E.On erneut mit einem Milliarden-Verlust

Nach dem erfolgreichen Börsengang von Uniper hat der Eon-Konzern 6,1 Mrd. Euro an Abschreibungen in der Bilanz vornehmen müssen.
Nach Quelle: E&M Powernews, 9. November 2016

Der Eon-Konzern steuert nach der Uniper-Abschaltung im September in diesem Jahr auf den dritten Milliardenverlust in Folge und dem bislang höchsten in der Unternehmensgeschichte zu. Für die ersten neun Monate gab Finanzvorstand Michael Sen ein Minus von 9,3 Mrd. Euro bekannt. Der Fehlbetrag geht hauptsächlich auf Abschreibungen zurück, mit denen der Eon-Vorstand nach dem erfolgreichen Börsengang von Uniper den Wert seiner verbliebenen Beteiligung in Höhe von 47 Prozent im abgelaufenen Quartal nach unten korrigierte – und zwar um gleich 6,1 Mrd. Euro. Dass es nach dem Börsengang von Uniper, in die neben den konventionellen Kraftwerken auch Eons ehemaliger Großhandel und die Gasproduktion übertragen worden ist, zu einer Neubewertung kommen würde, lag auf der Hand. Erschreckend ist sicherlich die Höhe des dadurch resultierenden Verlustes.

Weitere Belastungen stünden nach Sens Worten durch die Kosten für den Atomausstieg bevor. Über dessen Finanzierung hatte sich die Bundesregierung in den zurückliegenden Wochen geeinigt. Danach bleiben die Atomkonzerne weiterhin für den Rückbau ihrer Nuklearmeiler verantwortlich, die Zwischen- und Endlagerung des Atommülls übernimmt aber ein öffentlich-rechtlicher Fonds. In diesen Atomfonds müssen die Betreiber der Atomkraftwerke ihre bislang dafür gebildeten Rückstellungen überweisen und zusätzlich eine „Risikoprämie“ einzahlen. Auf Eon kommen so zusammen Kosten von 9,8 Mrd. Euro zusammen, die nach dem derzeitigen Stand der Dinge im kommenden Spätsommer in die Bundeskasse eingezahlt werden müssen. 7,8 Mrd. hatten Eon nach Sens Worten bislang an Rückstellungen gebildet, sprich für die anstehende Zahlung müssen zwei Mrd. euro irgendwie finanziert werden.

Durch den sich abzeichnenden Rekordverlust und eine Neubewertung der atomaren Rückstellungen ist absehbar, dass das Eigenkapital des Energiekonzerns bis Jahresende nicht nur aufgezehrt sein wird, sondern in den roten Bereich abrutscht. „Davon wird unsere Fähigkeit, für dieses Jahr eine Dividende auszuschütten, nicht betroffen sein“, betonte der Finanzvorstand.

Auf das Milliarden-Minus hat Eon bereits nicht nur mit einem Stopp für Neueinstellungen und neue Investitionen reagiert. Von einem neuen Sparprogramm verspricht sich Eon zudem in bis Ende kommenden Jahres eine Kostenreduktion in Höhe von rund 400 Mio. Euro. Ob und inwieweit davon die derzeit aktuellen 40 000 Arbeitsplätze betroffen sind, ließ Sen aber offen. Was auch nicht zur Motivitation der Mitarbeiter beiträgt.

Angesichts der gigantischen roten Zahlen fiel es dem Finanzvorstand schwer, den Fokus auf erfreuliche Entwicklungen bei Eon zu lenken. In den neuen Kerngeschäftsfeldern Ökostrom, Netze und Vertrieb lag das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit knapp 1,9 Mrd. Euro um rund 13 Prozent über dem des Vorjahres. Allersings ging das Ebit im Gesamtkonzern um 4 Prozent zurück. Für das gesamte Geschäftsjahr bestätigte Sen Eons bisherige Prognose von einem bereinigten Ebit zwischen 2,7 und 3,1 Mrd. Euro.

Keine Aussagen wollte Sen für die weitere Entwicklung von Eons US-Geschäft nach dem Wahlsieg von Donald Trump machen. Zwischen Atlantik- und Pazifikküste betreibt Eon mehrere Windparks, deren Wert Sen auf gut 4 Mrd. Euro bezifferte. Trump hatte sich im zurückliegenden Wahlkampf alles andere als ein Freund der erneuerbaren Energien gezeigt.

Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.eon.de/pk/de.html

Autor: Ralf Köpke