19. Kooperationsforum

Bordnetze

22. November 2016, Audi Sportpark, Ingolstadt

 

Bericht

Vor ausverkauftem Haus mit über 380 Teilnehmern und 19 Ausstellern aus dem gesamten Bundesgebiet sowie weiteren neun Ländern führte das Kooperationsforum Bordnetze die komplette Wertschöpfungskette vom Automobilhersteller über den Konfektionär bis hin zum Komponentenzulieferer zusammen. Die Veranstaltung fand im Audi Sportpark in Ingolstadt in Kooperation mit AUDI statt.

Kernthema war in diesem Jahr die Betriebssicherheit des automobilen Bordnetzes: Im Kontext des hochautomatisierten Fahrens und der immer weiteren Verschmelzung von Energie- und Datenbordnetz erhöhen sich die Anforderungen im gesamten Bordnetz: von der Konzeption einer grundsätzlich neuen Architektur, der Überlegung zu Redundanzen bis zum Datentransfer in den Produktionseinheiten.

Den Keynote „Das Bordnetz im Spannungsfeld des pilotierten Fahrens“ präsentierte Dr. Ole Mende – Leiter Entwicklung/Konstruktion Bordnetzkomponenten bei der AUDI AG. Als Ausgangspunkt benannte er die TOP Innovationstreiber der Automobilindustrie: Effizienz/Elektrifizierung, Connectivity, pilotiertes Fahren und Parken. Aus diesen Themen abgeleitet ergeben sich die Beiträge des Bordnetzes bezüglich Fehlfunktionerkennung, Fehlerkompensation und Systemauslegung, um die Versorgung von Daten und Energie sicherzustellen. Um diesen Herausforderungen begegnen zu können, werden in Zukunft neue Sicherheitskonzepte – vom bisherigen Fail Safe hin zum Fail Operation – benötigt. So wurde ein Architektur-Konzept analog zur Funktionsweise des Gehirns vorgestellt, das ausgehend von einer zentralen Recheneinheit über spezifische Funktionen-Domänen die Sensor- bzw. Aktor-Ebene verkoppelt. Die zentrale Computing Einheit wird doppelt/redundant ausgelegt („Twin Peaks“) und über schnelle Bussysteme mit der Sensor/Aktor-Ebene verbunden, die in lokale Zonen ausdifferenziert wird. Ebenfalls vorgestellt wurde eine Ableitung der Funktionalen Sicherheit aus der ISO 26262 bzw. ASIL-Nomenklatur für das Bordnetz. Zur Ermittlung der Ausfallwahrscheinlichkeit im Bordnetz wurde ein Umdenken der Erprobung einer „Test to Limit“ auf ein „Test to Fail“ Prozedere – ebenso wie eine Erweiterung des EoL-Testings.

Die Beiträge von Martin Widmaier/Kromberg und Schubert, Sebastian Dörnbach/Intedis/Leoni, Goetz Roderer/Yazaki Systems Technologies und Michael Wortberg/Dräxlmaier flankierten von Zulieferer-Seite das Thema Daten- und Energie-Bordnetz im Kontext hochautomatisiertes Fahren und stellten u.a. eigene Architektur- und Auslegungs-Konzepte zur Umsetzung der funktionalen Sicherheit sowie der Absicherung des automobilen Bordnetzes vor.

Im Zuge von schnellen Datenraten stellte Glenn Oliver/DuPont Electronics Materials Werkstoffe für flexible Leiterplatten vor und welche Möglichkeiten diese Technologie eröffnet. Bereits heute finden diese in der Automotive-Branche vielfach ihren Einsatz, wie Dr. Harald Schenk/Mektec Europe an diversen Anwendungsbeispielen wie z.B. Frontscheinwerfer zeigte. Diese Ansätze passen hervorragend zu den vorgestellten Zonen-Konzepten der Bordnetz-Architektur.

Auch das Thema Industrie 4.0 im Kontext automatisierte Bordnetz-Fertigung wurde beleuchtet. Dr. Gerhard Schaub und Bernd Jost von der Di.IT stellten ihr Konzept vor, das eine systemische Betrachtung der Fertigung beinhaltete. So genügt es nicht, alleine die Automatisierungs-Maschine in der Taktrate zu bewerten – relevant sind auch vor- und nachgeschaltete Prozesse der Weiterverarbeitung bzw. Modul-Zusammenführung.

Helmut Hummel von PSW automotive engineering veranschaulichte in seinem Vortrag ein Zusammenarbeitsmodell zwischen OEM und Engineering-Dienstleister (EdL), wie es bereits heute zusammen mit Audi umgesetzt wird. Neben dem eigenverantwortlichen Handeln ist auch die Sicherstellung von Know How als Basis der Entwicklungsarbeit Ziel einer erfolgreichen und nachhaltigen Kooperation.

Diesen Themenbogen nahm auch der Abschlussvortrag von Georg Seitz, AUDI AG auf. Er zeigte einen Statusbericht zum im Hochschuljahr 2014/2015 gestarteten Wahlpflichtfach „Bordnetzprozesskette“ an der TH Ingolstadt. Erweitert wurde dieses Konzept inzwischen durch eine Zertifikatausbildung „Bordnetzfachkraft-IHK“, die zusammen mit der Audi Akademie und der IHK Ingolstadt durchgeführt wird.

Die diesjährigen Beiträge machten deutlich, dass das Bordnetz ein essentieller Baustein auf dem Weg zum hochautomatisierten Fahren sein wird. Innovative Architekturen sowie automatisierte Fertigungsprozesse werden neben der gezielten Nachwuchsförderung ihren Beitrag zur Erreichung der gesteckten Ziele leisten.

Somit können wir bereits heute mit Spannung auf das Kooperationsforum „Bordnetze 2017“ – dann wieder in München – blicken.

Fachlicher Ansprechpartner 
Dr. Andreas Böhm
Tel. +49 911-20671-214
Fax +49 911-20671-733

Fachlicher Ansprechpartner 
Alexander Strauß
Tel. +49 911-20671-217
Fax +49 911-20671-733

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