"Echte Bürgerbeteiligung führt zu erfolgreicher Energiewende"

Windkraft Onshore. Die Bundesnetzagentur (BNetzA) hat die Ergebnisse der ersten Ausschreibung für Windparks an Land veröffentlicht. Die Reaktionen von Branchenexperten.
nach Quelle: E&M PowerNews, 19. Mai 2017


Bildquelle: iStock_Large©mitif

Ein Zuschlag bei der Ausschreibung ist für Anlagenbetreiber Pflicht, um die EEG- Förderung zu erhalten. Für das Ausschreibungsvolumen von 800 MW wurden 256 Gebote mit einem Volumen von 2 137 MW abgegeben. Projekte mit einem Volumen von 807 MW wurden bezuschlagt. Dabei lag der durchschnittliche Zuschlagswert bei 5,71 Cent/kWh.
Zwölf Gebote wurden vom Verfahren ausgeschlossen. Von den 70 bezuschlagten Projekten erhielten Bürgerenergiegesellschaften 65 Projekte mit einem Volumen von 776 MW.
 
Der VDMA-Fachverband Power Systems bewertet das Verfahren der Ausschreibung grundsätzlich positiv, sieht aber große Risiken bezüglich der Realisierung der bezuschlagten Projekte und des Zeitrahmens. Die Ausschreibung sei mit Geboten von 2 137 MW deutlich überzeichnet gewesen. „Überzeichnung und damit Wettbewerb sowie im Ergebnis relativ günstige Vergütungssätze zeigen in die mit den Ausschreibungen beabsichtigte Richtung,“ sagte Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems und energiepolitischer Sprecher des Verbands. Das Übergewicht von Bürgerenergieprojekten, die ohne Genehmigungen in die Ausschreibungen gehen konnten, sei in dieser extremen Form nicht erwartet und dieses Modell eigentlich als Ausnahme angelegt worden. „Für die Hersteller aber auch für eine zügige Umsetzung der Energiewende ist nun eine hohe Realisierungsquote sowie eine zeitnahe Umsetzung der Projekte wichtig,“ sagte Zelinger.
 
Gesellschaften wirklicher Bürger?
 
Die Auswirkungen des Systemwechsels auf die Akteursvielfalt lasse sich zwar nicht abschließend beurteilen, der Kahlschlag sei jedoch ausgeblieben, sagt Andreas Wellbrock, Geschäftsführer der Windenergieagentur WAB e.V. „Die Bürgerenergie ist für die Akzeptanz und damit den Erfolg der Energiewende genauso wichtig wie das Engagement größerer Unternehmen.“ René Mono, Vorstand im Bündnis Bürgerenergie e.V., gibt jedoch zu bedenken, dass mit einer vollkommen neuen Definition von Bürgerenergie gearbeitet worden sei: „Daher müssen wir genau hinschauen, ob alle Unternehmen, die sich als Bürgerenergie-Gesellschaften in der Ausschreibung ausgewiesen haben, tatsächlich das erfüllen, worauf es bei Bürgerenergie ankommt: Demokratie, Mitsprache und Mitbestimmung der Menschen vor Ort.“ Es könne sein, dass sich in Wahrheit Großinvestoren hinter Bürgerenergiegesellschaften verbergen, so Mono.
 
Dass viele Bürgerenergiegesellschaften Zuschläge erhielten sieht auch der Energieversorger Greenpeace Energy als grundsätzlich positiv an. Allerdings betont auch dieser, dass das Ergebnis genau darauf geprüft werden müsse, ob es sich um Gesellschaften tatsächlicher Bürger handelt oder doch Großinvestoren dahinterstecken. „Das ist ein entscheidender Unterschied, denn nur eine echte Bürgerbeteiligung führt zu einer erfolgreichen Energiewende“, sagt Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy. „Wenn lokale Akteure den Ausbau der erneuerbaren Energien weiterhin mitgestalten können, erhöht das die Akzeptanz, steigert die Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien vor Ort und verbessert allgemein die ökonomisch-demokratischen Mitwirkungsmöglichkeiten in unserer Gesellschaften. Ohne besondere Regeln für die Bürgerenergie droht die Energiewende zum Tummelplatz großer Konzerne zu verkommen, weil die mit Ausschreibungen verbundenen Risiken umso schwerer zu tragen sind, je kleiner und bürgernäher ein Unternehmen ist.“
 
Autor: Jonas Rosenberger