt Elektromobilität zu informieren und innovative Projekte anzustoßen.

 „Keine andere Branche bedingt derart vernetztes Denken zwischen den Megathemen Automobil – Energie – Stadt der Zukunft wie die Automobilindustrie“, beschreibt Prof. Werner Klaffke, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH, die Anforderungen an Entwicklungen für die künftige Mobilität. „Dies erfordert vollkommen neue Fahrzeugkonzepte, neue Antriebs- und Energiespeichertechnologien und neue Mobilitätsdienstleistungen.“ Zwischen 2020 und 2025 werde ein massiver Umbruch zur Elektromobilität erfolgen, ist sich Prof. Markus Lienkamp, Inhaber des Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik an der TU München, sicher. Wesentliche Treiber werden nach Meinung des angesehenen Automobil-Experten nicht schärfere Auflagen des Gesetzgebers sein, sondern die steigenden Mobilitätskosten für den Verbraucher. „C0²-Gesetze werden keine große Rolle mehr spielen, durch Elektrofahrzeuge spielen Mobilitätsangebote eine immer größere Rolle“, erläuterte Lienkamp zur Eröffnung des Kongresses den rund 330 Teilnehmern aus sieben Ländern.

Antriebs- und Systemtechnik - Energiespeichertechnik - Mobilität und Dienste

In einem vielbeachteten Plenarvortrag präsentierte Thomas Weilnhammer, Leiter Funktionale Integration i8 der BMW Group München, das zukunftweisende Konzept des voraussichtlich ab Juni 2014 erhältlichen BMW i8.  Mit diesem Fahrzeug wird bei BMW der Sportwagen neu gedacht. „Der BMW i8 ist ein Plug-in-Hybrid, der die Vorteile von innovativer Elektro- und Verbrennungsmotortechnologie in sich vereint“, so Thomas Weilnhammer. In der Folge präsentierten Wissenschaftler und Unternehmensvertreter in drei parallelen Vortragsreihen aktuelle Projekte und Konzepte zu den drei Themenfeldern Antriebs- und Systemtechnik - Energiespeichertechnik - Mobilität und Dienste.

Verlustarme Antriebe lassen sich sowohl rein elektrisch als auch in Hybridsystemen realisieren. Die Auslegung der E/E-Architektur sowie verschiedene Spannungsebenen geben den erforderlichen Spielraum, wie das Beispiel eines 48 V mild Hybrids von IAV zeigt. Auch die seit langem diskutierten Ansätze im Thermomanagement finden zunehmend konkrete Umsetzungen. Beispielhaft präsentierte Sebastian Bender, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TU München das Elektro-Konzeptfahrzeugs EVA. Dieses speziell für asiatische Megacities entwickelte Taxi ermöglicht unter anderem eine individuelle Klimatisierung für jeden Passagier, was zur Optimierung der Energiebilanz des Fahrzeugs wesentlich beiträgt.

Einen wesentlichen Einfluss auf die Reichweite von Elektrofahrzeugen haben neben leistungsfähigen Stromspeichern nicht zuletzt die Komponenten. Die Entwicklung und Optimierung energiesparender Komponenten liegt daher im Fokus der Entwickler, erläuterte Prof. Lienkamp. Vor einer grundlegenden Entscheidung steht die Industrie bei den Energiespeichern der Elektrofahrzeuge: VDA-Zellen konkurrieren hier mit 18650er Laptopzellen. Bei Lithium-Ionen-Batterien bestimmen die eingesetzten Keramiken und Polymere wesentlich die Leistungsstärke. Überraschendes Ergebnis eines Forschungsprojektes an der TU München ist der mögliche positive Einfluss der Rekuperation auf die Batterielebensdauer. „Batteriespeicher sollten möglichst viel durch Rekuperation geladen werden, dies reduziert die Entladetiefe und verkürzt nachfolgende Ladephasen, die idealerweise bei einer Batterietemperatur von 25 °C stattfinden sollten“ so das Fazit von Peter Keil.

Wie Prof. Markus Lienkamp den Konferenzteilnehmern bereits bei seiner Begrüßung erläutert hatte, werden aus seiner Sicht entsprechende maßgeschneiderte Mobilitätsdienstleistungen der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen. Unter anderem werde sich die Einstellung zum Automobil in den kommenden Generationen grundlegend wandeln: Die Kunden werden vom Besitzer zum Benutzer. Erste interessante Serienfahrzeuge entstehen durch kundengetriebene Entwicklungen für regionale Belange. In den Startlöchern steht beispielsweise der Streetscooter, ein an der RWTH Aachen entwickeltes E-Fahrzeug für den Kurzstreckenlieferverkehr der Deutschen Post. Weiterhin von Interesse ist auch die Entwicklung von Ladeinfrastruktur-Konzepten: Hier sind völlig unterschiedliche Herangehensweisen notwendig, da die Rahmenbedingungen von Megacities wie Peking beispielsweise nicht auf Städte wie München übertragbar sind. Eine interessante Lösung kommt aus Berlin: urbitricity schlägt vor, den Zähler in das Ladekabel zu integrieren. „Es ist keine Kommunikationeinrichtung in den Ladepunkten notwendig, daher werden die Ladepunkte deutlich billiger, und es falen keine laufenden Kosten am Ladepunkt an“ erläuterte Dr. Stützle.

Prof. Dr. Herbert Kohler, Direktor für Konzernforschung und Nachhaltigkeit, Daimler AG, Stuttgart ist überzeugt, dass das Auto als „I Phone on wheels“ in die Zukunft fahren wird. In einem visionären Key Note Vortrag mit dem Titel  "Futurology 3.0: intelligent drive, connected c@r and zero emission vehicles" fasste er die wesentlichen Erfolgsfaktoren für künftige Mobilität zusammen: „Design, Sicherheit, Nachhaltigkeit, Leichtbau, autonomes Fahren, e-drive“.

eMobiliät erFahren

Die 3. CoFAT ermöglichte erneut, sich bei Plenar- und Fachvorträgen, einer Ausstellung mit Marktplatz, einer Postersession mit Projekten von Forschern und Entwicklern und einem umfangreichen Rahmenprogramm über neueste Technologien, Konzepte und aktuelle Forschungsthemen aus drei zentralen Gebieten der Elektromobilität zu informieren:

13 Aussteller nutzten die Gelegenheit, ihre Forschungsprojekte zusätzlich bei Kurzvorträgen im Plenum sowie auf Postern in der Ausstellung zu präsentieren. Die Filmmitschnitte stehen auf Bayern Innovativ WebTV zur Verfügung.

Auf großes Interesse stieß auch das Angebot "eMobiliät zu erFahren" des Schaufensters „ELEKTROMOBILITÄT VERBINDET Bayern und Sachsen“. Über 70 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, Elektroautos wie den BMW i3 bei ausführlichen Probefahrten im Münchener Norden zu testen. Die CoFAT bewies sich auch in ihrer dritten Auflage als optimale Plattform für die Vermittlung von neuen Ergebnissen aus wissenschaftlicher Forschung und industrieller Anwendung. Dieser Austausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft wird durch die Zusammenarbeit der Bayern Innovativ und der TU München beflügelt.

Ansprechpartner:

Holger Czuday, Bayern Innovativ
Prof. Markus Lienkamp, TU München

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