Rückblick zum 5. Forum "Schlanker Materialfluss"

Flexible Produktion durch Lean Management
28.9.2012
  • Abstimmung der Aktivitäten elementar für Effizienz
  • Schlanker Materialfluss von der Beschaffung bis zum Versand
  • Über 180 Teilnehmer beim 5. Forum „Schlanker Materialfluss"

> Impressionen

 

Gerade in Zeiten einer hohen Produktionsauslastung ist Lean Production mit durchgängig schlanken Materialflüssen besonders gefordert. Vor allem in der Automobilindustrie wird Individualisierung und Flexibilität bei immer kurzfristigeren Lieferterminen erwartet. Die Idee des schlanken Materialflusses beruht auf dem bekannten Toyota Produktions-System (TPS). Die Grundprinzipien lassen sich auch für logistische Problemstellungen in anderen Branchen anwenden und kontinuierlich weiterentwicklen.

Durchgängige und flexible Beschaffungs- und Lieferantenstrategien sowie innovative Konzepte für effizienten Materialfluss vom Wareneingang bis zum Versand waren inhaltliche Schwerpunkte des 5. Forums "Schlanker Materialfluss" am 26. September 2012 bei der MAN Truck & Bus AG.

Richtungsweisende Beispiele der Umsetzung zeigten, dass Unternehmen ihre Wettwettbewerbsfähigkeit erheblich steigern können. Gleichzeitig verbessern sie durch angewandte Lean-Prinzipien ihre Umweltbilanz, schonen Ressourcen und können flexibel auf Veränderungen der Märkte reagieren.

Einen hervorragenden Einstieg aus der Forschung gab zunächst Prof. Kai Furmans, Leiter des Instituts für Fördertechnik und Logistiksysteme am KIT in Karlsruhe. Wie lassen sich „Lean und flexibel" und Automatisierung in Einklang bringen? Sein Institut liefert einen revolutionären Ansatz: Starre Förderbänder werden durch einen „Flex-Förderer" ersetzt, der sich einfach und schnell auf neue Anforderungen umbauen lässt. In einem weiteren Entwicklungsschritt wurden selbst navigierende Einheiten realisiert, die z. B. Gebinde transportieren und sich, Software gesteuert, je nach Aufgabe zu größeren Verbünden zusammenschließen. Mit dieser innovativen Entwicklung im Rahmen des Automatisierungs-KARIS-Projektes mit autonom agierenden, kleinen fahrerlosen Transporteinheiten werden die Grenzen zwischen starrer Fördertechnik und manuellem Handling aufgehoben.

Dr. Georg Mohr, Leiter Zentraleinkauf - Beschaffungsstrategie und -controlling bei der Schaeffler AG stellte einen sehr interessanten Ansatz des mehrstufigen Beschaffungsmanagements vor, den er u.a auch bei seiner Tätigkeit bei Audi und VW verfolgt hat. So wird z. B. ein gemeinsames Materialgruppenportfolio von allen Zulieferern in allen Stufen der Wertschöpfungskette erstellt. Der OEM oder Tier 1 Supplier tritt dabei mitunter auch als Verhandlungsführer gegenüber dem Rohstofflieferanten auf. Neben der Konsistenz in der Qualität und den preisgetriebenen Bündelungseffekten liegen die Vorteile in der besseren Verhandlungsposition und dem „Time-to-Market". Sie können auch im Bereich der Zahlungsausfallsicherheit, dem Wissen um den Endkunden, dem Währungsmanagement sowie leichterer Steuerung von Allokationen im Netzwerk liegen.

Thomas Wunderlich, Teamleiter bei der MAN Truck & Bus AG bestätigte, dass eine erfolgreiche Umsetzung des Lean-Gedankens durchgängige schlanke Prozesse in Beschaffung, Herstellung und Versand erfordert und projizierte dies am Beispiel des Werksverbundes der MAN. Grundlegende Funktionsweisen des eingesetzten IT-Systems des Supply Cockpit sind das Trailer-Kanban im Pull-Prinzip, die Transparenz über alle drei Kanban-Kreisläufe (Produktion, Trailer und Transport) sowie Full-Truck-Load zur Berechnung über Volumen, Gewicht und Behälteranzahl. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen mit Projektleitern aus Logistik und IT notwendig.

Dass es beim schlanken Materialfluss nicht um Einzelmaßnahmen oder kurzfristig zu erzielende Effekte geht, zeigten auch die Praxisbeispiele in den beiden parallelen Themenreihen „Flexibilität & Lean" und „Prozesseffizienz" am Nachmittag.

Die Konzeption der Plattform wurde von der Bayern Innovativ GmbH, verantwortlich für das Management des Netzwerks Logistik und Cluster Automotive in Zusammenarbeit mit der Lepros GmbH erstellt und fand umfassende Unterstützung durch die IHK für München und Oberbayern sowie dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Es bot den über 180 Teilnehmern und 18 Ausstellern einen hervorragenden Rahmen für Kontaktanbahnungen.

Bereits am Vortag konnten sich viele Teilnehmer des Forums bei einer Führung durch die Fertigung der MAN Truck & Bus AG einen Eindruck davon verschaffen, wie ein großes Unternehmen erfolgreich theoretische Logistikkonzepte aus dem Bereich des Lean Managements in die Praxis umsetzt.

Ansprechpartner

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