Cluster-Treff

Biogas und BHKW - Optimierungspotenziale nutzen

25. Juni 2014, BayWa AG, München

 

Bericht

  • Biomethanhandel – Schlüssel zu mehr Flexibilität
  • EEG 2014  - fehlende Anreize zur intelligenten Nutzung
  • Ausbaupotenziale der Biomasse in Deutschland begrenzt

Biogas ist der wertvollste aller regenerativen Energieträger. Es ist nahezu beliebig speicherbar, hat eine hohe Energiedichte und kann für alle relevanten Anwendungen genutzt werden. Mit dem Ausbau der volatilen Erzeugungsanlagen Wind und PV, kommt dem Biogas dabei verstärkt die Rolle zu, einen nachhaltigen Beitrag zur Versorgungssicherheit in der Strombereitstellung zu leisten. Die Neufassung des EEG 2014 sollte diesem Umstand Rechnung tragen.

In seiner Begrüßung ging der Gastgeber des Cluster-Treffs, Jens Eberlein, Geschäftsführer der BayWar.e. Green Energy Products GmbH, auf die Handelsmechanismen für Biomethan ein. Nach der Aufbereitung des Biogases auf Erdgasqualität, ist der Handel mit dem dadurch entstandenen Biomethan auf Basis des DENA Biomethanregisters möglich. Dies ist der Schlüssel zu einer vielfältigen Nutzung von Biogas in der Strombereitstellung durch KWK, der Mobilität, Industrie oder im Wärmemarkt.

Eine hochaktuelle und profunde Analyse des neuen EEG 2014, im Hinblick auf die künftige Nutzung von Biomethan im BHKW, wurde durch Andreas Brehmer, Partner Counsel bei der, auf Energieberatung spezialisierten Kanzlei Becker, Büttner Held, beigesteuert. Der Wegfall der Boni, insbesondere Einspeisebonus und geänderte Vergütungssätze, erschweren nach seiner Einschätzung den künftigen wirtschaftlichen Betrieb neuer Anlagen erheblich. Möglichkeiten wie die bilanzielle Teilung der Einsatzmengen, § 45 EEG und der Felxibilitätszuschlag bieten gewisses Gestaltungspotenzial, insgesamt verschlechtern sich die Rahmenbedingungen jedoch. Insbesondere die Komplexität der neuen Regelungen seien im Hinblick auf die rechtssichere Ermittlung der Vergütungssätze katastrophal.

Diese grundlegende Einschätzung teilt auch Michael Widmann, bei der Baywa r.e. Green Energy Products verantwortlich für den Vertrieb. Er sieht die künftigen Vermarktungsmöglichkeiten, durch die doppelte Anrechnungsquote von Gas aus Abfällen, eher im Bereich der Mobilität und zu einem geringeren Anteil als Ökogas im Wärmemarkt. Die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan stellt dabei die Grundvoraussetzung dar, um mit einem guten Partner die optimale Vermarktungsstrategie flexibel anzupassen.

Nach der Kaffeepause gab Sabine Strauch, von Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen, einen profunden Überblick zu den aktuellen Möglichkeiten der Biogaseinspeisung. Obwohl von den ca. 8000 aktuell in Deutschland im Betrieb befindlichen Anlagen erst ein relativ kleiner Anteil, von aktuell etwa 150 Anlagen einspeist, hat sich deren Anzahl in den letzten Jahren kontinuierlich nach oben entwickelt. Die hierfür zur Verfügung stehenden Technologien haben einen hohen Reifegrad erlangt, weisen aber systembedingte Unterschiede auf. So sollte insbesondere dem Methanschlupf in der Lebensdauerberechnung die erforderliche Aufmerksamkeit zu Teil werden und auch die örtlichen Gegebenheiten, den Gasdruck in der Leitung betreffend, bei der Technologieauswahl berücksichtigt werden.

Ein düsteres Bild der aktuellen Situation zeichnete auch Georg Radlinger, Prokurist bei der Erdgas Schwaben GmbH. Insbesondere der Wegfall des Aufbereitungsbonus, auch für Gas aus Abfall, ist aus seiner Sicht ein Fehler der dazu führen wird, dass vorhandene, sinnvolle Ausbaupotenziale nicht genutzt werden. Die Teilnahme am Regelenergiemarkt wäre zwar eine Option zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit, allerdings sind die Anlagen hierzu in der Regel zu klein. Unter diesen Umständen wird, so seine Einschätzung, statt einer intelligenten Nutzung der Biomasse, keine Nutzung der Biomasse stattfinden.

Den Abschlussvortrag gestaltete Robert Wagner vom Veranstaltungspartner, CARMEN e.V. in Straubing. Er legte die Ausbaupotenziale der Biomasse in Deutschland detailliert dar. Das rasante Wachstum der letzten Jahre stellte er dabei in den Zusammenhang der in den 90er Jahren verbreiteten Stilllegungen landwirtschaftlicher Nutzflächen. Dieses Potenzial sei aber aktuell ausgeschöpft. Reserven bestehen noch im Bereich Gülle und Abfall, wobei hier der Energiegehalt deutlich niedriger liegt als bei den aktuell verbreiteten Maissubstraten. Eine abschließende Meinung zur Teller-Tank Problematik sei wegen der Bilanzierungsgrenzen insofern schwierig, als Deutschland einerseits in erheblichem Umfang Futtermittel importiert, andererseits aber viele hochwertige Lebensmittel exportiert. Die überdurchschnittliche Bevölkerungsdichte relativiert die Aussagekraft einer solchen Betrachtung jedoch generell. Nach seiner Einschätzung wären in der Summe noch etwa 10% Steigerung der Biomassenutzung, von derzeit etwa 30 TWh el auf etwa 33,5 TWh el in Deutschland sinnvoll möglich. Erheblich größere Möglichkeiten bestehen außerhalb der Landesgrenzen, wo viele Anbaugebiete nicht oder nicht intensiv genutzt werden.

Fazit der Veranstaltung

Für die flexible und intelligente Nutzung von Biomethan wurden in den letzten Jahren sowohl die Marktmechanismen als auch die technischen Voraussetzungen geschaffen. Aufbereitungsanlagen zur Einspeisung ins Erdgasnetz sind ausgereift und auf Basis verschiedener technologischer Ansätze verfügbar. Eigentlich ideale Voraussetzungen für die dringend erforderliche, bedarfsgerechte Verstromung. Leider setzt das neue EEG 2014 mit der Abschaffung des Aufbereitungsbonus hier die falschen Zeichen. Da das weitere Ausbaupotenzial für Biomasse in Deutschland zudem sehr begrenzt ist, wird wohl die wenig sinnvolle vor Ort Verstromung mit eingeschränkter Wärmenutzung so lange weiter gehen, wie sich die Bestandsanlagen in der Förderung des „alten“ EEG befinden. Eine Nutzung brach liegender Anbaupotenziale in Ost Europa, zur dortigen lokalen Wertschöpfung, könnte ein Ansatz sein. Der dadurch stimulierte Exportmarkt könnte ein Lichtblick für die technologisch bestens aufgestellte Biogasbranche in Bayern sein, die aktuell sehr schweren Zeiten entgegengeht.

Fachlicher Ansprechpartner 
Torsten Urban
Tel. +49 911-20671-224
Fax +49 911-20671-733

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