Akzeptanz für Energiewende schwindet

Die Mehrheit der Deutschen steht hinter der Energiewende – bemängelt werden Kosten und bisher geringe Klimaschutzwirkung. Die Politik will bei den Kosten für Verbraucher gegensteuern.
nach Quelle: E&M PowerNews, 17. Mai 2017
Deutlich mehr als die Hälfte der Bundesbürger sind der Auffassung, dass die Energiewende ein wichtiges Projekt ist und halten sie für richtig. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Marktforschungsgesellschaft GfK hervor, die Zukunft Erdgas in Auftrag gegeben hat. Doch der Zustimmungswert sei geringer ausgefallen als früher, warnt Timm Kehler, Vorstandsvorsitzender der Gaswirtschaftsinitiative vor falschen Schlüssen aus der Umfrage.
 
Mehr als die Hälfte der Befragten hätten auch die Auffassung geäußert, die Energiewende trage bislang nicht ausreichend zum Klimaschutz bei, sagte Kehler bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin. Noch einmal deutlich mehr seien der Meinung, die Kosten der Energiewende seien zu hoch. Und über zwei Drittel der von GfK Interviewten hätten im Rahmen der Befragung sogar die Ansicht geäußert, die Energiewende müsse von der Politik besser organisiert werden.
 
Zukunft Erdgas und Kehler leiten daraus vor allem die Folgerung ab, bei der weiteren Energiewende den CO2-Ausstoß stärker als Leitgröße einzubeziehen. Die Gaswirtschaft ist weiter der Ansicht, dass in der Wärmeversorgung mit verstärktem Einsatz von Erdgas in modernen Brennwertkesseln und Brennstoffzellen im Austausch gegen alte Heizanlagen eine deutliche Reduzierung der Treibhausgasemissionen erreicht werden könnte.
 
Die kürzlich bekannt gewordenen Pläne des Bundeswirtschaftsministeriums für eine neue Förderstrategie, die reine Gasheizungen künftig von öffentlichen Fördermitteln ausschließen würde, hält er deshalb für den falschen Weg. „Wir brauchen eine weiter konsequente Förderung“, fordert Kehler. Auch in der konventionellen Stromerzeugung plädiert er für ein konsequentes Umsteigen von Kohle auf Erdgas als Brennstoff und damit deutliche Fortschritte beim Klimaschutz.
 
Auf politischer Ebene werden die Umfrageergebnisse vor allem als Aufforderung bewertet, die durch die Energiewende verursachten Kosten für die Verbraucher zu begrenzen. „Die Industrie kommt in Schwierigkeiten – und das macht mir die größten Sorgen“, sagte bei der Diskussion der Umfrageergebnisse Michael Fuchs, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bundestagsfraktion. Er kritisierte vor allem den seiner Ansicht nach zu starken Ausbau der Windkraft an Land wie auch auf See, stark steigende Netzentgelte und dennoch nicht vorankommenden Ausbau der großen Nord-Süd-Stromübertragungsleitungen als Ursachen der hohen Strompreise für Verbraucher.
 
Merken, dass Wind und Sonne keine Rechnung stellen
 
Fuchs warnte vor der Gefahr, dass die bisher hohe Akzeptanz für die Energiewende „in die andere Richtung läuft“. Die Pläne für die neue Förderstrategie aus dem Wirtschaftsministerium hält er für falsch. Man werde nicht um Maßnahmen zur CO2-Reduzierung herumkommen, so der CDU-Mann. „Und dazu gehört die Erdgasheizung“.
 
Auch Hans-Joachim Schabedoth, der für die SPD im Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie sitzt, mahnte, endlich dafür zu sorgen, „dass die Verbraucher merken, dass Wind und Sonne keine Rechnung stellen“. Er kündigte an, seine Partei werde „an allen Stellschrauben“ versuchen, die Strompreise zu senken. Er sei der Auffassung, „dass die Energiewende gesamtgesellschaftlich finanziert werden muss“, äußerte sich der Abgeordnete zu Diskussionen über eine Steuerfinanzierung von EEG-Umlagekosten. „Wir finden eine Lösung“, versprach Schabedoth, ohne konkrete Vorschläge zu nennen.
 
Patrick Graichen, Direktor der Politikberatungsgesellschaft Agora Energiewende, ist der Überzeugung, „dass man die Energiewende kostengünstig hinbekommen kann“. Er sieht vor allem Effizienzsteigerungen, aber auch den zunehmenden Einsatz von erneuerbare Strom für die Wärmeversorgung als richtigen Weg und sprach sich für den Einsatz von hybriden Heizungssystemen aus.
 
Graichen verteidigte auch die Pläne für die neue Förderstrategie. Ein Brennwertkessel sei nur „Business as usual“ und das sei zu wenig, um eine staatliche Förderung zu rechtfertigen. Er sprach sich ferner für eine veränderte Verteilung klimaschutzbezogener Umlagekosten auf die verschiedenen Energieträger zugunsten der weniger klimaschädlichen aus. „Man kommt um eine große Abgabereform nicht herum“, so der Agora-Chef. Für Kehler ist das wiederum keine Lösung, weil es seiner Ansicht nach zu einer Benachteiligung für Erdgas führen würde.
 
Das Thema Kosten der Energiewende und ihre Verteilung auf die Verbraucher – das zeigte die Diskussion in Berlin deutlich – hat gute Chancen, zu einem zentralen Punkt des bevorstehenden Bundestagswahlkampfes zu werden.
 
Autor: Peter Focht