Kohlekraftwerke in Europa erleben Absturz

Mehr als drei Viertel der zwischen 2005 und 2008 angekündigten Kohlekraftwerke in Europa wurden nicht gebaut.
nach Quelle: E&M PowerNews, 16. August 2017
Einer Studie der Universität Cambridge zufolge wurde ein Großteil der angekündigten Kohlekraftwerke in 18 EU-Staaten nicht umgesetzt. Wie es in dem Papier aus Großbritannien heißt, seien zwischen 2005 und 2008 Stein- und Braunkohlekraftwerke mit einer Leistung von 49 429 MW angekündigt worden. Bislang am Netz, Stand 2. Quartal 2016, seien lediglich 10 510 MW. Das bedeutet, dass 77 Prozent der Projekte abgesagt wurden. Von 65 Kohlekraftwerken wurden nur 12 gebaut.
In größerem Umfang wurden Kohlekraftwerke in Deutschland, den Niederlanden und Polen errichtet. Wie es in der Studie heißt, lag das daran, dass die Kohle dort oftmals Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt habe. Zudem wurden in Deutschland und Polen Braunkohlekraftwerke direkt an den Kohlengruben errichtet. In den Niederlanden spielt die Nähe zum Hafen Rotterdam eine Rolle.
Der Grund für die Kohleeuphorie zwischen 2005 und 2008 lag zum einen in einem starken Wirtschaftswachstum in Europa. Erfahrungsgemäß geht damit auch ein Anstieg der Stromnachfrage einher. Weiterhin ging man von einem tendenziell sinkenden Kohlepreis aus, der die Wirtschaftlichkeit der Kohlekraftwerk stärken würde. Zudem waren zu dieser Zeit die Investitionsumstände günstig.
Nach 2008 stellte sich jedoch heraus, dass die Annahmen nicht eingetreten sind. Der erhöhte Zubau von Erneuerbaren-Energie-Anlagen ließ die Strompreise an den Großhandelsmärkten sinken. Aufgrund der geänderten Umstände sagten viele Unternehmen ihre Projekte ab.
Autor: Stefan Sagmeister
 
Weitere Informationen: Studie (auf englisch)