Power-to-Gas soll Batterie der Energiewende werden

Das Power-to-Gas-Verfahren zur Produktion von grünem Gas aus erneuerbarem Strom sollte rasch vom Forschungsstatus in die praktische Anwendung gebracht werden, fordern Gasversorger.
nach Quelle: E&M PowerNews, 28. Juni 2017


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Timm Kehler, Vorstand der Gaswirtschaftsinitiative Zukunft Erdgas, sieht gute Chancen, ab 2030 ein „wettbewerbsfähiges Angebot“ für erneuerbares Gas aus Power-to-Gas-Anlagen in den Markt zu bringen. Diese Entwicklung sei möglich, weil für die Energiewende dringend Speicher gebraucht werden.
Mit Power-to-Gas könnten Gasnetze und unterirdische Gasspeicher auch als große Speicher für erneuerbaren Wind- und Solarstrom erschlossen werden, sagte Kehler in Berlin bei der Vorstellung einer aktuellen Studie zum Potenzial von Power-to-Gas, die von der Nymoen Strategieberatung durchgeführt wurde.
 
Bisher ist Power-to-Gas, also die Produktion von speicherbarem grünem Gas aus erneuerbarem Strom, zwar technisch schon relativ weit entwickelt, jedoch noch weit entfernt von der Wirtschaftlichkeit. Die für die Studie befragten Experten halten jedoch für die kommenden zehn Jahre beim zentralen Prozessschritt, der Elektrolyse, signifikante Wirkungsgradverbesserungen und deutlich sinkende Kosten für möglich.
 
Zwei Drittel der Befragten erachten Wirkungsgradverbesserungen von fünf bis zehn Prozentpunkten bis 2030 für machbar, ein Drittel sogar noch größere Effizienzfortschritte. Eine deutliche Mehrheit ist ferner der Auffassung, dass die Kosten für die Elektrolyse um mindestens 50 Prozent zurückgehen. Rund 56 Prozent erwarten die Wettbewerbsfähigkeit von grünem Gas aus Power-to-Gas bis 2030, weitere 22 Prozent rechnen damit bis 2040.
 
„Power-to-Gas ist eine Technik, die wir als Batterie der Energiewende brauchen“, zeigte Kehler die Perspektiven auf. Sie sei nicht nur geeignet, Energie kurzfristig zwischenzuspeichern, sondern auch „aus dem Sommer in den Winter zu bringen“. Saisonale Speicher mit großer Aufnahmekapazität seien erforderlich, um die unstete erneuerbare Stromerzeugung auszugleichen. Nachdem Power-to-Gas in den letzten Jahren in etwa 30 Anlagen im Labor- und Forschungsmaßstab entwickelt und erprobt wurde, sei nun der Zeitpunkt gekommen, den nächsten Schritt zu gehen.
 
Regulatorischen Hemmnisse behindern kommerziellen Einsatz
 
„Ich kenne keinen großvolumigen Speicher, der so nah an der Wirtschaftlichkeit ist wie Power-to-Gas“, sprach sich in Berlin auch Constantin Alsheimer für die Technik aus. Der Vorstandsvorsitzende des Frankfurter Energieversorgers Mainova plädierte dafür, eine große Power-to-Gas-Anlage als Alternative zu den Stromübertragungsleitungen für den Nord-Süd-Transport erneuerbaren Stroms auszuschreiben. „Wir brauchen Technologieoffenheit und einen Wettbewerb der Technologien“, so Alsheimer. Bei passenden Rahmenbedingungen sei er überzeugt, dass sich Power-to-Gas auch als Speicher von erneuerbaren Energien durchsetzen werde.
 
Bisher sind die Rahmenbedingungen jedoch nach Einschätzung von Zukunft Erdgas und der für die Studie befragten Experten nicht geeignet, um Power-to-Gas zum kommerziellen Einsatz zu bringen. Kritisiert werden vor allem „regulatorische Hemmnisse“. Power-to-Gas-Anlagen würden beispielsweise nicht als Teil einer Speicherlösung betrachtet, sondern als Energieverbraucher eingestuft und deshalb mit Steuern und Abgaben belastet. „Die Abgaben müssen weg“, forderte Alsheimer.
 
Außerdem werde das damit erzeugte Gas bei der Nutzung als Autokraftstoff wie auch als Heizenergie nicht voll als erneuerbare Energie angerechnet, bemängelte Kehler. Auch das müsse geändert werden. Für die Weiterentwicklung von Power-to-Gas erforderlich sei, erneuerbaren Gasen eine Chance zu geben und Anreize zu schaffen, sie zum Einsatz zu bringen.
 
„Erste realistische Schritte“ und eine Zulassung von Power-to-Gas als Energietransportalternative forderte beim Effizienzdialog der Energiewirtschaftsverbände ASUE und DVGW im Juni in Berlin auch Gerald Linke. Der Vorstandsvorsitzende des DVGW sprach sich dafür aus, die Technologie möglichst rasch zum Einsatz zu bringen, um bei der Energiewende und beim Klimaschutz voranzukommen.
 
Beim Power-to-Gas-Verfahren wird über Elektrolyse von Wasser mit regenerativem Strom erneuerbarer Wasserstoff produziert, der in einem zweiten Schritt in Methan, also erneuerbares Erdgas umgewandelt und in der Gasinfrastruktur transportiert oder gespeichert werden kann. Kritiker bemängeln hohe Umwandlungsverluste und hohe Produktionskosten für das erneuerbare Gas. 
 
Autor: Peter Focht