Digitalisierung weit oben auf der Agenda

Ernst&Young haben in ihrer Stadtwerkestudie 2017 insbesondere die Rolle des Verteilnetzbetreibers unter die Lupe genommen.
nach Quelle: E&M PowerNews, 23. Juni 2017
Laut einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst&Young sieht nicht einmal die Hälfte – nämlich 47 % – der Stadtwerke und regionalen Energieversorger in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Digitalisierung als Chance. Von den befragten 214 Unternehmen fühlen sich sogar 27 % von ihr bedroht. Gleichwohl gaben 71 % an, sich intensiv mit dem Thema Digitalisierung auseinanderzusetzen.
 
Die betreffenden Unternehmen dürften zu den 83 % gehören, die angaben, sich stark oder sehr stark mit der Optimierung interner Prozesse und der betrieblichen Reorganisation zu beschäftigen. Auch die Umsetzung IT-gestützter Prozesse, wie beispielsweise die Marktprozesse zur Bilanzkreisabrechnung steht bei vielen Stadtwerken (77 %) weit oben auf der Agenda, genauso wie der Themenkomplex Smart Metering/Smart Grids/Netzintegration.
 
Der Untersuchung zufolge haben bereits rund 30 % der Befragten mit dem Rollout begonnen oder planen, ihn in diesem Jahr zu beginnen. Die Mehrzahl hat ihn allerdings erst für das kommende Jahr in der Planung. Etwas mehr als 50 % der Unternehmen haben bereits entschieden, wie sie den Messtellenbetrieb angehen wollen. Die Mehrzahl von ihnen wird ihn selbst Umsetzen – gegebenenfalls mit Unterstützung von Dienstleistern oder auch im Rahmen von Kooperationen. Allerdings befindet sich ein Drittel der Kommunalen noch im Entscheidungsprozess, ob sie tatsächlich die Grundzuständigkeit für das Messwesen, die bis zum 30. Juni 2017 bei der Bundesnetzagentur angezeigt werden muss, übernehmen werden. Insgesamt gehen 32 % der Befragten davon aus, dass die Nutzung und Bereitstellung von Daten lukrative Geschäftsmodelle ermöglicht.
 
Zu den Hoffnungsträgern gehören auch der Aufbau und Betrieb einer Elektroladeinfrastruktur – dies planen 23 % der Unternehmen – sowie die Umsetzung dezentraler Speicherlösungen (21 %).
 
„Die deutschen Stadtwerke und Versorgungsunternehmen haben eine große Kompetenz im Aufbau und Betrieb von Infrastrukturen. Daher gehören der Aufbau und der Betrieb einer Ladeinfrastruktur oder andere Lösungen für die Smart City zu ihren Tätigkeitsfeldern für die Zukunft“, erklärt Metin Fidan, Energy Sector Leader und Partner bei Ernst&Young.
 
Die Daten wurden zu einer Zeit erhoben, in der 56 % der kommunalen Versorger gute oder sehr gute Geschäfte erwarten. Der Autor der Studie, Ernst&Young-Direktor Helmut Edelmann, weist jedoch darauf hin, dass seit 2015 der Anteil derjenigen, die ein schlechtes oder sehr schlechtes Geschäftsjahr erwarten, sich mehr als verdreifacht hat, von 2 % im Jahr 2015 über 4 % im vergangen Jahr auf 7 % in 2017. Ob es sich nur um eine Momentaufnahme handle oder um einen Trend, bleibe abzuwarten.
 
Bei der Einordnung des Netzbereichs in die kommunalen Unternehmen, geben viele Manager an, er sei die Basis des Energiegeschäfts. Zwar wird von etwa drei Viertel der Befragten der Netzbereich als unabhängig von den übrigen Geschäftsfeldern eines kommunalen Versorgers betrachtet. Dennoch würden die Netzaktivitäten auf die übrigen Bereiche eines Stadtwerks „ausstrahlen“. Dieser Meinung sind 73 %.
Im Vergleich zu 2016 hat der Untersuchung zufolge auch die Bedeutung von Finanzierungsfragen zugenommen: von 33 auf 47 %. „Das ist zum einen eine Folge strengerer Kreditvorgaben durch die Banken wegen der gestiegenen regulatorischen Anforderungen. Es zeigt aber auch den enormen Investitionsbedarf, den es in der Branche gibt“, so Helmut Edelmann.
 
Die Studie steht hier zum Download zur Verfügung.
 
Autor: Fritz Wilhelm