Stromtrassen als wertvolle Lebensräume

In einem Forschungsprojekt, an dem die verschiedenen Interessengruppen rund um den Netzausbau beteiligt waren, wurden Erkenntnisse zur ökologischen Trassenpflege ausgewertet.
nach Quelle: E&M Powernews, 13. September 2017

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz, das Bundesamt für Naturschutz (BfN) sowie die Netzbetreiber Amprion und Westnetz haben am 12. September die Ergebnisse eines Forschungsprojekts vorgestellt, das den Titel „Ökologisches Trassenmanagement unter Stromleitungen – ein Beitrag für den Biotopverbund?“ trägt.


In Rheinland-Pfalz wurden seit August 2015 die Potenziale eines naturverträglichen und biotopverbindenden Trassenmanagements untersucht und entsprechende Maßnahmen analysiert. Neben Amprion und Westnetz war auch die Bahn-Tochter DB Energie am zwei Jahre laufenden Projekt beteiligt. Wissenschaftlicher Partner war die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben wurde vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums und von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz gefördert.


Da Stromversorger bei Leitungen, die durch Waldgebiete verlaufen, häufig großflächig Bäume entfernen müssen, damit diese nicht in die Netze hineinwachsen oder hineinstürzen, werden die Lebensräume zahlreicher Tiere beeinträchtigt. Daher haben sich die Projektpartner von der Frage leiten lassen, wie Freileitungstrassen als abwechslungsreiche Biotope entwickelt werden und so zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen können. Außerdem ging es darum, wie eine moderne, ökologische Trassenpflege effizient und kostensparend umgesetzt werden kann.


Die Deutsche Umwelthilfe und das Bundesamt für Naturschutz haben sich zum Ziel gesetzt, das ökologische Trassenmanagement bundesweit zu etablieren. „Das BfN ist der Meinung, dass mit Hilfe des ökologischen Trassenmanagements der notwendige Ausbau des Stromnetzes für die erneuerbaren Energien naturverträglicher gestaltet werden kann“, erklärte Matthias Herbert, Abteilungsleiter Natur und Landschaft in Planung und Projekten. Deshalb freue man sich beim Bundesamt sehr über die Bereitschaft der beteiligten Netzbetreiber, das Instrument weiter zu entwickeln.
Die Ergebnisse zeigten, sagte Sascha Müller-Kraenner, dass Stromversorgung und Naturschutz sinnvoll und effizient miteinander verbunden werden könnten. Und nicht nur die Natur profitiere, sondern auch der Mensch: „In waldreichen Gebieten mildert die ökologische Trassenpflege optisch die Schneisenwirkung“, erklärte der DUH-Bundesgeschäftsführer.


In einer Mitteilung hob die DUH hervor, dass sowohl die Westnetz als auch Amprion bereits langjährige Erfahrung mit einem ökologischen Trassenmanagement in die aktuelle Untersuchung einbringen konnten.
Sein Unternehmen vergesse nicht, so Christian Trimpe, Landschaftsarchitekt im Bereich Genehmigungen/Umweltschutz Leitungen bei Amprion, dass die Trassen der Übertragungsnetze zahlreiche Pflanzen und Tiere, darunter seltene und unter Schutz stehende Arten, beherbergen. „Wir sehen es als unsere Verantwortung an auch im Rahmen des notwendigen Netzausbaus, diese Vielfalt zu erhalten und zu fördern“, sagte Trimpe.


Zwar stehe bei der Pflege von Waldtrassen die Versorgungssicherheit im Vordergrund, erklärte Rainer Fennel. „Durch ein intelligentes ökologisches Trassenmanagement können wir aber gleichzeitig auch wertvolle Lebensräume und Biotopstrukturen schaffen“, so der Leiter Operation Hochspannung in Rheinland-Pfalz bei der Westnetz weiter.


Die Ergebnisse des Projektes sowie die Praxiserfahrungen der beteiligten Netzbetreiber hat die DUH in einer praxisorientierten Arbeitshilfe zusammengefasst, die sie auch anderen Netzbetreibern zur Verfügung stellt.

Autor: Fritz Wilhelm


Die Arbeitshilfe kann ab 1. Oktober 2017 bei der DUH bestellt und von der Internetseite der Deutschen Umwelthilfe heruntergeladen werden.